Reinmar I. ist
in der Zeit zwischen 1224 bis 1236
urkundlich bezeugt und starb 1238.
Sein Sohn
Reinmar II. wird als Verfasser dieser Gesänge
vermutet. Er wird wie sein Vater 1224 bzw. 1236 urkundlich erwähnt
und starb
1271, vier Söhne überlebten ihn: Wirnto III., Reinmar III.,
Ruland und Bruno
von Brennenberg.
Reinmar III. ist
1272, kurz nach dem Tode seines Vaters
Reinmar II., noch unmündig und wird um 1276 bei einer Fehde mit
mehreren
Gefolgsleuten von Regensburgern Bürgern ermordet. Die
Kenntnis über
dieses Ereignis inspirierte den Maler zur Miniatur der Manessischen
Liederhandschrift, die dem Liedcorpus vorangestellt ist. Sein
gewaltsamer Tod lebt als Bremberger-Sage in zahlreichen Liedern
(Balladen) bis in
das 16. Jahrhundert fort.
Der Sohn seines
Bruders Bruno von Brennenberg, Reinmar
IV., geboren etwa um 1280, ist ab 1295 urkundlich bezeugt und lebte bis
1326.
Sein Wirken fällt schon in die Entstehungszeit der Großen
Heidelberger
Liederhandschrift, dem Hauptzeugen der Lieder des Brennenbergers. Er
wird nicht
als Minnesänger in Betracht gezogen.
Die
Identifizierung des Verfassers bleibt schwierig, da
kein zeitlicher Hinweis oder andere historische Anspielungen in den
Liedern zu
finden sind. Nur der Nachruf auf die verstorbenen Minnesänger der
Str. 13 im
Lied IV könnte einen Anhaltspunkt bieten: Die Entstehungszeit
dieser Strophe
wird um die Mitte des 13. Jahrhunderts angesetzt. Ob Reinmar der
Verfasser
dieser Strophe ist wurde teilweise angezweifelt.
Die höchste
Wahrscheinlichkeit, den gesuchten Minnesänger
zu identifizieren, fällt auf Reinmar II. Reinmar
sieht sich in der Tradition jener
Minnesänger, welche er in seinen rühmenden Nachruf
erwähnt. Er ist mit deren
Können gut vertraut und findet bei ihnen viele Anregungen,
besonders bei Ulrich
von Singenberg, den er in dieser Strophe an die erste Stelle rückt
und in
gleich zwei Versen besingt. Andere Motive in seinen Liedern lassen sich
auf
Reinmar (dem „Alten“), auf Heinrich von Morungen und auf Walther von
der
Vogelweide zurückführen.
Überliefert
sind in der Heidelberger Liederhandschrift
vier Minnelieder (ohne Melodie) und ein außergewöhnlicher
Ton (Lied IV), der
sogenannte „Brannenberger“ oder „Bremberger“ Ton, dessen Melodie in der
Kolmarer Liederhandschrift und in einigen weiteren Quellen
aufgezeichnet ist.
Zu
den Liedern
Lied
I:
In diesem Ton
richtet der Sänger ein Gebet an Gott sowie
an die Minne und bittet um Erhörung: er möge eine vollkommene
Frau finden. Er
wird erhört, wendet sich an die Frau und erbittet ihre Zuneigung.
Wiederum
wendet er sich an die Minne und bittet, daß sie ihm dabei
behilflich sei. In
der letzten Strophe richtet er sich noch einmal an Gott mit der Bitte,
daß
seine Geliebte ihn in ihre Obhut nehmen möge. (3 Strophen)
Lied
II:
Eine Minneklage
mit Natureingang (Lieber meie).
Der Winter läßt die Blumen erfrieren und zwingt die
Vögel ins Schweigen. Das
bedrückt den Sänger, denn ihm ergeht es ebenso mit seiner
Geliebten. Sie
verhält sich ihm gegenüber abweisend und großen Kummer
bereitet ihm seine
unerwiderte Liebe. (4 Strophen)
Lied
III:
Dieser Ton ist
ein Frauenpreislied mit Natureingang
(Mailied). Der Wald ergrünt, allerlei Vögel stimmen
Freudenlieder an. Alle
Männer, egal ob jung oder alt, schauen sich jetzt nach Frauen um,
die ebenso
gern mit ihnen allerlei Freuden teilen möchten.
(3 Strophen)
Lied
IV (Brennenberger Ton):
Es handelt sich
hier nicht um einen in sich geschlossenen
Gesang, sondern um ein Spruchton, der zur Gattung der Spruchdichtung
mit
Minnethematik zu rechnen ist und daher eine Zwischenform bildet.
12 Strophen
überliefert insgesamt die Handschrift C, die
in sich Einheiten sind (Einstrophigkeit), mit Ausnahme des Dialogliedes
zwischen Liebe und Schönheit (Strophen
10-12). Thema aller Strophen ist die Minne aus der Sicht des
Sängers, mit
Ausnahme der Nachruf-Strophe 13.
Str. 1: Der Mund
der Geliebten wird gelobt und
überschwänglich ihre Schönheit beschrieben; dies alles
verjüngt und vertreibt
jeglichen Kummer.
Str. 2: Hier
wird die Tugend und die Schönheit der
Geliebten gepriesen. Ganz gleich, wo der Sänger sich aufhalten
mag, wird er ihr
gewahr.
Str. 3: Auch
hier wird die Geliebte gelobt und die
Erinnerung an sie wachgehalten. Einem Engel vergleichbar ist sie dem
Dichter
gegenwärtig.
Möglicherweise
bilden die Str. 2+3 eine Einheit.
Str. 4: Wieder
ein Lob der Geliebten. Hinzu kommt das
Gedenken an den Beginn ihrer Zuneigung. Reinmar beteuert darüber
hinaus die
Beständigkeit der Liebe bis zum Tod.
Str. 5: Die
Liebesbeteuerungen werden fortgesetzt, es wird
besonders die Güte der Angebeteten hervorgehoben, die alles Leid
vertreiben
kann.
Die Str. 4+5
könnten ebenfalls zusammengehören.
Str. 6: Der
Sänger freut sich, daß auch andere seine
Geliebte, die er erwählt hat, lobend wahrnehmen. Es selbst besingt
ihre
Tugenden.
Str. 7: Eine
Minneklage. Reinmar erfährt Abweisung von
der Angebeteten, trotzdem versichert er seiner „süezen senften
morderin“ die
Treue.
Str. 8: Der
Dichter setzt seine ganze Hoffnung auf die
Zuneigung seiner Auserkorenen, er lobt sie und bittet dazu die Minne um
Beistand (vgl. Lied I).
Str. 9: Reinmar
ist aufgrund großer Sehnsucht zerrissen.
Sein Herz ist zwar stets bei seiner Geliebten, sein Leib jedoch
andernorts,
daher fühlt er sich im Zustand des Unvollständigseins.
Str. 10-12: Ein
Dialog zwischen Liebe und Schönheit wird
entfaltet. Beide streiten um ihre Vorzüge. Das Fazit in der
dritten Strophe
ist, daß es am besten wäre, wenn beide sich
gleichermaßen bei einer Frau
einfänden. Das würde einerseits das Auge erfreuen und
andererseits das Herz
erquicken.
Str. 13: Eine
Klagestrophe über den Tod des Sängers von
St. Gallen (wahrscheinlich Ulrich von Singenberg) und
zehn weiteren Minnesängern: Reinmar der Alte,
Walther von der Vogelweide, Rudolf von Fenis-Neuenburg, Heinrich Rugge,
Albrecht
von Johannsdorf, Friedrich von Hausen, Walther von Mezze, Rubin,
Wachsmut von
Künzingen und Ulrich von Gutenburg.
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waz hoher tugende und reiner eren an den frouwen laege! Es kom ein wib almitten in mins herzen grunt. do rieten mir die sinne min daz ich ir schone pflaege, Daz mich dekeiner slahte not von ir troste und von ir gnaden niemer kunde scheiden. ez wendet nieman dan der tot; ir minneclichen lip den kan mir nieman wol erleiden: Si ist mir liep und liebet mir für elliu wip, sie ist mir iemer lieber dan min selbes lip, sie ist lieb ane zahl, daz spriche ich offenbar, sie ist min liehtiu rose rot und ouch min spilnder summe klar. Die ich uz al der werlt zu frouwen habe erkorn
Wa sint nu alle die von minnen sungen e?
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Was hohe Tugend, reine Ehre edlen Frauen geben. So kam ein Weib tatsächlich meinem Herzen nah. Da rieten mir die Sinne, gleich in ihren Dienst zu streben. Damit mich keine böse Not Von dem Trost durch ihre Gnade jemals könnte scheiden, Uns beide trennt doch nur der Tod, Meine reine Herrin wird mir niemand je verleiden. Sie ist mir lieb, ich lieb’ sie mehr als jedes Weib, Sie ist mir noch viel lieber als mein eig'ner Leib. Sie ist unendlich lieb, das ist einfach nur wahr. Sie ist für mich die Rose rot und auch die Morgensonne klar. Die ich aus
all den
Frau'n zur Herrin hab’ erkor’n
Wo sind nur
alle, die
von Minne sangen, hin?
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Lied V
Reinmar besingt
die verschiedenen Aspekte der Minne. Sie
kann einerseits sehr beseligend sein, andererseits ebenso viel Kummer
bereiten.
Kummer wird dem Sänger leider öfters zuteil, es sei denn, die
Geliebte zeigt
sich ihm gegenüber einmal wohlwollend. (3 Strophen)