EINE FRUCHTBARE, FREUDVOLLE ZUSAMMENARBEIT
Achim Reichel über seine Zeit mit Ougenweide
Im
Jahr 2010 jährt sich zum 40. Mal die Gründung der Band
Ougenweide. Aus diesem Anlass erscheint im Juni ein Tributalbum, auf
dem die Mittelalterszene ihre Pioniere ehrt. Dr. Lothar Jahn, der
für Emmuty Records das Album mit dem Titel "Tribut an
Ougenweide - Minne, Rock und Zaubersprüche" zusammenstellt,
interviewte den langjährigen Produzenten und "Entdecker" der Band:
das Hamburger Rock-Urgestein Achim Reichel (Foto links: Hinrich Franck).
Du giltst ja als der Entdecker von Ougenweide. Da frage ich jetzt mal: Wie hast du die Gruppe entdeckt und wo?
Also, das war so: Ein alter
Musikerfreund - Olaf Casalich -, der ja vor Ougenweide schon in anderen
Gruppen gespielt hat, schon zur Starclubzeit, der sagte mir irgendwann:
Du, Achim, ich hab da noch so eine kleine Gruppe, da spielen wir so
"alte Sachen". Und ich dachte: Was meint der mit "alte Sachen". Und er
sagte: "Walther von der Vogelweide, Frührenaissance und sowas".
Und ich denke: Ja, das klingt ja interessant, und sage: "Olaf,
das höre ich mir gerne mal an!" Und dann war das so, dass ich die
Gruppe das erste Mal hörte im Elternhaus der Familie Wulff in
Hamburg, da saßen die alle in einem Zimmer im Halbkreis und ich
spitzte meine Ohren. Zu der Zeit war es noch eine Mischung aus
deutscher und englischsprachiger Folk-Musik. Und ich sagte: "Olaf,
irgendwie finde ich das ja toll mit diesen ganzen Instrumenten, rein
musikalisch finde ich das super und sowas fehlt uns ja auch. Aber das
mit Fairport Convention und Steeleye Span, das machen die doch schon!"
Das erinnerte mich an ein Erlebnis mit Liederjan in der "Fabrik", da
spielten die zusammen mit den Dubliners, da gingen die Dubliners
hinterher zu den Liederjan-Jungs und fragten: "Warum spielt Ihr
eigentlich unsere Volkslieder, habt Ihr keine eigenen?" Da dachte ich:
Eigentlich haben die völlig Recht! Darüber habe ich dann mit
Ougenweide gesprochen, und so wurde das Englischsprachige immer weniger
und das Deutsche immer mehr. Und irgendwann habe ich gedacht: So, jetzt
marschiere ich mal los und versuche mal, die Schallplattenfirmen
dafür zu interessieren. Naja, das ist dann auch mit der Polydor
gelungen. Von da an wurde Ougenweide halt Ougenweide!
Stieß das Konzept gleich auf
Zustimmung: Walther von der Vogelweide und E-Gitarre, das ist ja
nichts, was so auf der Hand liegt?
Das fand ich gerade das Schöne
an der Sache, da war eine jugendliche Unbedarftheit im Spiel, die war
sowas von erfrischend. Stefan, der war gerade mal siebzehn, das waren
ganz junge, begeisterte Leute,
die gingen da nicht verbissen ran. Sie merkten: Je mehr man in die
Thematik eintaucht, um so interessanter wurde das eigentlich. Als die
dann anfingen, sich mit der mittelhochdeutschen Sprache
auseinanderzusetzen, da habe ich aber die Ohren angelegt und gedacht:
Oho! – Wenn man jetzt Sprachforscher wäre, dann würde
man mit dem ganz großen Vergrößerungsglas kommen, und
fragen: Ist das alles so korrekt? Aber die Frage stellte sich mir gar
nicht. Wir wissen doch, Hörgewohnheiten und Sichtweisen
verändern sich mit den Jahrhunderten, insofern werde ich immer
misstrauisch, wenn mit alten Dingen allzu gelehrig umgegangen wird.
Wenn dann die Frage auftaucht nach Authentizität, "so war das aber
gar nicht", "das gehört doch ganz anders" und all diese Dinge. Es
geht doch darum, das Überlieferte zu neuem Leben zu erwecken und
mit Sichtweisen unserer Zeit zu verbinden. Es geht weniger darum,
sich als Archivar oder Museumswächter hervorzutun. Insofern fand
ich das mit diesem bunten Haufen von Ougenweide sehr gut, wo sich diese
Texte mit musikalischen Angeboten als allen Himmelsrichtungen
verbanden! Davon war ich ganz begeistert!
Und davon hast du die Polydor auch begeistern können?
Nun, das war natürlich nicht
ganz einfach. Das klang ja zunächst einmal ziemlich elitär.
Aber, das Schöne ist eben: Wenn man bei diesen Plattenfirmen schon
mal bewiesen hat, dass man eine Nase hat, dann lassen die einen auch
machen. In meinem Falle war das so, dass die gesagt haben: Der Reichel,
der kommt da mit so einem komischen Zeug, wollen wir mal sehen, ob das
wirklich geht! Und das stellte sich ja dann auch ziemlich schnell
heraus, dass es ging!
War das dann gleich ein großer Erfolg, als das erste Album erschien, oder ist das so peu à peu gegangen?
Das war natürlich kein Ding,
das gleich "knallbumm" gemacht hat und die Heide brannte, so war das
nicht. Aber es wurde schnell deutlich, dass in dieser Musik und in
diesen Texten so viel Substanz ist, die auch tatsächlich etwas mit
unserer Kultur zu tun hat, dass sich auch Presse-Instanzen dafür
zuständig fühlten, die sonst dran vorbeigegangen wären.
Da war ja auch ein Quäntchen Provokation drin. Manche sagten:
"Darf man denn sowas machen?" Darin sah ich eine große kulturelle
Verunsicherung, dass selbst Presseleute diese Frage stellten. Und ich
sag dann immer: "Hey! Guckt doch mal nach England, guckt doch mal nach
Skandinavien, die gehen alle auf diese Weise mit traditionellen Dingen
um." Bei der Polydor dachte man zuerst: Gucken wir mal, Hauptsache, es
wird nicht so teuer, doch dann kam die Sache richtig in Gang. Auch der
Karsten Jahnke merkte schnell, dass das auf der Bühne eine
attraktive Sache ist.
Der Konzertveranstalter?
Ja.
Ich erinnere mich, dass Ougenweide
eine sehr spielfreudige und fleißige Band waren. Selbst im
nördlichsten Nordhessen, wo ich herkomme und wo es nur selten
Live-Musik gibt, sind sie in den Siebzigern dreimal aufgetreten. Die
Konzerte waren auch etwas ganz Besonderes. Erstmal haben sie unheimlich
lang gespielt - vier Stunden waren gar kein Problem - und es war eine
unheimliche Begeisterung im Saal, alle waren am Tanzen und Mitmachen,
zum Schluss zogen sie alle im Kreis um die Leute herum und alle
hinterher, das war schon großartig.
Das war auch eine Formation, da hat
das Schicksal einen bunten Haufen zusammengewürfelt und jeder
erzählte aus seiner Ecke und alles setzte sich zusammen zu einer
bunten Vielfalt, das reichte von poppig bis zu kammermusikalisch, da
war alles möglich. Und wenn man dann ein Musikerherz hat und nicht
nur fragt "Was kostet das? Was bringt das?", dann war das einfach
großartig. Ich bin ja ein Fan von dieser Folk-Musik, die damals
von den britischen Inseln herüberkam, da gab es ja
hinreißende Bands. Und sowas ähnliches in Deutschland zu
haben: Für mich persönlich wurde da so ein kleiner Traum
wahr: Musiker zu finden, die so etwas nicht nur einfach
herunterspielen, sondern sich dazu bekennen! Ougenweide haben sich in
dieser Musik offenbart, verwirklicht, wie auch immer du das nennen
willst. Das ging ja sehr viel später ein wenig verloren, als
Synthesizer ins Spiel kamen und eine Tendenz aufkam "Wir müssen
uns irgendwie weiterentwickeln".
Das ist ein Punkt, den ich gleich
nochmal ansprechen wollte. Bleiben wir erst nochmal in den Siebzigern.
Waren das kreativere Zeiten? War da mehr möglich als heute?
Ich denke ja. Da war mehr
möglich, weil dieses ganze Musikbusiness noch nicht so Business
war wie heute. Man war da unverkrampfter. Man fand da noch Leute in den
Plattenfirmen, die sagten: "Mensch, Achim, ich persönlich finde
das ganz toll. Das wird nicht ganz einfach, aber ich reiß mir den
Arsch auf, um das hier in dieser verdammten Firma durchzusetzen." Heute
findet man das ja kaum noch. Da wird gefragt: "Ist das formatgetreu?
Gibt's da 'ne Fernsehsendung für? Wie kriegen wir das gebreakt,
möglichst schnell, möglich unaufwendig?" Es war auch noch
nicht so, dass jeder Musiker gleich den großen Erfolg wollte, und
wenn er nicht im Fernsehen war, hat er seine Gitarre in die Ecke
gestellt. Ougenweide haben ja nicht umsonst so lange Konzerte gegeben,
die hatten da wirklich große Freude dran. Das waren keine
Charaktere, die gefragt haben: "Was kommt da für 'ne Knete
rüber?" Bei so einer großen Truppe war das ohnehin wenig, da
braucht man schon ein großes, großes Herz. Kein Mensch hat
damals geglaubt, dass aus so etwas eine Szene werden konnte. Um so
erfreulicher!
Was war denn damals so deine
Funktion, außer dass du Kontakte geknüpft hast? Hast du auch
weiter mit der Gruppe zusammengearbeitet?
Ja, wir wohnten ja zusammen in einem
Stadtviertel, das war bei mir zweimal um die Ecke. Da saßen wir
dann zusammen. Ich war ja deren Produzent, im Studio, insofern war ich
auch beim Proben dabei und habe versucht, mich behutsam einzubringen,
ohne dass ich jetzt gesagt habe: "Das muss jetzt so sein." Wenn man
selber Musiker ist und schon lange Musik macht, dann weiß man,
dass jede Band einem Produzenten gegenüber misstrauisch ist. Da
muss man erst mal ein Vertrauensverhältnis herstellen und dann
kann man auch mal eine Idee einbringen, so: "Gefällt Euch das, ist
es gut, gefällt es Euch nicht, bin ich auch nicht beleidigt." So
habe ich das versucht. Und ich habe versucht, die Gruppe an meinen
Erfahrungen, die ich über die Jahre gewonnen hatte, teilhaben zu
lassen. Ich habe mich nie als autoritären Produzenten verstanden,
der sagt: "Ich weiß, was Ihr wollt, und das geht so." Die
brauchten im Grunde genommen gar keine Ideen, die hatten sie alle
selber. Nur: Das so ein bisschen zu ordnen, da kam ja so eine ungeheure
Vielfalt zusammen. Das war eine sehr fruchtbare, freudvolle
Zusammenarbeit!
So, dann kommen wir jetzt mal auf
das Ende der 70er Jahre zu sprechen, du hast das ja vorhin schon
angedeutet. Da gab es einen gewissen Stilwandel, der die Fans ein
bisschen vor den Kopf gestoßen hat. Für mich ist "Ousflug"
das letzte Album gewesen, wo sie den Minne-Rock zur Vollendung gebracht
haben. Dann gab es mit "Ja-Markt" einen richtigen Bruch, das Album
wirkte schon optisch ganz anders, gleiches gilt für die Musik. Auf
der einen Seite ist mir aufgefallen, dass die Texte politischer
geworden sind, die Musik aber kommerzieller, man greift das auf, was
aus der "Neuen Deutschen Welle" kam, Spliff klingen an. Gab es in der
Gruppe eine Unzufriedenheit: Wir passen nicht mehr in diese Zeit?
– Oder wie hast du das empfunden?
Das waren mehrere Dinge, die
letztlich auch dazu geführt haben, dass ich ausgestiegen bin als
Produzent. Das kennt man ja auch aus eigener Erfahrung, dass eine
Gruppe merkt: "Studio - aha, so läuft das, so mache ich mich
verständlich, so kann ich einem Toningenieur vermitteln, wo wir
hinwollen", dass da so eine Sorte von Emanzipation stattfindet. Die
Band denkt: "Jetzt sind wir doch wer, jetzt haben wir auch eigene
Erfahrungen, jetzt wollen wir auch mehr Selbstständigkeit." Und
das ging einher mit: "Wir haben uns einen Moog gekauft...". Da merkte
ich: Da kommt jetzt so eine Gegenwelle. Hinzu kam Folgendes, das ist
noch ganz wichtig: Schallplattenfirmen sind einmal mehr Kaufleute, als
es dem Frieden gut tut. Die Polydor hat um ein Gespräch gebeten
mit Ougenweide, ohne dass ich dabei war, und hat denen vorgerechnet,
was die eigentlich verdienen würden, wenn die sich selber
produzieren. Und das war schließlich der Punkt. Nun ja, wie man
sieht: Wir sind heute noch befreundet. Damals hat man gedacht: So
langsam werden die Kinder erwachsen und gehen jetzt ihrer eigenen Wege.
Was ich nur so wenig
nachvollziehbar finde: Zwischen den beiden Alben ist fast so ein Bruch
mit der eigenen Tradition. "Ich bin ein Folkfreak" oder auch "Kein
schöner Land", da macht man sich ja fast so ein bisschen über
den Rückgriff auf alte Traditionen lustig und distanziert sich
davon, obwohl Ougenweide doch auf dieser Schiene groß geworden
ist. Die Rückbesinnung auf die Vergangenheit wird nun als
Weltflucht diffamiert. Das fand ich schon komisch: Dass man jetzt so
modern sein wollte, bis ins Outfit hinein, dazu diese kalten
Klänge, dieses ganz andere, fast sarkastische Herangehen an die
Welt, das ist mir stark als Bruch aufgefallen. Das ist für mich in
der Distanz schwer nachzuvollziehen: Wie kommt so etwas plötzlich?
Es ist ja ganz klar: Das ist den
Spliffern so gegangen, das ist Ideal so gegangen, das ist ein
Gruppenphänomen. Irgendwann ist auch ein Mitläufer, der
einfach nur sein Instrument gespielt hat, der Meinung: "Jetzt will ich
aber auch mal ein Lied schreiben" oder ein anderer sagt: "Jetzt will
ich aber auch mal...". Man kann auch sagen: Wenn's dem Esel zu gut
geht, will er aufs Eis. Aber: Das war deren Vorstellung von
Weiterentwicklung, obwohl die vielleicht in Wirklichkeit vorher schon
weiter waren. Darüber kann man jetzt diskutieren...
Sicher, in der Zeit merkt man's
nie. Gut, das war ja auch verlockend. Es gab plötzlich eine
große deutsche Musikszene, die aufbrach, wo jetzt ein anderer
Wind wehte. Schade, man hätte doch jetzt sagen können: "Jetzt
kommt Ihr. Wir waren aber schon da!" Statt dessen hat man gesagt: "Was
macht Ihr? Okay, das probieren wir jetzt auch mal!" Und das konnten sie
schlechter…
Es war eine nicht ganz
glückliche Form von Mit-der-Zeit-gehen. Ich meine: Musiker sind
auch verspielte Geister. Wenn's da irgendwas Neues gibt, dass man das
aus so einer Verspieltheit heraus interessant findet, das kann ich sehr
gut nachvollziehen. Doch das ist tatsächlich der Punkt, wo man
sagen könnte. "Moment, Moment, Moment, das, was es vorher war, das
war's eigentlich und das, was Ihr jetzt macht, das ist nur noch halb so
schön!" Oder: "Merkt Ihr eigentlich nicht, dass Euch das nur halb
so gut gelingt, wie das, was Ihr früher gemacht habt." Aber ich
habe mich damals lieber zurückgezogen, weil ich dachte: Jetzt
kommst du wirklich in so eine Rolle, wo du belehren musst, wo du mit
deiner Autorität rummachen musst, und solche Dinge liegen mir
nicht. Insofern konnte man nichts anderes tun, als denen Glück
wünschen!
Aber das hat sich dann auch kommerziell negativ ausgewirkt. Letztlich haben sie ihren Plattenvertrag dadurch verloren.
Ja, das war ziemlich schnell zu
Ende. Möglicherweise können die Jungs selber das viel besser
erklären. Es ist immer gefährlich, wenn ein Erfolg
unerwarteterweise eintritt und man sich dann auf diesen Erfolg
einzurichten hat, das vertritt, und sagt: Das ist unser Ding, das sind
wir. Da ist ein Stilwechsel problematisch, es ist schwierig zu
erkennen: "Wo ist das Quäntchen zuviel", vor allem, wenn man
allein ist. Man muss die Leute dann auch ziehen lassen, ich denke, auch
das ist eine Entwicklung, auch wenn sie am Ende schmerzhaft war.
Vielleicht war denen auch gar nicht klar, was die da eigentlich in die
Welt gestellt haben und sie haben gedacht: Ach ja, das machen wir jetzt
mal ein bisschen und wenn wir dreißig sind, müssen wir uns
mal einen Beruf suchen.
Hast du ein Lieblingsalbum von Ougenweide?
Das
ist ganz schwer zu sagen. Ich persönlich finde das
Live-Doppelalbum sehr gut, aber es gibt auch auf den anderen Alben
Stücke, die man heute genauso hören kann wie damals. Das ist
sowas von zeitlos! Schade ist natürlich, dass das ganze nur bis zu
einem bestimmten Punkt wachsen und sich entwickeln könnte. Da sind
auch Rundfunk und Fernsehen dran Schuld, die immer nur bis zu einem
bestimmten Punkt mitspielen. Da wird schnell gefragt: Ist das wirklich
was für alle oder nur für ein paar verrückte Spinner?
Anstatt zu sehen: Da setzt sich jemand auf zeitgemäße Weise
mit unserer Kultur auseinander! Es gab zwar die ZDF-Sendung über
die deutsche Geschichte, zu der Ougenweide die Musik gemacht hat, aber
viel mehr kam da nicht. Ich beneide die Bayern, wie die mit ihren
Biermösl Blosn umgehen, da kann sich der Norden eine Scheibe von
abschneiden. Hier will man immer international sein und jedem und allen
gefallen, dabei wird alles schließlich gesichtslos. Wenn eine
ganze Rundfunklandschaft sich "Formate" verpasst, da hat jemand, der
was ganz Besonderes macht, Schwierigkeiten, Gehör zu finden.
Dieses unterentwickelte Kulturbewusstsein, das nur noch sagt: "Mein
Taschenrechner muss mir Recht geben", macht einen Menschen, der meint,
dass dieses Land dringend eine kulturelle Erneuerung braucht, ganz
grüblerisch. Ich kann mir schon vorstellen, dass die damals
gedacht haben: Weiter als bis hier kommen wir nicht. Außer wir
werden noch populärer, noch moderner. Wir müssen
über unser Publikum hinaus gehört werden, und das damals hat
nicht geklappt.
Ja, und dann haben wir jetzt heute
eine sehr breite Mittelaltermusikszene, die von Mittelalterrock, wie
Ougenweide mal angefangen haben, über brachiale Klänge im
Metal-Bereich bis hin zur Marktmusik und einer breit gefächerten
historisch-authentischen Musikszene reicht, und das Spannende und
Interessante ist, dass fast alle, die da aktiv sind, sagen: Wir haben
früher mal Ougenweide gehört, und die haben uns auf den Weg
gebracht. Da können sie drauf stolz sein!
Das finde ich auch. Wir haben ja
auch hinterher noch in verschiedenen Projekten zusammengearbeitet. Wenn
die Jungs so ins Erzählen kommen, was denen so alles passiert ist,
und was da so abging und wie die Leute so reagieren, Ringelreihen und
Volkstanz vor der Bühne, da lehne ich mich zurück und denke:
Schade, dass das am Ende doch nicht so stark war, dass es ein
Zusammenhalten gegeben hat. Aber die Groschen fallen, wie sie fallen,
und da sind sicher auch höhere Mächte im Spiel. Ich
weiß es nicht. Aber die haben ja auch im Ausland gespielt und wer
weiß nicht wo. Also: Für mich hätten sie das ihr Leben
lang machen können!
Danke für das ausführliche und informative Gespräch!
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Achim Reichel wurde 1944 in Wentorf bei Hamburg geboren. Reichel gründete 1961 die Rattles, neben den Lords die erfolgreichste deutsche Beatband. Später war er mit der Band "Wonderland" und als Solist erfolgreich, seine bekanntesten Stücke sind "Der Spieler" und "Aloha Heja He". Er bemühte sich immer wieder um Neubelebung traditionellen Kulturguts, u.a. mit originellen Versionen von Shanties und Volksliedern oder Lyrikvertonungen. In den Siebziger Jahren produzierte er die Alben der Minne-Rock-Band Ougenweide.
>> Termine:
- Ougenweide-Tributkonzert
mit Poeta Magica, Irrlichter, Ursel Peters, Frank Wunderlich, Knud
Seckel, Marcus van Langen, Irregang, Skandor, Arundo und Musiktheater
Dingo: Sa 5.6.2009, 18.30 Uhr Burg Falkenstein/Harz, 034743-5355916
- Vortrag "Minne, Rock und Zaubersprüche - Erinnerungen an Ougenweide" mit Hans Hegner und Lothar Jahn. So 6.6., 11 Uhr, Burg Falkenstein/Harz, Sonntag 27.6., 20 Uhr Lindenmühle Burguffeln
>> Noch ein Interview:
- Dr. Lothar Jahn mit Ougenweide-Musiker Frank Wulff, 2006
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"Tribut an Ougenweide - Minne, Rock und Zaubersprüche", VÖ: Juni 2010, ca. 74 Minuten, 15 Euro
"Merseburger Zaubersprüche - Eine Huldigung an Ougenweide", VÖ: 2010, ca. 22 Minuten, 10 Euro
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