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Frauenlob Manesse-Bild

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Dr. Lothar Jahn
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Frauenlob auf CD:

Binkley
THOMAS BINKLEYS STUDIO FÜR FRÜHE MUSIK: Troubadours, Trouvères Minstrels
- Die umfangreiche Doppel-CD mit einem kompletten Überblick über die Entwicklung des Minnesangs enthält auch ein Beispiel von Frauenlob - das Minnelied "Ez waent ein narren wise" ist eine Frauenpreisung der edelsten Art, passenderweise im markanten Bass vorgetragen

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Frauenlob Sequentia
SEQUENTIA: Frauenlob - Heinrich von Meißen
- Der Marienleich von Frauenlob ist eine hochkomplizierte Dichtung, in dem der Meister seine Kunstfertigkeit, seine theologischen und naturwissenschaftlichen Kenntnisse voll ausspielt. Die Einspielung lässt Frauenlob eher als Mystiker denn als Minnesänger lebendig werden,  Sequentia stellt ihn in die Tradition  der von der Gruppe besonders gehuldigten Hildegard von Bingen, kontrastiert den höfischen Sologesang zum Harfenklang immer wieder durch Mönchs- später auch Nonnenchöre.  Eine fast überirdisch schöne sakrale Musik, in ihrer kunstvollen Umsetzung der Vorlage durchaus ebenbürtig. (lj)
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Taugenhort
PER-SONAT: Der Taugenhort, Mystical Reflections in the Middle Ages
- Der "Taugenhort" ist ein Leich nach Art von Frauenlobs berühmtem Marienleich. Er wird in der Kolmarer Liederhandschrift Frauenlob zugeschrieben. Im Mittelpunkt steht die zentrale Rolle von Maria, die Jesus zum Menschen und zum Erlöser macht. Deie Melodien wandern durch alle acht Kirchentonarten und verbinden die geistliche Sphäre mit der Klangsprache des Minnesangs. Norbert Rodenkirchen (Harfe, Flöte) und Sabine Lutzenberger (Gesang) widmen sich dieser wunderbaren Dichtung und Musik mit Hingabe und der gebotenen spirituellen Zurückhaltung.  Traumhaft schöne Flötenklänge, beseelter Sang! (lj)
> Zum Anhören: der Schluss des "Taugenhortes" bei Youtube.
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FRAUENLOB (HEINRICH VON MEISSEN)
von Dr. Lothar Jahn

Sein Sendungsbewusstsein war ohne Gleichen: Er hielt sich nicht nur für den besten Sänger seiner Zeit, er hielt seine Kunst auch für hochwertiger als die der "großen Drei" aus der Glanzzeit des Minnesangs Walther, Wolfram und Reinmar, die er namentlich aufführte. Mehr noch: Auch nach ihm könne keiner mehr kommen, der ihn übertrifft.  Also, Liebhaber von Mozart, Beehoven, Schubert: Beschäftigt Euch mit Frauenlob, denn er wies schon zu Lebzeiten darauf hin, dass keiner je so perfekt die Töne setzen wird wie er! Freunde von Bob Dylan, John Lennon, Reinhard Mey: Vergesst Eure Helden, denn nur einer schrieb die Lieder direkt aus des Herzens Grund! Die Rede ist von Heinrich von Meißen, besser bekannt als „Frauenlob“, Meister des „geblümten Stils“ voller Bilder, unerwarteter Wendungen, raffinierter Gedanken.

Tatsächlich schienen viele Zeitgenossen die Selbsteinschätzung von „Meister Heinrich Vrouwenlob“ (so tituliert ihn die Manesse-Handschrift, der Zusatz ist ganz ungewöhnlich) zu teilen.  Seine Text-, vor allem aber seine Melodienüberlieferung ist so breit wie bei kaum einem anderen Sänger. Er wurde von Mäzenen wie Rudolf von Habsburg, Wenzel von Böhmen und Heinrich von Kärnten, Giselbert von Bremen und sogar dem dänischen Königshaus unterstützt. Bei seiner Beerdigung sollen die Damen in Massen geweint haben, wie heute bei einem Popstar. Und auch die Meistersänger schätzten den sprachgewandten Schöpfer von einem guten Dutzend Minneliedern, mehreren Hundert Sangsprüchen und einigen imposanten Leich-Dichtungen als einen ihrer großen Meister.  Hier Frauenlobs kluger Rat an alle Minne-Diener:

Swer minnen schilt wil füeren,
wavon sin ar den twalm empfa,
der jage ir na und prüeve,
daz sin eigen schilt si da und keiner me.
Kein sich darf er niht rüeren;
er warte daz sin schildes boum
kein wandels soum iht habe gedacht
davon ein valscher troum vil lihte entste,
So daz sins herzen bilde  spil wider gegen ir schilde
sin schilt sie ouch niht wilde:   so wirt die liebe milde
er flih den spranz, so liebet sich diu liebe
ir beider kraft und blibet ganz.

Wer den Wappenschild der Minne führen will,
Um den holdesten Duft zu spüren,
Der jage ihr nach u
nd prüfe,
dass da nur sein eigener Schild sei und keiner sonst.

Er darf niemals mit der Lanze stoßen,
Doch achte er auf die Reinheit seines Schildes,
Damit kein falsches Bild entsteht.
So dass sein Herz im Schild sich spiegelt,
Damit die Liebe wachsen kann.
Er meide die gespreizten Gesten.
So blüht die Liebe sanft und wird zu beider Kraft
Und bleibt in beiden ungeteilt.

Frauenlob und RegenbogenDoch wo der Erfolg ist, sind die Neider nicht fern. Ein solch selbstbewusster und streitlustiger Mann musste auch Streit provozieren. Am berühmtesten ist die Auseinandersetzung mit dem Sänger Regenbogen, zwischen beiden gab es einen Streit in Liedern, ähnlich wie man ihn bei Walther und Reinmar kennt. Berühmt ist der "Wip/frouwe"-Streit: Welche Bezeichnung kommt der Frau am ehesten zu? Die Manesse-Handschrift zeigt Frauenlob und Regenbogen auf einer Miniatur im Disput, wahrscheinlich wurde nach dem Tod der beiden das reizvolle Sängerkriegsthema noch weiter zugespitzt. Auch Rumelant und einige nicht mehr eindeutig zu identifizierende Sänger schrieben Gegenstrophen zu Frauenlob. 

Passend zum gigantischen Selbstbild widmete er sich mit Hingabe dem Leich, dieser komplexen und deshalb nur selten benutzten Großform des Minnesangs. Von Frauenlob sind gleich drei, sehr kunstvoll ausgeführte Leich-Dichtungen überliefert: der Minneliech, der Kreuzleich und der  Marienleich (auch Frauenleich genannt). Hinzu kommt der ebenfalls der Heiligen Jungfrau gewidmete "Taugenhort" in der Kolmarer Handschrift,  dessen Zusprechung an Frauenlob angezweifelt, der gleichwohl aber von seinem geblümten Stil geprägt ist. Frauenlobs stets gewählte Sprache und kunstreiche Dichtung ist manchmal vielleicht schon ein wenig gewollt originell. In einer Zeit, in der die Stilmittel des Hohen Sanges schon fast ausgereizt schienen, versuchte er aber, die Stereotypen zu meiden und die Formsprache des Genres zu erweitern.  Dabei nahm er auch Elemente der Mystik auf, wie wir sie etwa bei der vom Minnesang beeinflussten Mechthild von Magdeburg finden.

Wer kan  werden man  füeren ûf der erden plân
mit gewelbet pfellelvarwes mundes kusses bieten?
Wer tret  sunder weit  aller tugent ganzez kleit?
wer kan süezen wechsel schenken, ein sich eines nieten?

Wer kann einen edlen Mann auf die Ebene des Ansehens geleiten
durch das Schenken eines Kusses
von gewölbtem pupurfarbnen Mund?

Wer trägt ohne düstre Farbe ein vollkommenes Kleid der Tugend,
wer kann gewähren, dass im süßen Tausch
eins sich am anderen erfreut?

(aus dem "Minneleich"; Übersetzung: Hans Hegner)

Frau MusicaDie Miniatur von Frauenlob in der Manesse-Handschrift zeigt ihn als eine Art Lehrmeister der Sänger und Musikanten, über denen er hoch oben wie eine Art „Sängerfürst“ thront. Marc Lewon hat darauf hingewiesen, dass diese Stilisierung bis hin zu Details wie den erhobenen Finger und den Stock einem Bild von „Frau Musica“ gleicht (Firenze, Biblioteca mediceo-laurenziana, Pluteo 29.1, fol. 1v, siehe Bild links). Mehr zu dieser interessanten Beobachtung findet sich in einer schlüssigen Gegenüberstellung der beiden Bilder in Marc Lewons Blog

Dem großen Erfolg zu seiner Zeit steht, anders als bei Walther, heute keine vergleichbare Rezeption gegenüber. Im Repertoire der Interpreten spielt er fast keine Rolle, seine Sprache erscheint uns gestelzt, die musikalischen Wendungen fremd, die Bilder und Vergleiche verstiegen. Dies liegt auch daran, dass in vielen Fällen der Kontext verloren gegangen ist und mühsam neu erschlossen werden muss.

Wenigstens besinnt sich die aktuelle Minnesänger-Szene auf den "Sängerfürsten" und lässt ihn als kritischen Kommentator gemeinsam mit dem vom Sängerkrieg auf der Wartburg bekannten Eisenacher Henker Stempfel bei diversen Minnesänger-Wettstreiten auftreten (Burg Falkenstein jährlich ab 2006, Spangenberg 2007, Klingenberg und Trifels 2008, Zeiskam 2010).  
Frauenlob
Meister Heinrich Frauenlob, Miniatur aus der Manessischen Liederhandschrift

Lebensdaten:
Der um 1250 geborenen Sänger stammt aus Meißen. Ende der Siebziger Jahre des 13. Jahrhunderts  hielt er sich in Böhmen auf, 1299 ist er in Kärnten urkundlich bezeugt. Er pries den Fürsten Wizlaw III. von Rügen, der seit 1304 das Fürstentum Rügen regierte. Dem Rostocker Ritterfest 1311 widmete er  einen Sangspruch-Zyklus. Seinen Lebensabend verbrachte er in Mainz im Dienste des Erzbischofes Peter von Aspelt. Er starb 1318 und wurde im Kreuzgang des Mainzer Domes beigesetzt.

Überliefertes Notenmaterial:
Von Frauenlob finden sich Noten in der Jenaer und der Kolmarer Liederhandschrift sowie in der Weimarer Papierhandschrift. Seine Texte sind breit überliefert und finden sich in fast allen relevanten Minne- und Meistersängerhandschriften.

LIEDBEISPIEL VON FRAUENLOB

Waz ie gesanc Reinmar und der von Eschenbach,
waz ie gesprach
der von der Vogelweide –
mit vergoltem kleide
ich Vrowenlop verguld ir sanc, als ich iuch bescheide:
sie han gesungen von dem feim, den grunt han si verlazen.
Uz kezzels grunde gat min kunst, so giht min munt.
Ich tuon iu kunt
mit worten und mit doenen
ane sunderhoenen:
noch solte man mins sanges schrin gar rilichen kroenen.
si han gevarn den smalen stic bi künstenrichen strazen.
Wer ie gesanc und singet noch
– bi grüenem holz ein fulez bloch –,
so bin ichz doch
ir meister noch.
Der sinne trag ich ouch ein joch,
dar zuo bin ich der künste ein koch.
Min wort, min doene traten nie uz rehter sinne sazen. 
Was jemals sang Reinmar 
und der von Eschenbach,
Was jemals sprach
Der von der Vogelweide, 
Mit dem goldnen Kleide,
Ich, Frauenlob, ich schrieb und sang 
besser stets vom Leide:
Sie sangen nur vom Augenschein, 
wobei sie stets vergaßen
Des Herzens Grund, 
  den meine Kunst mir lenkt zum Mund.
Ich tu's Euch kund
Mit Worten und mit Tönen,
Wahren, edlen, schönen, 
Für meines Sanges Pracht, 
da müsste man mich wohl krönen!
Die ander'n sind gegangen 
auf den schmalen, geraden Straßen!
Wer jemals sang und weiter singt,
Wer zu den höchsten Höhen dringt, 
Was er auch bringt,
Nein, ihm gelingt,
Kein einz'ges Lied, das besser klingt,
Und einem klüg'ren Kopf entspringt!
Mein Wort, mein Ton - 
 das ist die Kunst in ihren reinsten Maßen!

Original: Frauenlob,
Manessische Liederhandschrift
Nachdichtung: Lothar Jahn 2006


Frauenlob Peter Will
Peter Will als gestrenger Criticus "Meister Frauenlob" beim Falkensteiner Minneturnier 2012 (Foto: Archiv Minnesang.com)

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