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| CD
DES MONATS |
Jeden
Monat empfehlen wir an dieser Stelle eine neue herausragende CD. Für die
kostenlose
Bemusterung entsprechender CDs sind wir sehr dankbar. Bitte an MINNESANG.COM,
Dr. Lothar Jahn, Guderoder Weg 6, 34369 Hofgeismar!
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Tonträger
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CD-Tipp
Juni 2008
BÄRENGÄSSLIN
Der Mönch von Salzburg
Pläne
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Der Mönch von Salzburg war ein
ganz besonderer Mönch: Er pries nicht nur Gott, seinen Sohn, die
Jungfrau Maria und die Heilige Elisabeth im gebotenen Ton und schrieb
das berühmte Weihnachtslied "Joseph, lieber Joseph mein". Nein, er
war offenbar auch der Welt und dem weiblichen Geschlechte zugetan -
zumindest im Geiste, wie manches derb-fröhliche Lied mit deutlich
erotischem Ton verdeutlicht! Vielleicht versteckte sich der Dichter und
Sänger, in dem manche sogar den Erzbischof Pilgrim II. (1365-1396)
höchstpersönlich vermuten, deshalb hinter einem Pseudonym.
Glücklicherweise war er als gelehrter Geistlicher der Notenschrift
mächtig, so dass wir auch seine Musik kennenlernen können.
Dieses stark vom deutschen Folk-Revival geprägte Album mit seinen
Liedern erschien 1980 als LP, von der zumindest ein Teil des Materials
überspielt wurde, wie nostalgisch stimmendes Knistern
belegt. Es wird eröffnet mit der berühmten
Falkenlied-Parodie "Ich het czu hannt geloket mir", die zeigt, dass der
Mönch auch vor der allerheiligsten Minnesang-Tradition keinen
allzu großen Respekt hatte. Er begegnet uns hier als etwas
schrullliger, liebenswerter Geselle, der sich an Essen und Trinken, den
Blumen und der Liebe - sprich: Gottes schöner Schöpfung - zu
freuen versteht. Eine lohnenswerte Wiederentdeckung!
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CD-Tipp
Mai 2008

DIVERSE
Minne im Mayen
Verlag der Spielleute
mit
Unicorn, Wünnespîl, Christoph Mächler, Holger
Schäfer, Olaf Casalich, Jochen Faulhammer, Frank Wunderlich,
Estampie, Musiktheater Dingo, Reinhold Schmidt, Marcus van Langen,
Thomas Schallaböck, Capella Antiqua Bambergensis, Hans Hegner,
Knud Seckel, Dulamans Vröudenton
CD kaufen für 15 Euro plus Versand
> Noten von Mailiedern gibt es hier.
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Nachdem der Frost endlose Monate lang
die Menschen des Mittelalters hinter ihren zugigen Mauern festhielt,
trieben die Sonnenstrahlen zur heiß ersehnten "Meienzît"
alle mit Macht ins Freie: Die Knospen sprangen auf, die Mädchen
holten die lichten Gewänder aus den Truhen, der Winter wurde
endgültig davon gejagt. Zeit für viele schöne neue
Minnelieder rund um den "Mayen", denn selbst die ungnädigste
"vrouwe" sieht in diesem Licht noch herrlich aus! Anlässlich des
Minnesänger-Wettstreits am 24.5. auf der Clingenburg wurden auf
dieser CD einige der schönsten Minnelieder in
frühlingsfrischen Interpretationen zusammengetragen: Das
eröffnende "Meie dîn liehter schîn", mit seiner
zündenden Melodie von Unicorn wirklich hinreißend
interpretiert, gibt die Richtung vor. Neidhart, der Held des Mayen, ist
dann auch gleich mit fünf Liedern zu hören, der
verführerische Wizlaw mit dreien. Aber auch Raritäten aus der
Feder von zu Unrecht vergessenen Barden wie Brunwart von Aughem, Otto
zum Turm, dem Schulmeister von Esslingen und natürlich dem
einstigen Clingenburger Hausherren Conrad von Bickenbach sind
dabei. Die sehr ungerschiedlichen Interpretationen loten
farbenprächtig und sinnenfroh das breite Spektrum aus, dass die
Szene zwischen Knud Seckel und Estampie, zwischen Capella Antiqua und
Marcus van Langen zu bieten hat. (lj)
> Mehr zum Minnesänger-Wettstreit hier.
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Die Spielleute von Spellbound aus Gotha
gehen eigene Wege. Die Albernheiten musikalischer Markt-Analphabeten
sind ihnen ebenso fremd wie staubtrockene Interpretationen aus dem
Studierzimmer. Das ewige Bummbumm "mittelalternativer"
Oben-ohne-Spielmänner ist schon gar nicht ihre Sache! Das
"Volkskunstensemble" (Gothaer Allgemeine) hat sich seit einem guten
Jahrzehnt seine eigene Nische erobert, was sich auch im Repertoire
niederschlägt: Eher ausgefallene Sachen erklingen auf der
Debüt-CD vom letzten Jahr. Aber auch Altbekanntem gewinnen
Spellbound neue Farben ab: Schon das Anfangsstück "Aia zin", das
auch beim Friedrich-II-Album von Oni Wytars den mitreißenden
Opener lieferte, überzeugt durch kräftige
morgenländische Farben, die es dem Ensemble ohnehin angetan haben.
Südländisches, Balkanklänge, sephardische Melodeyen,
galizische Tänze - man sieht, die "Volkskunst" ist offen für die
Einflüsse vieler Völker! Wenn die Gruppe dann noch
singt, kreiert sie ihren ganz eigenen Sound. Man lausche nur der
skurril-schönen Hymne auf die "Isola Bella", mit der Spellbound übrigens
auch der 5. Pax-et-Gaudium-Sampler eröffnet. Oder
"Scribere proposui", einem eher ernsten Conductus aus dem 13.
Jahrhundert, der hier zum hinreißenden Ohrwurm wird!
(lj)
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Nun, wo alles gen Oldenburg eilt, um
die Ausstellung über Friedrich II zu erleben, wird es Zeit, an
eine CD zu erinnern, die Impressionen aus dem Wirken des erstaunlichen
Stauferkaisers mit Musik seiner Zeit verbindet. Karsten Wolfewicz ist
hier als genialer Rezitator ganz in seinem Element, sprachmächtig
verbindet er Vorgefundenes aus der Feder von Friedrich und seinen
Zeitgenossen mit lyrisch und prosaisch Verfremdetem. Allein die
lakonische Reportage über Friedrichs verfemten Kreuzzug samt
Selbst-Krönung im Jerusalem, im nüchternen
Tagesschau-Tonfall samt den dazugehörigen Floskeln vorgetragen,
lohnt den Kauf des Albums. Und dann dieser Schluss: Friedrichs
hochphilosophische Fragen, was die Engel und Heiligen da nun eigentlich
so den ganzen Tag vor Gott treiben, geben ebensoviel Stoff zum
Nachdenken wie sein Versuch, die satten kirchlichen
Würdenträger wieder zurück zur urchristlichen Demut zu
zwingen. Dazu dann diese wunderbare Musik, mal folkloristisch, mal
orientalisch-improvisatorisch, mal beseelt-sakral: Immer wird die
Stimmung der Texte aufgegriffen, weiterentwickelt, fortgesponnen. Dazu
Michael Poschs Flötenkapriolen, Marco Ambrosinis herrliche
Fidel-Flächen und der zu Herzen gehende Gesang von Belinda Sykes:
ein Gesamtkunstwerk, wie es nur selten gelingt! (lj)
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CD-Tipp
Februar 2008

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Nach 10 Jahren on Tour wird es Zeit
für ein Live-Album, hier im Doppelpack als Konzertfilm und CD. Was
in den Festsälen von Burgen und Schlössern begann, kann heute
auch das Olympia in Paris füllen: der inzwischen eher
abgeklärte Hardrock-Gitarrengott Ritchie Blackmore (Deep Purple,
Rainbow) an der Seite seiner verträumten Herzensdame Candice
Night, dazu hochkarätige Begleitmusiker und melancholische
Melodien aus uralter Zeit. Das Pariser Konzert besticht durch seine
unverkrampfte Atmosphäre, seine Spontaneität und
Herzenswärme. Blackmore war schon immer ein guter Gitarrist; hier
fällt auf, wie stilsicher er kultivierte Renaissanceklänge
von bluesigen Rocksoli absetzt. Im Mittelpunkt steht aber Candice
Night, die ganz in dieser Musik aufgeht und vor allem bei den Titeln
des "Village-Lantern"-Albums gesangliche Glanzlichter setzt.
Überflüssig sind die immer wieder gern eingestreuten
Klassikzitate von Beethoven bis Vivaldi, zudem hätte man sich
gewünscht, das Frau Night am Ende des Konzertes ihre Schalmei
nachstimmt. Insgesamt aber ein Erlebnis mit der Ballade von der "Old
Village Lantern" als Höhepunkt zum Schluss. (lj)
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CD-Tipp
Januar 2008

VIOLET
The Book Of Eden
Equinoxe
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Kai Meyers "Buch von Eden" ist schon lange kein Geheimtipp mehr - dem
Autor der "Loreley" und des "Nibelungengolds" gelang damit ein
mitreißender Roman zwischen Mittelalter und Mystik. Es geht um eine
heißbegehrte Pflanze mit dem Namen Lumina, die noch aus dem Garten Eden
stammt. Das Ensemble Violet aus Hamm, in seiner Akustik-Variante auch
als Violetta bekannt, hat sich von dem opulenten Epos zu einem
vierteiligen Konzeptalbum inspirieren lassen. Man begegnen mal
spannungsreichen, mal meditativen Klangflächen zwischen gediegener
Elektronik und historischem Instrumentarium. Geprägt wird der Sound
durch den meist mehrstimmigen Frauengesang, den Klang des Hackbretts und
den starken orientalischen Einschlag. Am besten kauft man sich das Buch
gleich dazu, dann erschließt sich die vielschichtige Komposition erst
richtig.
(lj)
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CD-Tipp
Dezember 2007

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Das dänische Quartett Virelai
stellte schon mit "Danser duggen af jorden" seine Klasse unter Beweis.
Nordische Mittelalterklänge werden in höchst reduzierter
Instrumentation, aber mit höchster Intensität dargeboten.
"Havmandens kys" treibt den Minimalstil zur Perfektion: Anna Katring
Eglistroeds oft nur dahin gehauchter Gesang ist von einer magischen,
sehr zerbrechlichen Schönheit. Dazu werfen Leier und Schalmei,
Mandola und Laute, Davul und Santur inspirierte Farbtupfer ins
Arrangement, voller Zurückhaltung, Respekt und Verzauberung. Das
alte Lied von "Sillibrand", schon ein Höhepunkt des
Vorgängeralbums, wird hier noch inspirierter dargeboten. Insgesamt
herrscht ein melancholischer Tonfall vor, "Den Gode Branle" gibt
aber auch ein köstliches Beispiel unterkühlten
Seefahrer-Humors. Inzwischen ist das Quartett als "Valravn" mit
druckvolleren Arrangements auf Tour, doch "Havmandens Kys" bleibt das
Meisterwerk der virtuosen Reduktion. (lj) |
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CD-Tipp
November 2007

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"Spielleute Gottes sollt Ihr sein!" Das
war das Credo des Heiligen Franziskus, der die christliche Welt Anfang
des 13. Jahrhunderts auf den Kopf stellte. Gemeint war, dass die
christliche Verkündigung sich aus den Klostermauern nach
draußen begeben sollte, um das Volk zu erreichen. Das bezog sich
auch auf die Musik: Franziskus liebte die Gesänge der Troubadoure,
Ähnlich Schönes und zu Herzen Gehendes wollte er auch aus dem
Kehlen frommer Männer hören. Das internationale Ensemble "Vox
Resonat" (4 Sänger und zwei Instrumentalisten) unter Leitzung von
Eric Mentzel folgt dem Rat des Herrn von Assisi. Es widmet sich auf
diesem Album ausschließlich der Gattung der "Lauda" im
mittelalterlichen Italien. Das musikalische Spektrum aus insgesamt 3
Jahrhunderten ist sehr breit, es reicht vom monophonen Gesang (hier
gibt es tatsächlich Anklänge an die romanische
Minne-Tradition) bis hin zur ausgefeilten, teils manirierten Polyphonie
späterer Zeiten. Der stets glockenklare Gesang der vier Herren aus
Japan, USA, Deutschland und Australien wird zeitweise dezent begleitet
von Fideln, Laute und Viola da Gamba. Ein Gottesdienst für die
Ohren! (lj)
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Die Cantigas de Santa Maria sind so
etwas wie ein Weltwunder der Musik: Mitte des 13. Jahrhunderts
versammelte Alfonso X, zurecht als "der Edle" gerühmt, an seinem
Hof die besten Musiker aus aller Herren Länder, um der Jungfrau
Maria zu huldigen. Das Erstaunlichste ist die Homogenität des
Gesamtwerkes, das aus diesen höfischen "Sessions" entstand: Mehr
als 400 Gesänge, alle aus einem Guss, mit vielfachen musikalischen
und inhaltlichen Bezügen, streng geordnet und durchnummeriert:
Jedes 10. Stück ist ein Lobgesang an die Heilige Jungfrau,
dazwischen gibt es erhabene Wunder-Geschichten und skurrile Legenden
über das segensreiche Wirken Marias im Alltag des einfachen
Volkes. Ein solches Epos, das in Ausmaß und Ausführung
allenfalls mit der chinesischen Mauer vergleichbar ist, läasst
sich natürlich auf einer einzigen CD nicht adäquat abbilden.
Doch da die Gesamtaufnahme im 30-CD-Schuber auf sich warten
lässt (Spielzeit: mindestens 2 Tage), gibt die hoch inspirierte
Einspielung von "Unicorn" die ultimative Einführung ins Werk. Denn
trotz der erfreulichen Vielfalt der Darstellungsformen vom
A-cappella-Gesang über die intim begleitete Ballade bis hin zum
mal volkstümlich-derben, dann wieder hochvirtuosen Musizieren,
bleibt die ordnende Hand des kunstsinnigen Mäzens auch hier noch
spürbar. (lj)
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CD-Tipp
September 2007

MINNESANGS
FRÜHLING
Ich zôch mir einen falken
(Verlag der Spielleute)
CD kaufen für 15 Euro plus Versand bei minnesang.com
> Noten von Minne- und Troubadourliedern gibt es hier
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Herzlichen
Glückwunsch zum Doppelsieg beim Minnesänger-Wettstreit 2007
in Spangenberg an Knud Seckel! Er errang den Lorbeer im August vor
allem mit einem mitreißenden Acht-Minuten-Stück, das
Walthers "Under der linden" mit dem französischen "En mai"
verband. Das Stück ist exemplarisch für dieses Album, das
hiermit noch einmal empfohlen sei: Seckel und seine Begleitmusiker von
"Minnesangs Frühling" legen Wert auf die enge
Beziehung,
die zwischen dem deutschen Minnesang und den romanischen
Troubadourgesängen
besteht. Deshalb hört man die französischen Originale
mit deutschen Kontrafakturen, d.h. Nachbildungen in der selben Reim-
und Strophenform . Dabei
sind
diese manchmal - etwa, wenn Dietrich von Eist Bernhard de Ventadorns
berühmtes
"Lerchenlied" aufgreift - nicht nur Übertragungen, sondern
Neuschöpfungen,
die den "Ton" aufgreifen, um eigene Inhalte zu transportieren. Auch den
arabischen Einflüssen wird nachgespürt. Die Arrangements, die
Seckel mit Hilfe von Britta Wengeler, Jutta Weber, Susanne Paul und
Franz
Dieckmann auf die Bühne bringt, sind meist eher schlicht gehalten,
aber ungeheuer wirkungsvoll und stilecht. Dazu trägt auch die
weiche,
ergreifende Tenorstimme Seckels bei, der in den Liedern aufgeht, ohne
in
der Interpretation zu übertreiben. Verdienter Sieg!
(lj)
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CD-Tipp
August 2007

OUGENWEIDE
Fryheit/Ousflug
(Bear Family) |
Bear
Family fasst im Rahmen seiner Ougenweide-Gesamtausgabe hier zwei
bemerkenswerte Alben zusammen: Das Konzeptwerk "Fryheit", bei dem sich
Ougenweide vom Mittelalter entfernen und mit der Deutschen Geschichte
von den Bauernkriegen bis zur 48er-Revolution auseinandersetzen. Und
das letzte Ougenweide-Album im bewährten Minne-Rock-Stil mit dem
Namen "Ousflug", auf dem Klassiker wie Walthers "Gerhard Atze" und
Neidharts "Meienzit" zu hören sind. Die Ende der 70er Jahre
entstandenen Werke vereinen spieltechnisches Können,
Begeisterungsfährigkeit und gesellschaftspolitisches Engagement.
"Fryheit", einst für eine ZDF-Serie entstanden, bietet
"Geschichtsschreibung von unten" und braucht den Vergleich mit der
berühmten "Proletenpassion" der Schmetterlinge nicht zu scheuen.
Musik und Gedichte der jeweiligen Zeit werden gekonnt eingearbeitet, es
gibt auch herrliche Chorgesänge. Ousflug ist dann Ougenweide pur,
wie man sie kennt und liebt, mit ausgedehnten Instrumentalpassagen. Wer
die herausragende Band noch nicht kennt, hat hier das ideale
Einsteigerpaket. Für Fans ist das Doppelalbum ohnehin ein Muss!
(lj)
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CD-Tipp
Juli 2007

IOCULATORES, ARS CHORALIS COELN, AMARCORD
Vita S. Elisabethae Raumklang
CD-Box in Schmuck-Cassette mit 60-seitigem Booklet für 20 Euro kaufen
|
Vor allem Hessen und Thüringen feiern 2007 ausgiebig den
800. Geburtstag der Heiligen Elisabeth. Was bisher noch fehlte, war die
CD mit der richtigen Musik zum Fest! Nun legt Raumklang die angemessen
edle Edition vor - in einer schönen Schatulle mit einem
60-seitigen (!) Booklet inklusive aller Liedtexte, herrlicher Bilder
und kluger Erläuterungen. Dazu gibt es fast 80 Minuten Musik.
Kreative Köpfe des Unternehmens sind die Leipziger Ioculatores,
die sich schon 1998 Elisabeth zuwandten. Ihr damaliges Programm, dessen
roten Faden ein anonymer Legendenroman vom Anfang des 14. Jahrhunderts
bildet, wurde durch Beiträge einer weiblichen und einer
männlichen Schola erweitert: Ars Choralis Coeln und Amarcord
zelebrieren beide höchste Sangeskunst, die nicht effektvoll
auftrumpft, sondern in demütiger Zurückhaltung ihre
spröde Schönheit entfaltet. Die Texte aus dem
volkstümlichen Roman werden von Jörg Peukert auf pointierte
Weise rezitiert, dazu gibt es die stets passend ausgewählte Musik.
Quellen sind diverse geistliche Werke um die vielgepriesen Heilige, so
z.B. die Elisabeth-Offizien "Gaudeat Hungaria" und "Letare Germania",
die Elisabeth-Sequenz des Mönchen von Salzburg und ein
Elisabeth-Hymnus aus Aquilea. Ergänzt wird das ganze mit einner
Prise Carmina Burana einem Hauch ungarischer Folklore und einer
Messerspitze Minnesang und Spielmannskunst. Zur Preisung des
Mäzens (und gewieften Machtpolitikers) Landgraf Hermann
ertönt ein Preislied Wolfram von Eschenbachs im wunderbaren
Titurel-Ton, der von Robert Weinkauf grazil und feinsinnig zelebriert
wird. Walthers Palästinalied, das später den endgültigen
Abschied Ludwigs von seiner geliebten Elisabeth markiert, kommt im
Gegensatz dazu in einer unruhigen, rhythmisch bewegten Version daher,
die gar nicht zur angeblichen Größe und Erhabenheit der
Kreuzfahrer-Mission passen will. Über fast 80 Minuten entfaltet
sich ein Spannungsbogen, der der Chronologie der Ereignisse von Ungarn
über die Wartburg bis nach Marburg folgt, um schließlich im
überirdischen Mönchsgesang mit dem Wort "Elisabeth" zu
verklingen. Alles in allem genau das fehlende i-Tüpfelchen auf die
kulturellen Aktivitäten zum Elisabethjahr! (lj)
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CD-Tipp
Juni 2007

POETA MAGICA
und ONI WYTARS
Lux Orientis
Verlag der Spielleute
CD kaufen |
Garantiert bauchtanzerprobt sei diese
Mischung, die zwei der hochkarätigsten Mittelalterensembles auf
"Lux Orientis" präsentieren, verspricht der Verlag der Spielleute.
Mag sein! Doch der Sampler bietet mehr als eine nette Beschallung
für orientalische Abende. Der Sampler mit Highlights aus den Alben
beider Gruppen erinnert daran, dass die Musikanten des Mittelalters
sich mit viel Gewinn aus dem Schatz der damals weit überlegenen
Kultur des Morgenlandes bedient haben. So scheint das Licht des alten
Orients mit hellem Glanz ins Abendland des 21. Jahrhunderts
herüber. Dass die Chefs von Poeta Magica und Oni Wytars
zufälligerweise fast in direkter Nachbarschaft in Mittelhessen
zuhause sind, wusste der verblüffte Insider bereits. Musikalisch
ist die Entfernung aber ungleich größer, haben beide
Ensembles doch ihr ganz eigenes Profil. Das resultiert schon aus den
Wurzeln her: Poeta Magica, deren Credo "medieval-world-music" ist,
haben ihre
Wurzeln im Siebziger-Jahre-Folk , Oni Wytars gelten als einer der
besten deutschen Interpreten historisch-authentischer
Mittelalter-Klassik. Doch unter den Strahlen des Sonnengottes Ra
lässt sich manche Meile überbrücken: Es sind die Freude
an der Improvisation und das Forscher-Interesse für die
Überlieferung und für nahöstliche Spieltechniken, die
eine Annäherung der profilierten Gruppen ermöglicht. Die
Musik beider Ensembles wurde hier bunt durcheinander gewürfelt,
oft sogar übergangslos aneinandergehängt. So erkennt man
manchmal nur noch am "Sound", wer gerade wirklich spielt: Poeta klingen
basslastiger, die Instrumente wurden aus kürzerer Entfernung
aufgenommen, Oni Wytars sind weiter hinten im Raum positioniert und
setzen von Zeit zu Zeit eine Duftmarke durch hochvirtuose
Unisono-Passagen im aberwitzigen Tempo. Alles in allem weit mehr als
eine gute Dönerbuden-Beschallung: Das Studieren dieser hoch
inspirierten Musik lohnt sich! (lj)
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CD-Tipp
Mai 2007

TRISKILIAN
Do durch der Werlde
Verlag der Spielleute
CD kaufen |
Innigkeit und Frömmigkeit, aber auch vitale Lebensfreude prägen dieses
dritte Album von Triskillian. Sechs Stücke sind bei einer Laufzeit von
einer halben Stunde zu hören, diese wurden jedoch mit Sorgfalt
arrangiert und hochinspiriert in Szene gesetzt. Mit Laudario di Cortoma,
Hildegard von Bingen und Alphons dem Edlen wird die Jungfrau Maria
gepriesen. Herrliche Fidel- und Nyckelharpaklänge treffen auf
magisch-mystische Trommeln und über allem schwebt die wunderbare Stimme
von Jule Bauer, die sich mit vollem Herzen auf die Spur der alten Texte
und Melodien begibt. Dazu bleibt Raum für ausgedehnte musikalische
Fortspinnungen des Materials. Als Gäste sind die immer regen Musikanten
von Oni Wytars dabei und an deren Troubadour-Album erinnert die auch
klanglich hervorragend umgesetzte Musik von Zeit zu Zeit. Zwei
Entdeckung sind zu machen: zum einen das Titelstück von Meister
Alexander (genannt "der Wilde") aus der Jenaer Liederhandschrift - eine
ergreifende Melodie in einer musikalischen Umsetzung, die so schön ist,
dass sie nie enden dürfte. Und der Schluss: "Eno Sagrado en Vigo"
erzählt von einem, der nie die Liebe fand - ähnlich wie das
Trouvères-Lied "De moi doleros", an die der einfache, aber zu Herzen
gehende Ton auch erinnert. Schade, dass das Album nur so kurz ist, es
klingt nach mehr. Dafür stimmt aber auch der Preis!
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CD-Tipp
April 2007

DIVERSE
Miroque - In Taberna
Mondschatten
CD kaufen
> Noten von mittelalterlichen Trinkliedern gibt es hier
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"Was wollen wir trinken?" Der Sampler
gibt viele Antworten auf diese Frage, die von den Bots dem alten
bretonischen Volklslied "Son ar chistre" unterlegt wurde - hier ist das
Original einer schönen Interpretation von Poeta Magica zu
hören. Mindestens sieben Tage lang kann man diese Sammlung bei
manchem guten Tropfen genießen, dazu den Gassenhauer "All voll"
(Schelmish) oder die Carmina-Burana-Hits "In Taberna" (Saltatio
Mortis) und "Bache bene venies" (Nachtwindheim) mitsingen.
Textschwäche kein Problem, die Texte sind im ausführlichen
Booklet nachzulesen! Damit man für Bier, Wein und
Hochprozentiges eine gute Grundlage hat, kann man Neidhart von
Reuenthals ausführlichen Essempfehlungen ("Würste
größer als mein Speer") folgen, die vom Musiktheater Dingo
verkündet werden. Statt "feisten Kälbern, Ochs und Stier"
kochen sich Duivelspack aber lieber ihre Socken zum Abendbrot. Warum,
das erzählen sie hier im Klassiker "Schockschwerenot"! Die
Streuner loben den Rheinwein und Oswald bringen - was auch sonst? -
einen Klassiker ihres trinkfesten Ahnherren: "Wolauff wir wellen
slauffen". Auch die Folk-Veteranen Liederjan sind mit an Bord: "Lustig,
lustig" heißt ihr Lied, das die Grundstimmung der Sammlung
trifft. Keine Frage: Dieser Sampler rotiert ab sofort in allen
Schenken! (lj)
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CD-Tipp
März 2007

VAN LANGEN
Alte Zeyten
(Gesammelte Jugendsünden)
Curtzweyhl
CD
bestellen (15 Euro plus 3 Euro Versand)
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Hexenmeister Marcus van Langen blättert im Familienalbum: "Alte zeyten"
werden wieder lebendig. "Gesammelte Jugendsünden" aus den 90er Jahren
wurden hier zusammengetragen, und dafür brauchen sich weder er noch die
ihn begleitnden "Teufels Lockvögel" zu schämen. Mit wuchtigem
MA-Rock-Gedröhne vom Mainstream, der immer stur hinter "In Extremo"
herläuft, hat das zum Glück gar nichts zu tun. Markus hat seine Wurzeln
eher im handgemachten Rock,, erfreulich ist hier aber auch der hohe
Folkanteil und die Experimentierfreude, mit der ab und an mal
Electro-Sounds einbezogen werden. Zusammengehalten wird das ganze durch
Marcus' sympathische Stimme, die bei allem Hang zur Düsternis immer doch
etwas augenzwinkernde Distanz spüren lässt. Man spürt einfach, wieviel
Spaß hier einer hat, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt, sich aber
diebisch an den Klängen freut, die er sich auf seiner Reise in "alte
Zeyten" zusammengeklaut hat. Die Freunde des Minnesangs werden mit zwei
Oswald-Stücken bedient: "Es fugt sich" lebt vom reizvollen Zwiegespräch
zwischen folkiger Mandolinen-/Schalmeiencombo und druckvoller
Rock-Rhythmustruppe - und Markus singt das Lied, als hätte Oswald ihn
direkt auf den Leib geschrieben! "Wolauff wir wollen slauffen" kommt als
kneipen-taugliche Spielmannsmusik mit 70er-Jahre-Folkeinschlag daher.
Nach Palästina geht's bei Marcus selbstredend auch wieder! Hier gibt's
gleich zwei Versionen von Walthers großem Hit: eine instrumentale
Liveversion im besten Markt-Stil und eine eher zurückgenommene, in
tiefsten Tiefen gegrummelte Fassung zu Gitarre und Landsknechttrommel.
Sehr lustig ist schließlich eine Hommage an die frühen Beatles mit
»Attl«, das an »Twist And Shout« erinnert. (lj)
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CD-Tipp
Februar 2007

POETA
MAGICA
Music inspired by the Edda (Vol. 1)
Verlag
der Spielleute
CD kaufen
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Es war fast unausweichlich, dass dies
eines Tages kommen würde: Die Ausnahmemusiker von Poeta Magica,
die schon immer einen besonders guten Draht in den hohen Norden hatten,
wenden sich nun der "Edda" zu, dieser wichtigsten Quelle nordischer
Mythendichtung. Was anderes als ein Monumentalwerk konnte dabei
entstehen - ein unvollendetes zumal, denn hiermit liegt erstmal Vol. 1
vor! So ein Unterfangen geht man nicht allein an: Mit Katharina
Dustmann und Marco Ambrosini (Oni Wytars) holte man sich zwei versierte
Spezialisten der Klassik-Mittelalterszene ins Boot, auch Gastmusiker
aus Skandinavien wie Tone Hulbaekmo, Nicky Weber und Kristin Halvorson
machten gerne mit. Zudem feierte ein Instrument seine Premiere: die von
Mastermind Holger Funke höchstpersönlich entwickelt
Großbass-Nyckelharpa! So kann Funke nun ein ganzes
Nyckelharpa-Orchester erklingen lassen; noch mehr orchestrale
Klänge tönen gewaltig aus dem Synthesizer. Am schönsten
ist das Album aber, wenn sich tänzerische oder klagende Melodien
aus alter Zeit aus dem mit unzähligen Details und elektronischen
Klangspielereien angereicherten Opus nach vorne arbeiten. Bis wieder
eine Überraschung kommt, sei es nun ein verblüffendes
E-Gitarrensolo, eine unglaublich swingende Jazz-Drum, sphärischer
New Age Sound oder packender Folkpop à la Blackmore's Night. In
seiner Vielfalt erinnert das Ganze ein wenig an die keltischen
Symphonien eines Alan Stivell aus den Siebzigern, gesungen wird
allerdings meist in altnordischen Sprachen. Sicher die bislang
perfekteste Poeta-Produktion! (lj)
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CD-Tipp
Januar 2007

Lena Susanne Norin,
Randall Cook,
Susanne Ansorg:
Triste Plaisir
Raumklang
CD kaufen
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Die
Chansons von Guillaume Du Fay (1397 - 1474) lassen noch ein wenig die
Troubadour-Tradition erahnen - so etwa das hier klug gewählte
Anfangsstück "Belle, veullies moy retenir" und das ergreifend
dargebotene "Je languis en piteux martire", in seiner Innigkeit der
Höhepunkt des Albums. Vor allem in den Texten findet sich der
ungelohnte Dienst an einer schönen, aber unnahbaren Herrin wieder
- dieses "Triste Plaisir". Musikalisch hat sich die Uhr seit den
Urvätern der sehnsuchtsvollen Minneklagen aber deutlich
weitergedreht, die Harmonik ersetzt als neu entdecktes Ausdrucksmittel
der Renaissance die Unerbittlichkeit und den Trost des Borduns. Im
Gegensatz zu allen Moden wählt das
deutsch-amerikanisch-schwedische Trio die manchmal bis aufs
Äußerste zurückgenommene Interpretationsform: zwei
Streicher und eine Altstimme, dazu noch eine verhaltene Dynamik
verleihen den durchweg sehr melancholischen Liedern eine fast schon
schmerzhafte Intimität, auf die man sich erst einmal einlassen
muss. Hat man das aber getan, kommt man kaum noch los davon.. (lj)
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CD-Tipp
Dezember 2006
CAPELLA ANTIQUA BAMBERGENSIS u.a.
Codex Manesse
CAB Records
Doppel-CD kaufen für 20 Euro bei Minnesang.com
> Noten von Minneliedern gibt es hier
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Meistens
ist es doch so: Die
einen unterhalten und nehmen es weder mit der Historie noch mit der
Interpretation genau; die anderen sind höchst penibel, aber
klingen so trocken, dass
es staubt. Gut, wenn jemand mal lehrreich und unterhaltsam zugleich
ist! Das neue Album der Capella Antiqua Bambergensis bringt auch einem
noch
ahnungslosen Publikum die große Heidelberger
Liederhandschrift
richtig nahe, bietet aber auch dem Kenner noch Spannendes. In Form
eines Hörbuches, mit viel
Hintergrundinformation zu Minne-Stars wie Walther und Neidhart, aber
auch zu spannenden Outsidern wie Ulrich von Liechtenstein, Otto von
Botenlauben und dem Tannhäuser. Dazu gibt es
Hörspielszenen mit Spitzenstimmen von Könnern wie
Hörbuch-Star Christian Brückner (deutsche Stimme von Robert
de Niro) und einige schöne Musik-Einspielungen der Capella.
Vielleicht
hätte etwas mehr Sang die hervorragende Produktion noch runder
gemacht, dafür gab es aber selten soviel geballtes Wissen
über den
Minnesang in derart bekömmlicher Form. Schulfunk im allerbesten
Sinne
des Wortes! Auf CD 2 gibt es dazu noch Bildmaterial und die Musik pur!
(lj) |
CD-Tipp
November 2006

UNICORN & ONI WYTARS
Carmina Burana
Naxos
CD
bestellen (15 Euro plus 3 Euro Versand)
> Noten der Carmina Burana gibt es hier.
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Wenn
Unicorn und Oni Wytars zusammentreffen, ist Hochkarätiges
garantiert. Ausgetüftelte Arrangements treffen auf Spielfreude und
improvisatorisches Geschick nach allen Regeln der Kunst. Bei eher
einfach gestrickten Stücken, wie sie die Liedersammlung Carmina
Burana mit ihren zündenden Melodien prägen, sind Fantasie,
Ideenreichtum und virtuoses Geschick erst recht gefragt. Mit der
Preisung des Gottes Bacchus geht es auch gleich richtig rein ins
Getümmel, da dürfen sich die Sänger abwechseln und die
Instrumente ihre Kapriolen treiben, bis alle wieder fröhlich in
den weinseligen Refrain einstimmen. Ganz anders das kunstvoll kanonisch
gestrickte "Procurans odium", ein tiefsinniges Lied, das die
Stärke der Liebenden herausstellt, die ihre Zuneigung gegen alle
Widerstände durchsetzen müssen. Und auch das Lied ums unschuldige Kind
mit seinem Schmählied auf die verfluchten Linden und den angeblichen Harfenspieler, der dann
ein ganz anderes Instrument zückte, wurde selten so
effektvoll dargeboten. Dieses Album ist eine wahre Lust! (lj)
|
CD-Tipp
Oktober
2006

CATHERINE BOTT
Sweet is the Song
Decca
> Noten von Minne- und Troubadourliedern gibt es hier
|
Diese
CD ist ein Wagnis: Kein einziges Instrument erklingt, nur der pure
Gesang ist zu hören. Dazu gehört nicht nur Mut, sondern auch
Können. Catherine Bott kann's: Sie singt mit klarer, heller Stimme
Klassiker des Troubadour- und Trouvère-Gesangs vom Lerchenlied
über Reis Glorios bis hin zu Jaufre Rudels "Lanquan li
jorn". Ein Rhythmus ist oft nur erahnbar, die brillante
Sängerin, die nie auf die ganz großen Effekte setzt,
gestaltet die Melodien frei nach der Sprachmelodie. Ohne den Ballast
von nachmittelalterlicher Rhythmus- und Harmonie-Konventionen klingen
auch bekannte Lieder frisch und neu bzw. auf nie gehörte Art ganz
"alt". Die Schönheit der Melodien kann sich so Strophe für
Strophe entfalten, ein harmonisches Geflecht entsteht durch den Hall im
Raum und den Nachklang im Kopf. Ab und zu bleibt auch Raum für
Humor: Etienne de Meaux' "Trop est mes maris jalos" über einen
langweiligen, aber furchtbar eifersüchtigen Ehemann wird mit dem
nötigen Augenzwinkern vorgetragen. Ein Muss für alle, die
sich der romanischen Tradition des Minnesangs nähern möchten! (lj)
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CD-Tipp
September 2006

OUGENWEIDE
Ohrenschmaus/Eulenspiegel
Bear Family
CD kaufen
|
Die
Klassiker DER Mittelalter-Pioniere des Krautrocks hätte es
eigentlich längst schon auf CD geben müssen: Dass Polydor
jahrelang auf den Bändern saß, ist ein Skandal. Nun also
widmet sich Bear Family den Folk-Rock-Perlen, und da ist man in guten
Händen: Soundmäßig ist alles im grünen Bereich,
klar und prägnant im Klangbild, aber nicht unnötig
aufgemotzt. Der Zauber der Siebziger wirkt auch heute noch, das klingt
nach Aufbruch, Unschuld und Liebe. Vor allem der "Ohrenschmaus" von
1976 trägt seinen Namen zurecht, es zeigt die Band, die damals mit
ihren legendär langen Konzerten jede Halle zum Feiern und Toben
brachte, auf der Höhe ihrer Möglichkeiten. Mit "Bald
anders" gelang der Band eine vorwärtstreibende Hymne an den Wandel
der Zeit, mit "Owê wie jaemmerliche" wurde der zweite Teil
von Walthers Elegie auf klagend-schöne Weise interpretiert - Minne
Graw hatte dafür genau die richtige Stimme. Dass sie aber auch
witzig sein konnte, zeigt sie bei "Kommt ihr Jungfern helft mir
klagen". Das zweite Album widmet sich ganz den Streichen des witzigen
Revoluzzers Till Eulenspiegel, bietet aber auch zwei furiose
Minnelied-Adaptionen: mit der von Jethro Tull inspirierten höchst
originellen Fassung von Walthers "Wol mich der Stunde" und mit der
traurigschönen Mutter-Tochter-Ballade "Durch den ermel gât
dâz loch" frei nach Neidhart. Man hört, dass die Band wieder
touren möchte. Wenn das stimmt: Freut Euch drauf! (lj)
> Minnesang.com-Interview mit Ougenweide hier!
|
CD-Tipp
August
2006

QNTAL
Silver Swan
Drakkar
CD kaufen
|
Heinrich von Morungens Klassiker "Von den
Elben" haben unlängst auch Faun wunderbar vertont. Wer bei QNTAL
eine Coverversion erwartet, liegt natürlich falsch: Der
schlicht-schönen Umsetzung des tieftraurigen Minneliedes durch die
Kollegen setzen Syrah und Co. eine pathetisch-orchestrale Elfenbeschwörung entgegen,
an der sogar Richard Wagner seine Freude gehabt hätte. Schon
näher am Faunschen Tonfall ist das zweite Minnelied, das sich auf
dem Album findet: Walther von der Vogelweides "Winter", dem die Meister
der elektronischen Mittelalter- Melancholie eine zu Herzen gehende
Melodie verpasst haben. Insgesamt ist das Album gefälliger
ausgefallen als die Vorgänger: Syrahs Stimme schwebt immer
wunderschön, aber ohne große Nuancen über opulenten
Klangflächen, die einen in überirdische Traumwelten
entführen, die man lange zu kennen glaubt. Schön, wenn den
Sphärenklängen dann auch einmal zupackende Rhythmen begegnen, wie bei der
mitreißenden Cantiga Nr. 292 aus der Sammlung des weisen Alphons!
(lj)
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CD-Tipp
Juli
2006

UNICORN
Minnesang in Tirol - Ich sünge
gerne hübschen sanc
Pneuma
CD kaufen
> Noten von Minneliedern gibt es hier
|
Das Ensemble Unicorn ist eine
Ausnahmeerscheinung in der Mittelalterszene. Die Arrangements sind
stets kunstvoll und detailverliebt. Nein, das ist nicht der Klang der
Märkte: Diese Musik
spiegelt die Muße
und Verfeinerung des höfischen Lebens wider. So kann man sich
sogar, ohne dass es peinlich wirkt, an die 500.000. Version des
Palästinaliedes wagen - Michael Posch und sein Ensemble legen
einen herrlichen Spannungsogen über den immer wieder gern
gehörten Vogelweide-"Hit". Ein weiterer Klassiker reißt
einem gleich zum Einstieg vom Hocker: Neidharts "Meie din liehter
schin" glänzt im zupackend-tänzerischen Arrangement. Doch
Unicorn beschränkt sich nicht aufs Altbekannte: Wunderbare
Entdeckungen sind zu machen, etwa Rumelants Frauenpreis aus der Jenaer
Liederhandschrift zur herrlichen Harfenbegleitung im Tone Meister
Frauenlobs. Oder Friedrich von Sonnenburgs wilde Beschimpfung des losen
und verlogenen Mundwerks, von Sänger Hermann Oswald im heiligsten
Zorn herausgeschleudert. Überhaupt: Oswald ist ein
Ausnahmetalent, vom "hübschen sanc" bis zum großen Ausbruch
zieht der stimmgewaltige Tenor alle Register. Mit eindrucksvollem Bass
steht ihm Joel Frederiksen zur Seite. Ein Muss für Freunde edler
Minneklänge, die am Ende noch mit Hermann Damens Loblied auf die
alten Meister Reinmar, Walter, Robin und Neidhart belohnt werden! (lj)
|
CD-Tipp
Juni
2006

DUIVELSPACK
In Teufels Küche
www.duivelspack.de
CD
bestellen (15 Euro plus 3 Euro Versand)
|
Der Teufel steckt im
Detail, das erfahren wir schnell, wenn das
charmanteste Trio der Mittelalterszene seine schmackhaften Gerichte
zusammenkocht.
Und auf die kleinen, aber feinen Details, die den Sound unverwechselbar
machen, verstehen sie sich nun mal: Wunderbare dreistimmige Sätze,
warmherziger Humor und einfallsreiche Arrangements, die zwar den Geist
von Pop und Jazz geatmet haben, aber ihn ganz anachronistisch in
fröhlich-akustische
Spielmannsarrangements packen! So kennt und liebt man die Detmolder.
Wer
die ersten drei Alben mochte, kann hier bedenkenlos zugreifen. Der
"Traubentritt"
ist ein böser, aber überfälliger Seitenhieb auf den
Dillettantismus
vieler Marktmusikanten; "Nummus - Geld" aus den Carmina Burana zeigt
eindrucks,
wie wenig sich eigentlich seit dem Mittelalter in bestimmten Bereichen
geändert hat. "Und etwas anderes noch" bietet das gewohnte
Schmankerl
für Freunde der Erotik, der irische Trunkenbold "Tom Bollyn"
schließlich
hat schon bei etlichen Konzerten für fröhliche
Mitmachaktionen
gesorgt. Duivelspack live sind natürlich durch nichts zu ersetzen
- für reichlich Spaß am CD-Player sorgt aber auch dieses wie
immer hervorragend produzierte Album.
|
CD-Tipp
Mai
2006

VIRELAI
Danser duggen af jorden
www.virelai.dk
CD
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|
Die dänische Gruppe Virelai ist hier mit sehr
rhythmusbetonten
Versionen einiger Mittelalterklassiker zu hören, der Schwerpunkt
liegt
auf Instrumentalstücken. Dudelsäcke, Leier, Nyckelharpa, dazu
Getrommel von Dabuka, Tabul, Tambourin und manchem mehr. Die
Arrangements
sind eher karg, aber es gibt kein tumbes Marktgedresche. Man lässt
der Musik viel Zeit, sich Schritt für Schritt zu entwickeln, und
bürstet
auch mal einen Klassiker gegen den Strich. Ihre Palästinalied-
Version
mit sehr eigenwilliger Rhythmisierung zeigt, wie sehr sich in der
Interpretation
schon Konventionen festgesetzt haben und dass es eben auch ganz anders
geht. Schon eher dem Gewohnten entspricht die mitreißende
Instrumental-Fassung
von Beremguier de Palous Troubadourlied "Tant M'Abelis" - eine
herrliche
Melodie, tanzgerecht aufbereitet. Höhepunkt ist jedoch der
ungewöhnliche
Schluss: Eine traurige Ballade mit dem Titel "Svend I Rosengård"
im völlig unkonventionellen Arrangement nur mit Gesang und Trommel
- schaurig und zu Herzen gehend. (lj) |
CD-Tipp
April
2006

ANNO
DOMINI
Stauferzeit
Verlag
der Spielleute
CD kaufen
> Noten von Minneliedern gibt es hier
|
Die Blüte der Stauferherrschaft
fällt zusammen
mit der Blüte des Minnesangs. Man hielt sich die Sänger als
Aushängeschild
an den Höfen, sie propagierten "zuht" und "maze" und gaben den
Potentaten
Glanz. Im Gegenzug gab es ein warmes Quartier, Zuhörer, im
Glücksfall
sogar ein Lehen (wie für Walther bei Friedrich II). Anno Domini um
Karsten Wolfewicz bringen uns den Geist dieser glorreichen Zeit nahe,
Walthers
"Halmorakel" ist einer der Höhepunkte dieses prächtigen
Klassikers.
Der andere ist Tannhäusers "Lude Leich", obwohl die Minnesatire
hier
todtraurig und verinnerlicht dargeboten wird. Wolfram von Eschenbach
wird
rezitiert mit Unterweisungen zum höfischen Leben rezitiert, aus
dem
hohen Norden klingt Wizlaws "Loibere risen", aus dem tiefen Süden
zwei Cantigas vom Hofe des weisen Adolf. Auch der Stamph und der Prem
von
Neidhart sind zu hören und, herrlich, das Glanzlicht der Epoche,
Ventadorns
Lerchengesang! |
CD-Tipp
März
2006

BLACKMORE'S
NIGHT
The Village Lanterne
SPV
CD kaufen
|
Überraschung! Ritchie Blackmore
besinnt sich seiner
Wurzeln und holt die E-Gitarre aus dem Schrank. Allerdings ohne die
Spielkultur
zu vernachlässigen, die er sich in jahrelanger Zusammenarbeit mit
seiner Partnerin Candice Night erarbeitet hat. Das Ergebnis ist
großartig:
Die Welt des sphärischen Mittelalter-Folk-Pops, der die
beiden
in den letzten Jahren ausgiebig gefrönt haben, wird kräftig
geerdet
durch Deep-Purple- und Rainbow-Anklänge. Was dabei auf der Strecke
bleibt, ist der zuckersüße Kitsch, in den die Musik der
beiden
bislang oft abdriftete. Der Gitarrist und seine Lady zeigen sich in
Hochform,
beflügeln sich gegenseitig. So ein liebevolles Miteinander von
Gitarre
und Frauengesang gab es zuletzt vor vielen Jahren bei Oldfield und
Maggie
Riley in der "To-France"-Ära. Erster Höhepunkt des Ganzen ist
eine mehr als erstaunliche "Al-vol"-Adaption namens "World Of Stone",
die
die herrliche Melodie des sonst von rauen Männerkehlen
gegrölten
Sauflieds freilegt. Zweites Galnzlicht: eine obergeniale Coverversion
des
Deep-Purple-Meisterwerks "Child In Time", eingebettet in einen
Mondtanz!
Überflüssig ist bei diesem abwechslungsreichen und
inspirierten
Album nur die Neuauflage der Sozialschnulze "Streets Of London" aus den
Siebzigern. Sonst uneingeschränkt empfehlenswert! (lj) |
CD-Tipp
Februar
2006

VIOLETTA
Mandra mea
Autogram
CD
bestellen (15 Euro plus 3 Euro Versand)
|
Violetta ist der akustische Ableger der
Dark-Wave-Band
Violet. Violetta lassen sich inspirieren von rumänischer,
orientalischer
und mazedonischer Folklore, von geistlicher und weltlicher Musik des
Mittelalters.
Ihre Musik erinnert ein wenig an Dead Can Dance oder Estampie. Im
Anfangsteil
finden sich Klassiker wie die berühmte Kerkerklage von Richard
Löwenherz,
ein Neidhart-Lied und ein Auszug aus dem roten Buch der Mönche von
Montserrat. Violetta entziehen sich aber der Tendenz zur gnadenlosen
Banalisierung
der Überlieferung, wie wir sie bei Marktmusik und Mittelalterrock
nur zu häufig finden. Der vorherrschende Ton ist dezent, warm,
melancholisch
und harmonisch, manchmal auch sphärisch und mystisch. Für
Fantasiereisen
in ferne Welten und Zeiten! (lj) |
CD-Tipp
Januar
2006

WÜNNESPIL
Argentea
Verlag
der Spielleute
CD
bestellen (15 Euro plus 3 Euro Versand)
|
Zwischen der durch
Bordune, mündliche
Überblieferung, improvisatorische Heterophonie geprägten,
allerhöchstens
durch Quint- und Quartparallelen geschmückten Musik des
Hochmittelalters
und den Werken der Renaissance mit ihren klareren Strukturen und ihrer
neuen Harmonik liegen Welten. Die wenigsten Mittelaltermusiker sind in
beiden Stilen zuhause. Gar nicht hoch gelobt werden kann deshalb das
Ensemble
Wünnespil, das zur Jahrtausendwende dieses wunderbare Album mit
dem
Besten aus beiden Welten vorlegte, um sich in dieser Glanzbesetzung
leider
kurz darauf wieder aufzulösen. Mit Marc Lewon und Knud Seckel sind
aber zwei Musikanten an Bord, die glücklicherweise auch heute noch
sehr aktiv sind. Ohne Probleme realisieren Wünnespil vierstimmige
Chor- und Instrumentalsätze der Renaissance, um dann wieder die
Trommel
zu schlagen und den Dudelsack jaulen zu lassen. Aber wie virtuos! Die
Presse-
Information des Verlags, hier würde der typische "Flair
mittelalterlicher
Märkte und historischer Bankette" vermittelt, geht völlig
daneben.
Das ganze hat nichts zu tun mit dem wüsten Getrommel, Gebrüll
und Gedröhne, das auf solchen Veranstaltungen oft anzutreffen ist.
Das hat höfische Eleganz und Stil, selbst wenn mit Augenzwinkern
auch
mal rauere Lieder und Tänze dargeboten werden. Erstaunlich ist der
nicht enden wollende Ideenreichtum, mit dem die 26 (!) Stücke
detailreich
umgesetzt werden. Mit dem "goldein huon" und dem "lieben summer" sind
zwei
hoch inspirierte Neidhart-Versionen zu hören, herrlich auch
"Pasttime
with good company" von Henry VIII mit satten Bläsern und
großartigem
Chor. Knud Seckel überzeugt beim anonymen Troubadourlied "En mai",
Vorbild für Walthers "Under der linden". Alles in allem ein
farbenfrohes
Kompendium mittelalterlichen Musizierens, das das Ohr schärft
für
Nuancen und Unterschiede! Wenn man nur eine einzige Mittelalter-CD
mitnehmen
dürfte zur einsamen Insel, dann sollte es diese sein... (lj) |
CD-Tipp
Dezember
2005

WEENA
Das Nibelungenlied
Sound
Of Weena
CD kaufen
|
Das Nibelungenlied als "Rockoper von
Betrug, Verrat und
Mord" - ein reizvoller Gedanke! Weena, sprich die Kooperation zwischen
der Opernsängerin Sylva Bouchard-Beier und dem Schwermetaller
Thomas
Lang, setzen ihn um. Wagnerianisches Pathos, umgesetzt mit
symphonischen
Klängen aus dem Sampler, verbindet sich mit zündenden
Rock-Rhythmen.
Dazu gibt es Karl Simrocks neuhochdeutsche Nachdichtungen der Sage um
Kriemhild,
Brunhild, Hagen und Siegfried. Die werden von zwei Gesangssolisten, die
unterschiedlicher kaum sein können, in all ihrer Dramatik mit
neuem
Leben erfüllt. Thomas Lang beeindruckt darüber hinaus vor
allem
mit seinen ausdrucksstarken Gitarrensoli - er lässt die satt
übersteuerte
E-Gitarre singen und klagen, dass es die Rheintöchter zu
Tränen
rühren müsste. Schön wird es, wenn keltische
Tanzrhythmen
die Rock-Klischees aufbrechen. Zum Ende klingt sogar eine echt-
mittelalterliche
Melodie an, Wolfram von Eschenbachs unendlich traurige Titurel-Klage.
Natürlich
bietet das Nibelungenlied Stoff für mehr als eine CD: eine
Fortsetzung
ist deshalb schon angekündigt. (lj)
(Die Rezension erschien auch in Karfunkel Dez. 2005) |
CD-Tipp
November
2005

IOCULATORES
Media Vita In Morte Sumus
Raumklang
CD kaufen
|
"Mitten im Leben sind wir vom Tode
umfangen"- das, was
heute nur allzu gerne verdrängt wird, bis es uns mit aller Macht
selbst
betrifft, war im Mittelatler eine Selbstverständlichkeit. Das
Album
der Ioculatores ist ein kleines Gesamtkunstwerk, das
eindringliche
Interpretation von Kreuzzugs- und morbiden Minneliedern mit geistlichen
Gesängen verbindet. Gewitter, Wind, Kirchenglocken und eine oft
ungewohnte
Raumakustik geben der ungewöhnlichen Produktion eine einzigartige
Atmosphäre. Im Gedächtnis bleiben die innig-sakralen
Mönchsgesänge
ebenso wie die hervorragenden Rezitationen Jörg Peukerts.
Großes
Lob auch für die Stückauswahl jenseits der ausgetretenen
Pfade.
So bekommt man auch einmal das Tagelied des "Guteres" aus der Jenaer
Liederhandschrift
zu hören. Und man erfährt, dass das "Rote Buch" von
Montserrat
nicht nur "Stella Splendens", sondern auch ein originelles,
trostspendendes
Toten-Pilgerlied zu bieten hat. Das ultimative Album für
nachdenkliche
Novembertage! (lj) |
CD-Tipp
Oktober
2005

OUGENWEIDE
Ouwe war
Sireena
CD kaufen
|
Nach einem Jahr gibt es schon wieder ein Live-Album
der Mittelalter-Rock-Pioniere
aus den 70er und 80er Jahren. War "Wol
mich der Stunde" (2004) wegen der mäßigen
Aufnahmequalität
eher für Fans interessant, so hat das aktuelle Werk auch klanglich
deutlich mehr zu bieten. Vor allem das Titelstück mit der wohl
schönsten
Melodie zu Walther von der Vogelweides Altersklage kann
überzeugen.
Auch Walthers satirisch-böser "Gerhard Atze" sorgt für
Freude:
Der überlieferte "Kreuzton" wird hier in Jethro-Tull-Manier zum
zupackenden
Rock-Riff. Ansonsten liegt der Schwerpunkt auf den späteren
Werken,
der 48er-Revolutions-Song »Auf weichen Federn« ist sogar in
zwei Versionen zu hören. Der Merseburger Zauberspruch "Eiris
Marun",
eins der ältesten Ougenweide-Stücke, ist in einer Neufassung
der 80er zu hören. Aber auch Till Eulenspiegel, der Fuchs und der
Lügner werden wieder aus der Kiste geholt. Und schließlich
noch
ein Walther-Klassiker mit Ougenweide-Melodie - »Ouwe wie
jämmerliche«,
2. Teil der Elegie, wird um herrlichen Geigenklang bereichert. Wie zu
hören
ist, steht eine Reunion bevor: Dieses Album sollte dazu beitragen, dass
der Mythos wieder ins Gespräch kommt. (lj) |
CD-Tipp
September
2005

FAUN
Renaissance
Curzweyhl
CD kaufen
|
Vorsicht, der Titel täuscht.
Renaissance ist bei
Faun mehr eine philosophische als eine musikgeschichtliche Kategorie:
Es
geht um Wiedergeburt, Neuanfang. Die Musik verbindet einen Hauch
Mittelalter,
viel Folkloristisches und meditative Klangmalerei. Renaissance-Musik
kommt
nicht zum Tragen, dafür der typische Faun-Sound. Das ganze ist
zwar
nicht ganz so gelungen wie ihr Meisterwerk »Licht«, aber
trotzdem
schön ätherisch! Freunde des Minnesangs kommen mit einer
Interpretation
von Wizlaw von Rügens "Loybere Risen" auf ihre Kosten. Auch hier
ist
die "geglättete" Version zu hören (alle Noten h werden zu b),
die seit Thomas Binkley Standard ist, weil sie unseren Ohren mehr
schmeichelt
als die heute etwas fremd klingende Fassung aus der Jenaer
Originalhandschrift.
Der Herbst kommt, die Blätter fallen - doch wie sollt ich frieren,
wenn doch ihre Wangen glüh'n.... (lj) |
CD-Tipp
August
2005

VAN
LANGEN
Zeychen der Zeyt
Heckenreiter
CD
bestellen (15 Euro plus 3 Euro Versand)
|
Der frischgekürte Publikumssieger beim
Minnesänger-Wettstreit
bewährt sich erst recht auf der Rock-Bühne. Mit "Zeychen der
Zeyt" gelingt ihm sein bislang bestes und dichtestes Album: Er
verbindet
Mittelalterliches und Keltisches mit Gothic-Düsternis, druckvollen
In-Extremo-Gitarren und Elementen des Siebziger-Jahre-Folkrocks. Die
Elemente
stehen nicht beziehungslos nebeneinander, sondern verbinden sich
geradezu
magisch. Das ganze wirkt direkt und meditativ zugleich, birgt viel
Überraschungen
und auch manch Bekanntes. Neben der Präsenz des singenden
Hexenmeisters
und den raffinierten Arrangements besticht vor allem die Qualität
der Mitmusiker: Vor allem Sabine Stelzer zeigt sich mit herrlich
kehligem
Gesang dem Meister ebenbürtig und beeindruckt auch durch ihr
gefühlvolles
und variables Flötenspiel. Genial auch die hardrock-orientierten
Gitarrensoli
von Bernd Intveen! Höhepunkte sind die irisch eingefärbte
Vertonung
eines Merseburger Zauberspruchs, eine mal ganz andere Fassung von
Walthers
"Unter der Linde" (mit kleiner Anleihe bei der Carmina-Burana-Parodie
des
Walthertextes) als Blues, das liebliche altenglische "Miri it is
while summer ilast" (ein potentieller Singlehit) und das Tagelied-Duett
"Beltane". Aber auch abgelutschten Evergreens wie "Al vol" und dem
unvermeidlichen
Palästinalied gewinnt van Langen mit seiner inspirierten Truppe
noch
Hörenswertes ab. Ein Muss für Mittelalter-Rockfans! |
CD-Tipp
Juli
2005

CORVUS
CORAX
Cantus Buranus
Roadrunner
CD kaufen
|
Wie sagte Meister Selbfried von der
Band im Interview mit
dem Autor dieser Seite: "Wenn einem das Glück mal erreicht, dann
hält
man es mit beiden Händen fest und brüllt es heraus..." -
Momente
der Besinnung und des Innehaltens gibt es also nicht beim neuen
Corvus-Album.
Ursprünglich sollte es "Carmina Burana" heißen, doch die
Orffschen
Erben drohten mit rechtlichen Schritten, so dass das Werk jetzt "Cantus
Buranus" heißt. Orffs Oratorium ist ja einer der Super-Hits der
Klassik
des letzten Jahrhunderts, zudem haben sich schon viele
Mittelaltermusiker
auf die Suche nach der Originalgestalt der mittelalterlichen
Liedersammlung
begeben. Die Vorreiter der Mittelaltermusikszene orientieren sich
erstaunlicherweise
aber eher an Orff, mit großem Chor und Orchester wird das
Ritualhaft-Magische
der alten lateinischen Texte zelebriert. Schon das Anfangsstück
ist
geradezu eine Hommage ans Orffsche "O Fortuna". Große
Orchestermusik
mit Dudelsäcken! (lj)
>> zum Interview
von Dr. Lothar Jahn mit Meister Selbfried (Wildwechsel online)
|
CD-Tipp
Juni
2005

DIVERSE
Burg
Falkenstein - Minnesänger-Wettstreit 2005
Heckenreiter
CD
bestellen (15 Euro plus 3 Euro Versand)
> Noten von Minneliedern gibt es hier.
|
Da
die CD von Minnesang.com präsentiert wird, lassen wir andere zu
Wort
kommen:
Karfunkel:
"Es
handelt sich um einen Querschnitt bekannter und weniger bekannter
Minnelieder
des gesamten Zeitraums des Minnesangs: Am Anfang steht der
Kürenberger,
dessen berühmtes Falkenlied gleich in zwei Vertonungen zu
Gehör
gebracht wird; den zeitlichen Abschluss bildet Oswald von Wolkenstein.
Jeder der am Wettstreit beteiligten Sänger bringt seine
eigene
Interpretation von mittelalterlicher Musik und mittelhochdeutscher
Sprache
ein."
Wildwechsel:
"Musikalisch
einfallsreich ist das ganze ohnehin, vor allem aber überzeugen die
höchst unterschiedlichen Stimmen: Marcus van Langen mit knarzigem,
Jochen Faulhammer mit kultiviertem Bass, Frank Wunderlich und Knud
Seckel
als dezente Tenöre, Michael Hoffkamp als Folkbarde. Hans Hegner
bereichert
die alten Melodien um raffinierte Verzierungen und der Salzburger
Thomas
Schallaböck gibt den Hofnarren."
Magister
Rother:
"Ein
Überblick, ein Querschnitt durch die moderne Minnesang-Rezeption?
Updates der famosen mittelalterlicher Sängerwettstreite hat es ja
schon häufiger gegeben, selten aber mit so
hochkarätiger
Besetzung. Eine interessante Sache."
|
CD-Tipp
Mai
2005

COLLAGE
Blôzen
Edition
Apoll
CD
bestellen (15 Euro plus 3 Euro Versand)
|
Das
Berliner Ensemble Collage begnügt sich nicht mit den üblichen
Evergreens des Mittelalter- Repertoires in sattsam bekannten
Arrangements.
Der Zugang zum überlieferten Material ist viel intuitiver.
Die
sorgsam ausgewählten Tänze, Instrumentalstücke und
Minnelieder
werden als Ausgangsmaterial für höchst inspirierte
Improvisationen
gewählt. Ausgangsmaterial ist Musik des späteren Mittelalters
bis hin zur Renaissance (Susato) aus französischen, italienischen
und natürlich deutschen Landen. Doch nicht, was gespielt wird, ist
interessant, sondern wie: Latu eigener Aussage spielt die Gruppe nicht
Kompositionen des Mittelalters, sondern sie "spielt mit Kompositionen
des
Mittelalters" - zwar mit streng historischem Instrumentarium und in
stimmiger
Diktion, aber eben auch frei, inspiriert, virtuos und mit so viel
"Feeling",
dass auch der Jazzer seine Freude hat. Klaus Sonnemann erweist sich als
ein Charlie Parker der Schalmeien, während Achim Blazejewski den
"Groove"
in die (selbstgebaute) Saitentrommel haut. Dazu Harfe, Flöte,
Fidel
und Laute - man nimmt sich viel Zeit, lässt sich von Melodien
davontreiben.
Als Monumente ragen vier raffiniert begleitete Minnelieder aus dem Meer
der Klänge - zwei von Neidhart, zwei von Oswald. Sänger ist
dabei
der großartige Hans Hegner, der auch beim Minnesänger-Wettstreit
2005 am 4.6. auf Burg Falkenstein sein Können unter Beweis
stellen
will. (lj) |
CD-Tipp
April
2005

POETA
MAGICA
Décades (Do-CD plus Video)
Verlag
der Spielleute
CD kaufen
|
Wer
einmal das Glück
hatte, Poeta Magica erst auf einem Markt zu erleben und später
dann
bei einem Konzert in Clubatmosphäre, wird sich erstaunt die Augen
- oder besser die Ohren - gerieben haben: Sie beherrschen die
große
Geste und den kecken Ton nämlich genauso wie die kostbaren und
zerbrechlichen
Momente der intimen Nähe. Diese "Best-Of"-Do-CD blättert das
gesamte Spektrum der verdienten Musiker um das Ehepaar Funke, diese
mittelalterlichen
Multi-Instrumentalisten, Klang-Poeten und -Zauberer. Fein gesponnener
Folk,
ferne Ethnoklänge, Nordisches, Maurisches und sogar
Mittelalterrock
- das Album zeigt die ganze Vielfalt des Poeta-Universums. Dazu auch
einige
echte Perlen authentischer Mittelaltermusik aus den frühen Tagen
des
Ensembles (bislang nur auf MC erhältlich), die schon wunderbar
inspiriert
wirken und zudem klanglich aufpoliert im höfischen Glanz
erstrahlen.
Ein Muss für alle Freunde anspruchsvoller Minne-Klänge.
(lj) |
CD-Tipp
März
2005

DES
TEUFELS LOCKVÖGEL
Carmina Mystica
Heckenreiter
CD
bestellen (15 Euro plus 3 Euro Versand)
|
Er gilt
als der "Gottseibeiuns"
der Mittelalterszene, seine Gruppe sind "Des Teufels Lockvögel" -
also am besten bekreuzigen und die Flucht ergreifen? Iwo! Marcus van
Langen
röhrt zwar seine Lieder aus tiefster Kehle und die raue
Spielmannszunft
ist ihm näher ist als das vornehme Getue bei Hofe, doch im Grunde
hat er das Herz auf dem rechten Fleck, was schon sein grandioses Palästinalied-Benefizprojekt
bewies. Wild, rau, ungestüm, doch mit akustischem Instrumentarium
haben er und seine "Lockvögel" sich Minneliedern,
Spielmannsklassikern,
ja sogar Geistlichem gewidmet. So eine Art "Mittelalterrock
unplugged"also!
Das ganze kommt mit überbordender Energie, aber durchaus nicht
gotteslästerlich
auf die Bühne. Wer es verkraften kann, dass man sich den
Klassikern
des Repertoires mit Übermut und brachialer Lebenslust zu Leibe
rückt,
wird mit originellen Versionen von Klassikern wie Walthers "Wol mich
der
stunde" (hier: "Hol mich der Teufel"), Neidharts "Meie din", Oswalds
"Wach
auff mein hort" und "Wach auff, wir wellen slauffen" wie Friedrich von
Hausens "Mir ist das herze wunt" belohnt. Und als Dreingabe gibt's auch
noch ein herzerfrischendes "Maria durch ein'n Dornwald ging". Kyrie
Eleison!
(lj) |
CD-Tipp
Februar
2005

DIVERSE
Pax Volume 2
Pax
et Gaudium
CD kaufen
|
Ein
Adrenalinstoß,
ein Dauertrommelfeuer wilder Mittelaltertanzmusik: das war der
Pax-Sampler
Nr.1. Mit entsprechenden Erwartungen stürzte man sich auf Volume
2,
wieder zusammengestellt vom Mittelalter-Spitzen-DJ Marc Musicus. Doch
welche
Überraschung! Diesmal geht's gemächlicher zu - es gibt
18 mal eher handgemachte Mittelaltermusik in hoher Qualität! Hier
regiert nicht das Gesetz der Tanzfläche: Es gibt richtige
Lieder
mit Pausen zwischendrin, mal ausgelassen fröhlich ("Hopsa! Hopsa!
Drüber und über...") wie bei Pampatut, den Galgenvögeln
und des Geyers schwarzem Haufen, dann wieder herrlich entspannt und
meditativ
wie bei Sava oder Arcana Obscura. Viel historisches Originalmaterial
wurde
verwandt: Spielmannslieder, Llibre Vermell, Cantigas (toll: Ranunculus
mit einer fast schon Orffschen Version von "Como podem"),
Plattdeutsches
(herzzerreißend: Moskotes Mittelalterrock-Version der "Fief
Söhne"),
aber auch Irisches und Altnordisches. Von den Minnesängern
ist
nur Neidhart vertreten, der aber gleich zweimal: Heidenspaß
machen
aus "Winder" eine gnadenlos lärmende Winteraustreibung, das
Musiktheater
Dingo bringt die höchst amüsante Minnelied-Parodie vom
"Gimpel-Gempel"
leider in einer zensierten Version ohne den derb-erotischen Schluss.
Die
größte Überraschung ist es, der Pop-Legende ABBA als
Komponisten
zu begegnen: "Arrival" von Lex Mihi Ars ist aber absolut
schlüssig,
erinnert mehr an Mike Oldfields Folkrock-Version des
Instrumental-Klassikers
als ans Original. Insgesamt ein überzeugender Querschnitt durch
die
aktuelle Mittelalter-Musikszene jenseits der großen Namen!
(lj) |
CD-Tipp
Januar
2005

ENSEMBLE
UNICORN/
ONI
WYTARS
Music Of The Troubadours
Naxos
CD
bestellen (15 Euro plus 3 Euro Versand)
> Noten von MInne- und Troubadourliedern gibt es hier.
|
Bei
diesen ungewöhnlichen
Versionen einiger der schönsten Troubadourlieder muss man sich
erst
von Hörgewohnheiten und -erwartungen verabschieden. Das liegt vor
allem an der Sängerin Maria D. Lafitte, die die Liebesbekundungen
unglücklicher Ritter an ihre Herrin nicht süßlich,
verträumt
und wohlklingend darbietet, sondern temperamentvoll, vital, und
explosiv.
Sie säuselt, schluchzt, schreit, haucht, jauchzt die zu Herzen
gehenden
Melodien und Texte heraus, als kämen sie ihr direkt aus der Seele.
Wenn man zu dieser Interpretationsweise einen Zugang gefunden hat,
öffnet
sich das Ohr auch für den unglaublichen Nuancenreichtum der
Begleitung
mit großem mittelalterlichen Instrumentarium. Michael Posch und
Marco
Ambrosini haben die personellen Ressourcen von Oni Wytars und Ensemble
Unicorn voll ausgeschöpft. Obwohl die konzeptionelle Arbeit
deutlich
zu spüren ist, bleibt doch viel Freiraum für die
improvisatorischen
Künste der durchwegs exzellenten Instrumentalisten. Erster
Höhepunkt
ist Raimon de Miravals tragisches "Bel m'es q'leu chant", kontrastiert
durch ein wunderbar leicht dahingeworfenes "Reis glorios". Am Ende
widmet
sich das hoch inspirierte Ensemble ausgiebig den beiden Monumenten des
Troubadourgesangs: Ventadorns Lerchenlied wird dabei geradezu gegen den
Strich gebürstet, die meisterhafte Melodie wird in einem
aberwitzigen
Tempo zu tänzerisch-folkloristischer Begleitung dargeboten. Dann
folgt
eine Siebzehneinhalb- Minuten-Version (!) von Jaufré Rudels
"Lanquan
li jorn", das einst Walther zu seinem Palästinalied inspirierte.
Dabei
orientiert man sich an der Melodievorlage, die die orientalischen
Anklänge
am stärksten zum Ausdruck bringt, was durch die Interpretation
noch
unterstrichen wird. Das grandios durchkomponierte Gedicht von der
fernen Liebe - ist es nun Jerusalem oder doch die unerreichbare Frau? -
wird so eindrucksvoll musikalisch umgesetzt, dass man mitlieben
und
-leiden muss. (lj) |
CD-Tipp
Dezember
2004

ADARO
Words Never Spoken - Extended Edition
SPV
CD kaufen
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Das ist
die Untertreibung
des Jahrhunderts: Adaro bezeichnen ihr neues Album "Words Never Spoken"
als "Extended Version" der gleichnamigen EP aus frühen Tagen der
Band.
Tatsächlich finden sich die vier interessanten Tracks des
vergriffenen
Mini-Albums auch am Ende der CD, die "Erweiterung" besteht jedoch aus
einem
ausführlichem Live-Mitschnitt eines Konzerts vom Sommer 2004.
Dabei
wurden viele bislang unveröffentlichte Stücke dargeboten, in
denen sich Adaro mit der Mittelaltertradition auseinandersetzt. Rockige
Bearbeitungen der Cantigas de Santa Maria vom weltoffenen Hofe Alphons
des Edlen gehören genauso dazu wie die adaro-typischen, komplexen
Vertonungen von mittelhochdeutschen Texten aus der
Minnesänger-Zeit,
die manchmal ein wenig an Ougenweide erinnern. Am meisten zu Herzen
geht
die überraschende Version von "Stella Splendens" aus dem roten
Buch
der Mönche von Montserrat: Hatte die Band auf dem gleichnamigen
Album
die wunderbare alte, zweistimmig gesetzte Melodie noch in ein
krachendes
Rockgewand vom Kaliber Jethro Tull gesetzt, so nähert man sich
jetzt
ganz zart der Marienpreisung. (lj) |
CD-Tipp
November
2004

DIVERSE
Musica Aventurica
Shack
Media
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Zum
20-jährigen Jubiläum des Rollenspiels »Das schwarze
Auge«
entstand diese Compilation mit mittelalterlich inspirierter Musik.
Diese
Sammlung lohnt sich auch für Nicht-Spieler. Bekannte Namen wie
Schelmish,
Filia Irata, Omnia, Saltato Mortis und Potentia Animi sind dabei, ihre
Klänge sorgen für viel Atmosphäre. Die schillerndsten
Mittelalterperlen
sind Fauns überirdisch schönes Lied »Von den
Elben«
und Adaros Oswald-von-Wolkenstein-Adaption "Nu ruh mit Sorgen". Auch
dabei:
70er-Jahre-Vorreiter wie Elster Silberflug und Ougenweide. Letztere
allerdings
mit ihrem "Badehaus"-Lied, da hätte es sicher stimmungsvollere
Beispiele
gegeben (siehe CD des Monats vom Oktober). Einen psychedelischen
Gegenpol
zu den vielen folkigen Klängen setzt am Ende die Fantasyy Factory
mit "The Bleeding Rose Of Arania". (lj) |
CD-Tipp
Oktober
2004

OUGENWEIDE
Wol mich der Stunde
Sireena
CD kaufen
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Auf
ein Lebenszeichen dieser Band hat man lange warten müssen: Hier
ist
nun zwar nichts Neues von OUGENWEIDE, dafür aber eine
repräsentative
Kollektion von Live-Aufnahmen, die zwischen 1970 und 1984 entstanden.
Man
bekommt hier eine kleine Ahnung davon, warum die einst von Achim
Reichel
entdeckten deutschen Folk-Rocker regelmäßig die Säle
zum
Toben brachte. Merkwürdigerweise hat man es trotz
Mittelalter-Booms
bei Polydor bislang nicht für nötig gehalten, die alten LPs
der
Erfinder des Minne-Rocks auf CD zu bringen, es gibt mit dem
»Liederbuch«
nur eine Best-Of-Collection. Doch auch das erneute Wiederhören mit
den Klassikern der Pioniere tut gut. Immer noch zu Herzen gehen die
Vertonungen
der ersten beiden Teile von Walther von der Vogelweides
"Ouwe"-Trilogie:
die Altersklage über die verschwundenen Jahre, die heute immer
noch
von vielen Gruppen gecovert wird, und das Lamentieren über das
jäümmerliche
Getue der jungen Leute. Minnesang-Freunde bekommen auch vier
Neidhart-Lieder
(darunter die "Maienzit") und Gottfried von Neiffens "Wan si dahs" zu
hören.
Dazu noch der "Schlehmil", die "Jungfern" und das "Badehaus", für
OUGENWEIDE- Fans ein Muss! Das mitreißende "Bald anders"
hätte
hier allerdings auch noch hingehört. Merkwürdigerweise fehlt
auch der Namensgeber des Albums, Walthers "Wol mich der Stunde", bei
dem
man einst die alte Troubadourmelodie nach allen Regeln der
Jethro-Tullschen
Folkrock- Kunst genial verarbeitet hatte. Die Tonqualität der aus
den Archiven hervorgeholten Aufnahmen ist durchwachsen und vor allem
höchst
unterschiedlich. Da hätte etwas klangliche Nachbearbeitung sicher
nichts geschadet! Durch den antiquarischen Sound wird aber auch der
Abstand
zu den Aufbruchsjahren der "Zurück-zur-Natur"-Bewegung der 70er
Jahre
noch deutlicher. Da erwacht die Sehnsucht nach einer längst
vergangenen
Epoche... |
CD-Tipp
September
2004

DULAMANS
VRÖUDENTON
Minnesänger in Österreich
Domino
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> Noten von Minneliedern gibt es hier.
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Das
Alte-Musik-Ensemble
aus Salzburg erfreut hier nicht nur das Herz des Österreichers:
Dulamans
Vröudenton bedienen mit ihrer Sammlung von Minneliedern aus
Österreich
zwar auch den Lokalpatrioten, sie bieten aber Allgemeingültiges
für
alle Freunde dieser Musik. Natürlich haben der Mönch von
Salzburg,
Neidhart und Walther hier ihren Ehrenplatz. Furios geht's los mit einer
mitreißenden Instrumentalfassung von Neidharts "Meie din", bevor
einem Walthers "Unter der Linde" merkwürdig beglückend und
fast
ohne Melancholie entgegentönt. Liegt's vielleicht am F-Bordun, der
hier den das ganze ins unerfüllt sehnsuchtsvolle Moll ziehende
D-Bordun
ersetzt, mit dem das Lied sonst meistens unterlegt wird? Und dann des
Mönchen
"Falkenlied"-Parodie, zupackend vorgetragen: einfach
köstlich!
Eine echte Entdeckung sind auch die Lieder vom Diessenhofener
Liederblatt,
die hier erstmals auf CD eingespielt wurden: "Zart liepster hort" ist
eine
sehnende Minneklage vom Feinsten, auch das "Fastnachtslied" kann
betören.
Oswald darf auch nicht fehlen, dazu weniger Bekanntes von Lichtenstein,
Montfort und Beheim. Und als Rausschmeißer ein furioses "In
Taberna".
Ein richtig rundes Album! Dazu gibt's sogar noch ein liebevoll
gestaltetes
Booklet mit interessanten Hintergund-Informationen von Prof. Dr. Ulrich
Müller. Was will man mehr? (lj) |
CD-Tipp
August
2004

I
CIARLATANI
Codex Manesse
Christophorus/MusiContact
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> Noten von Minneliedern gibt es hier.
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Einen wunderbaren
Überblick über die Musik des Minnesangs gibt das Album "Codex
Manesse" des Heidelberger Ensembles I CIARLATANI. Der Titel führt
ein wenig in die Irre, denn es gibt durchaus nicht nur Beispiele aus
der
großen Heidelberger Liederhandschrift zu hören, sondern auch
Musik aus der Jenaer Handschrift, den Neidharthandschriften, dem
Schaffen
der Troubadoure und sogar den Cantigas. Höhepunkte sind
inspirierte
Interpretationen von Bernger von Horheims unendlich traurigem "Nu
enbeis
ich..." und Friedrich von Hausens berühmtem "Min herze unde min
lip".
Das Hin- und Hergerissensein zwischen Minne- und Kreuzdienst wird
hervorragend
umgesetzt. Lohnenswert ist auch die Wiederentdeckung von "Owe daz nach
liebe gat" aus der Feder des "Wilden Alexander", der Ende des 13. Jh.
noch
einmal im Stil der alten Meister schrieb. Schließlich wird des
Tanhusers
"Steter dienest" (auch bekannt als "Der Lude Leich") endlich einmal so
satirisch vorgetragen, wie es dem Text gebührt, der eine
unmäßige
Herrin geißelt. Fast schon ein Gassenhauer! Schön, dass auch
der komplizierte Tanhuser-Leich "Ich lobe ein wib" eingespielt wurde.
Ein
Muss für Minne-Enthusiasten! (lj) |
CD-Tipp
Juli
2004

POETA
MAGICA
Froy
Verlag
der Spielleute
CD kaufen
|
Der Bogen,
den das aktuelle Album von POETA MAGICA spannt, reicht vom Norden
Europas
bis hin zum Orient. Schamanengesänge aus Skandinavien sind
orientalischen
Weisen gar nicht so fern, wie man bislang dachte. POETA MAGICA lassen
auch
die herrliche Eröffnungs-Cantiga aus der Sammlung Alphons des
Edlen
so richtig grooven. Ein weiterer Höhepunkt ist die Neuvertonung
von
"Do der sumer komen was" von Walther von der Vogelweide als
"Traumglück":
einfach magisch! Ohnehin ist die ungewöhnliche Kombination von
Mittelalterinstrumentarium,
archaischen Rhythmen und Fretless-Bass (der harmonisch manchmal
erstaunliche
Wege wagt) sehr reizvoll. Vor allem Holger Funkes eindringlicher
Gesang,
der ein wenig an Biermann erinnert, treibt einem wieder Tränen der
Rührung in die Augen. So auch beim gelungensten Stück des
Albums,
der vom 70er-Jahre-Folk beeinflussten Liebespreisung
»Vroyde«.
(lj) |
CD-Tipp
Juni
2004

ADARO
Schlaraffenland
Tempus Fugit/SPV
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Zwei
Namen fallen einem beim neuen ADARO-Album ein: OUGENWEIDE und
JETHRO
TULL. An Ougenweide erinnert der deklamatorische Singstil von
Christoph
Pelgen genauso wie die altertümliche Sprache und das Wechselspiel
mit einer hellen Frauenstimme (hier Konstanze Kulinsky). An Tull
erinnert
die Weise, wie mit der musikalischen Überlieferung umgegangen
wird.
Der Art-Rock der Siebziger hatte es ADARO schon immer angetan, dazu
gibt‘s
Anklänge an Renaissance, Irish Folk und nur noch ein wenig
Mittelalter.
So heben sie sich deutlich ab von den Historienfledderern der „Neuen
Deutschen
Härte“, die oft nur wenig Musikalität mitbringen. Trotz der
Erinnerung
an große Vorbilder ein eigenständiges Werk, das mit einer
innigen
Psalmen-Vertonung besinnlich ausklingt. (lj) |
CD-Tipp
Mai
2004

ELVENKING
Wyrd
AFM-Records
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Das
zweite Album der
jungen italienischen Medieval-Metaller liegt vor, erschienen bei der
Schwalmstädter
Plattenfirma AFM-Records. Schon der Erstling »Heathenreal«
hatte diese faszinierende Mischung aus unglaublich zart anmutenden
Flöten
und Streicherklängen, bei denen man die Elfen durch die
Büsche
huschen hört, mit zupackendem, unglaublich kräftigen
Trash-Metal.
Bei »Wyrd« gibt's noch mal eine Fuhre Holz mehr aufs Feuer!
Bei aller Wucht, mit der sich die Italiener ins Zeug legen, erstaunt
doch
ihre Feinsinnigkeit und filigrane Detailarbeit. Raffinierte
Arrangements,
polternde Double-Bass, singende Gitarrensoli, kernige Riffs, eine
äußerst
präzise Rhythmusarbeit und dann wieder dieser herrlich traurige
Folk
- das Album ist nicht nur für emsige Elfen und feurige Feen genau
die richtige Empfehlung. (lj) |
CD-Tipp
April
2004

FAUN
Licht
Curzweyhl/Zomba
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