Schon früh verglich man die Anbetung der Geliebten im hohen Sang mit der Marienverehrung. Und in der Tat gibt es da Überschneidungen. Maria, die unbefleckte, reine, anbetungswürdige Frau - sie war damals höchstes Ideal der Reinheit und Tugend. Ihr zu folgen, war die höchste Tugend. Sie war die "Über"-Herrin.
Mit ihrem Namen ließ sich aber auch Politik machen - mörderische, kriegerische Politik! Im Namen von Maria wurden die Kreuzzüge gen Jerusalem aufgerufen. Viele Minnesänger beschäftigten sich in ihren Liedern mit dieser Thematik. Da gab es zum Beispiel die lautstarken Propagandisten des Kreuzfahrerlebens wie Albrecht von Johannsdorf und Heinrich von Rugge. Sie beklagten sich darüber, dass die Heiden infrage stellen, dass die Gottesmutter eine Jungfrau gewesen sei. Der Teufel habe triumphiert - aufgrund der Sünden der Menschen. Nur durch einen Kreuzzug gegen die Heiden, die die heilige Stadt entweiht hätten, sei diese Schmach zu tilgen.
Es
gab auch die nachdenklichen, ja sogar die kritischen Töne. Berühmtheit
erlangt Friedrich von Hausen mit seinem Abschiedslied, indem er den inneren
Zwiespalt zwischen den Wünschen seines Herzens und seines Leibes zum
Ausdruck bringt. Sein Leib will kämpfen mit den Heiden, doch sein
Herz wird von einer Frau festgehalten. Von Hausen bietet für diesen
Konflikt keine Lösung, am Ende trennen sich Herz und Leib - er zieht
mit dem Schwert, aber ohne das Herz in den Kampf.
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diu wellent scheiden, diu mit ein ander wâren nu manige zît. der lîp wil gerne vehten an die heiden, sô hât iedoch daz herze erwelt ein wîp vor al der welt, daz müet mich iemer sît, daz siu ein ander niht volgent beide. mir habent diu ougen vil getân ze leide. got eine müese scheiden noch den strît! Ich wânde ledic sîn
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die wollen scheiden, Die doch zusammen war'n so lange, lange Zeit. Mein Leib will kämpfen mit den Heiden, Aber mein Herz ist nicht dazu bereit. Denn eine Frau hält es fest. Das stürzt mich ins Leid. Seither bekämpfen sich diese beiden. Mir bleibt doch nichts als tapfer zu leiden. Gott ganz alleine entscheide den Streit. Ich glaubte, dass ich frei
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Das Lied auf CD: I
CIARLATANI "Codex Manesse"
Auch Reinmar hat ein Kreuzlied geschrieben,
das den Widerspruch zwischen dem Minnedienst und dem Dienst für Gott
und Vaterland zum Inhalt hat. Am weitesten ging Neidhart, von dem man vermutet,
er habe selbst an einem Kreuzzug teilgenommen. In einem Lied beschreibt
er das trostlose Soldatenleben weit weg von zuhaus, aber auch weit weg
vom ersehnten Ziel Jerusalem. In einem anderen Lied wird der Ich-Erzähler
von einem Pfeil verwundet, beschreibt nun desillusioniert die Gräuel
des Krieges und seine Sehnsucht nach dem leichten, von der Liebe und der
Lust am Leben geprägten Leben zuhaus.
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do stund so hoch der mein gedank. der ist nu so gar verdorben. verflucht musse sein die weil. mir hat ein haidnischer pfeil vil grosse sorg erbarben wie gern ich freuden phlege. ob mir nicht nahen lege. ein schrancz die ist vnwege Ich chom gefaren uber mer
Do ich so gar verczagt was.
Mit chaiser fridreichs her.
Doch wais ich czwen dorff chnaben
Wol auff iungen es ist an der czeit.
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Vom süßen Dienst, vom heißem Drang, Da stand die Welt mir offen. Wir zogen fort, der Weg war weit. Verflucht sei diese neue Zeit: Ein Pfeil hat mich getroffen. Ihr könnt Euch amüsieren, Doch wir, wir müssen frieren Und diesen Krieg verlieren. Wir zogen los ins Heilge Land,
Ach, hier verlor' ich allen Mut,
Mit Kaiser Friedrichs großem Heer,
Zwei nette Burschen wohlbekannt,
Ihr jungen Leute, es ist Zeit,
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Das Lied auf CD: ENSEMBLE FÜR FRÜHE MUSIK AUGSBURG "Neidhart
von Reuental"
Doch die meisten Lieder anderer Dichter beschreiben die Erhabenheit des großen Kampfes der Kreuzritter - so auch das wohl heutzutage bekannteste Lied aus der Feder der Minnesänger, das Palästinalied von Walther von der Vogelweide. Es wechselt zwischen frommer Anbetung "heiliger Erde" und christlichem Größenwahn. Walther erkennt an, dass auch Juden und "Heiden" (=Moslems) das Heilige Land als ihr Erbe betrachten, gleichwohl spricht er davon, dass das Recht auf Seiten der Christen ist und Gott deshalb ihnen das Land zusprechen soll. Eine aktuelle Interpretation des Liedes, wie etwas von "Magister" Stephan M. Rother vorgetragen wird, betont den im Vergleich zu anderen Kreuzzugspropagandisten wie Rugge geradezu friedlichen Charakter des Textes und sieht das Lied als Rechtfertigung des unblutigen Friedensschlusses von 1229 durch Kaiser Friedrich II, bei dem er Jerusalem auf dem Vertragsweg zurückgewinnen konnte.
Die Melodie und Struktur der Strophen sind
von Jaufre Rudels Kreuzfahrerlied "Lanquan Li Jorn" stark geprägt,
das aber in der Gesamtwirkung doch einen ganz anderen Charakter hat (auf
CD von Oni Wytars "Music Of The Troubadours", MP3 bei Amazone).
Eine weitere Wurzel ist das melodisch verwandte anonyme Antiphon "O Maria
flos virginum" (auf
CD vom Musiktheater DINGO
"Ein Lindentraum", MP3 bei Besonic).
Im Juli 2002 erschien auf Anregung des Spielmanns van Langen eine halbstündige
Single mit dem Palästinalied, an der 20 Mittelaltergruppen mitgewirkt
haben - mehr Informationen hier.
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sît mîn sündic ouge siht daz reine lant und ouch die erde den man sô vil êren giht. mirst geschehen des ich ie bat, ich bin komen an die stat dâ got mennischlîchen trat. Schoeniu lant rîch unde hêre,
Hie liez er sich reine toufen,
In diz lant hât er gesprochen
Kristen, juden unde heiden
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Wenn mein sündig' Auge sieht Das reine Land und auch die Erde, Wo für uns soviel geschieht. Ich will seh'n, worum ich bat, Diesen Ort der größten Tat, Wo Gott selbst zum Menschen ward'. Schöne Länder, weite Meere,
Hier ließ er für uns sich taufen,
Diesem Land hat er versprochen
Christen, Juden und die Heiden,
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>>> Das Lied auf CD: ESTAMPIE "Crusaders" (MP3 hier), I CIARLATANI "Codex Manesse", DULAMANS VRÖUDENTON: "Minnesänger in Österreich" (MP3 hier), KURTZWEYL "Kurzweil mit Kurtzweyl", STUDIO DER FRÜHEN MUSIK "Troubadours, Trouvères, Minstrels", IN EXTREMO "Weckt die Toten", CORVUS CORAX: "Tritonus", ADARO "Words Never Spoken", QNTAL "Qntal 2", 20 MITTELALTERGRUPPEN "Palästinalied" und viele, viele mehr!
Sehr
ausführliche Informationen zu allen Kreuzzügen finden sich auf
der Seite www.zum-mittelalter.de.