Friedrich von Hausen
lebte in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Erstmals taucht
er zusammen mit seinem Vater Walther in einer Urkunde des Erzbischofs
Christian von Mainz aus dem Jahre 1171. Man schließt aus dieser
Urkunde auf eine Geburt um 1150. Nach Interpretation der historischen
Quellen und der Sprache seiner Lieder geht die Wissenschaft davon aus,
dass er im Rheinpfälzischen beheimatet war. Spätestens ab
1185 befand er sich im Gefolge des Deutschen Kaisers Heinrich VI, Sohn
des großen Barbarossa.
Friedrich von Hausen gilt als einer der ersten Minnesänger, der
sich bewusst in die Tradition des provenzalischen Troubadourgesangs
stellte. Hatte die erste Generation des Deutschen Minnesangs, die wie
der Kürenberger mit seinem Falkenlied rund um die Donau beheimatet
war, noch ihre Themen und Formen aus der Überlieferung Deutscher
Sagen und Mythen geschöpft, so geht nun der Blick zum
künstlerisch in vieler Hinsich weiter entwickelten Nachbarn im
Westen. Hier hat sich eine ganz spezielle Form des Liebesliedes
herausgebildet: Der Troubadour schildert zu unendlich traurigen
Melodien das Schicksal des einer Herrin treu ergebenen Ritters, der
sein Leben ganz in ihren Dienst stellt, ohne dass er Hoffnung haben
kann, dass sie ihn je erhört.
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diu ir die besten al gemeine sprechent, daz ich niene kan gedenken wan an si alterseine. ander mîn angest, der ist kleine, wan der den ich von ir hân. got weiz wol, daz ich nie gewan in al der werlte sô liebe enkeine, des sol si mich geniezen lân. Swes got an güete und an getât noch ie dekeiner frouwen gunde, des gihe ich ime, daz er daz hât an ir geworht als er wol kunde. was danne, und arnez under stunde, mîn herze es dicke hôhe stât. noch möhte es alles werden rât, wolden si die grôzen wunde erbarmen, die si an mir begât. Swaz got an frouwen lât ertagen, des enkan mir an ir nieman gemêren, wan als ich ir muoz mîn angest sagen, daz kan si leider wol verkêren. ein herte herze kan siz lêren, daz alsô lîhte mac vertragen sô grôzez wüefen unde klagen, daz ich lîde umb ir hulde mit sêren, daz ich niemer mac getragen. |
Sie preisen stets die Edle, Reine. Dichter sangen sie nur an, Auch ich lebe nur für sie alleine! Doch ist von allen Ängsten keine Wie die, die mit ihr begann. Gott weiß es selber, dass kein Mann Auf dieser Welt fand jemals eine Liebe, die reichte an ihre heran! Was Gott an Schönheit und Edelmut Noch keiner and'ren Frau gegeben, Das strahlt in ihr nun rein und gut, Das spür auch ich. So ist es eben! Drum kann mein Herz zu ihr nur streben, Auch wenn's dafür längst Buße tut. Ach, machte sie nur alles gut Und gäb' mir ein neues Leben, Das kühlte meiner Wunden Glut! Was Gott uns schenkt an hellen Tagen, Das hab ich stets in ihr gesehen. Doch muss ich auch mein Leid ihr klagen, Sie soll die ganze Qual verstehen! Ein hartes Herz nur wird bestehen Und kann sie lehren, es zu wagen, Die Schmerzen, die so an mir nagen, Nicht mehr so stolz zu übergehen Sonst werd' ich's bald nicht mehr ertragen! |
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"Diu süezen wort" ist so ein typisches Minnelied in Tradition des Troubadourgesanges. Hier wird die Herrin gepriesen, über die alle Welt nur süße Worte zu sagen hat. Alles, was Gott an Güte, Größe und Gestalt einer Frau zu geben vermag, ist in ihr vereint. Doch gerade, weil das so ist, sind die Wunden, die sie im Herz des Sängers schlägt, umso größer. Er hofft auf ein Zeichen ihrer Zuneigung - doch sie, die doch alles noch zum Guten wenden könnte, bleibt trotz ihrer Schönheit und Einzigartigkeit hart.
Dies ist die typische Ausgangssituation im
klassischen Minnelied. Vorgetragen wird dies in einer kunstvollen Form
mit raffiniertem Strophenbau: Pro Strophe gibt es hier nur zwei
Endreime, hinzu kommt die Verwendung einer speziellen Liedform, die die
Troubadoure entwickelten: der Kanzone. Sie verwendet zwei
gleichgebauten Strophenteile am Anfang, die sogenannten Stollen, auf
die ein einteiliger Schluss folgt, dem sogenannten Abgesang.
Hausen übernimmt als einer der ersten Deutschen Sänger diese
speziellen Themen und Formen: Der unerwiderte Dienst, die Appelle zum
Maßhalten, die Spiritualisierung der Herrin, die Kanzone -
all diese Merkmale des Troubadourgesangs tauchen hier nun auch mit
Deutschen Texten auf. Damit begründet er eine Tradition, der
bald Meister wie Heinrich von Veldeke, Rudolf von Fenis, Albrecht von
Johannsdorf, Hartmann von Aue und Reinmar von Hagenau gerne folgen. Man
spricht dabei sogar von einer "Hausen-Schule". Erst Walther von der
Vogelweide beginnt Anfang des 13. Jahrhunderts, diese die Deutsche Lyrik
des Hochmittelalters entscheidend prägende Kunstform zu
hinterfragen, wodurch er dem Minnesang eine neue Richtung lenkt.
Hier ein weiteres Beispiel: Wir erleben den Ritter, der jahrelang
seiner Herrin gedient hat und von ihr nur abgewiesen wurde. Das trieb
ihn schließlich fort von ihrem Hof. Nun irrt er durch die Welt
und kann doch ihr Bild nicht vergessen. Die Hoffnung, dass sie am Ende
doch zu einander finden, bleibt ungebrochen.
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ob ich ir nâher waere, waz ich ir wolte sagen. daz kürzet mir die mîlen, swenn ich ir mîne swaere sô mit gedanken klage. mich sehent mange tage die liute in der gebaerde, als ich niht sorgen habe, wan ich si alsô vertrage. Hete ich sô hôher minne nie mich underwunden, mîn möhte werden rât. ich tet ez âne sinne; des lîde ich ze allen stunden nôt, diu mir nâhe gât. Mîn staete mir nu hât daz herze alsô gebunden, daz si ez niht schéiden lât von ir, als ez nu stât. Ez ist ein grôze wunder: die ich allre sêrste minne, diu was mir ie gevê. nu müeze solhen kumber niemer man bevinden, der alsô nâhe gê. Erkennen wânde ich in ê, nu hân ich in baz bevunden: mir was dâ heime wê, und hie wol drîstunt mê. Swie klein ez mich vervâhe, sô vröwe ich mich doch sêre, daz mir sîn nieman kan erwern, ich gedenke ir nâhe, swar ich landes kêre. den trôst sol sî mir lân. wil sîz für guot enpfân, des vröwe ich mich iémer mêre, wan ich vür alle man ir ie was undertân. |
"Wenn ich ihr näher wäre, Würd ich mein Leid ihr klagen." Das hilft mir manche Meile, Denn meines Herzens Schwere Lässt sich so besser tragen. Dann scheint's an manchen Tagen, Als ob ich fröhlich wäre, Doch, Leute, lasst euch sagen: Nur so kann ich's ertragen! Hätt ich mich hoher Minne Doch niemals hingegeben! Nichts ist noch wie vorher. Verwirrrt sind alle Sinne, Voll Leid ist all mein Leben, Ich diente nie so sehr Voll Treue und Begehr. Mein Herz hab ich gegeben, Nun ist's wie Stein, so schwer Und mir hilft keiner mehr! Es ist doch nicht zu fassen: Ich wollte sie nur lieben, Doch sie war mir stets feind! Ich kann von ihr nicht lassen, Das hat mich fortgetrieben, Sie hat wohl kaum geweint. Sie ist nicht, wie ihr meint! Doch ich kann sie nicht hassen, Denn meine Sonne scheint Erst dann, sind wir vereint. Im Traum seh ich sie wieder, Und zoll' ihr höchste Ehre, Wie's gar kein and'rer kann. Ich sing ihr meine Lieder, Als ob sie gut mir wäre. Und sie schaut froh mich an. Ach, ob ich irgendwann Zurück zur Liebsten kehre? Denn mehr als jeder Mann Bin ich ihr Untertan. |
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Friedrich von Hausen ist begeistert von den
Gedanken und der Musik der Troubadoure. Wie viele Zeitgenossen sieht er
im Bild des aufopfernden Dienstes für die Herrin ein Sinnbild
für das Rittertum schlechthin: Gehorsam, Unterordnung, beseelte
und bewusste Hingabe an ein größeres Ganzes, die Abwendung
von der schnellen Bedürfnisbefriedigung - all das hat eine
spirituelle Kraft, gibt dem Leben Richtung und Sinn, auch wenn es von
Leid durchdrungen ist.
Wie bei allen frühen Deutschen Minnesängern ist kein
spezifisches Notenmaterial überliefert. Auch hier waren die
Franzosen den Deutschen voraus. In vielen Handschriften sind die
herrlichen Melodien der Troubadoure und Trouvères überliefert. Wenn man Hausen
zum Klingen bringen möchte, kann man also nur auf diesen Schatz
zurückgreifen. Da der Dichter und Komponist sich an diesen
Klängen und Versen geschult hat, da er Strophenbau und Themen
übernahm und fortspann, ist dieses als "Kontrafaktur" bezeichnete
Verfahren hier auch ausreichend historisch legitimiert.
So lässt sich das eben erwähnte Lied
Hausens zur Melodie von Guiot de Provins' "Ma joie premeraine" singen,
das nun folgende Lied über einen wortlosen Abschied von der Herrin
passt zum Ton von Raimon de Miravals "Bel m'es qu'ieu chant". Das
Lied verbindet übrigens die Kanzonenform mit einem Einfluss aus dem
Donauländischen Minnesang: Wir haben hier eine Art Doppelmonolog - in
der ersten Strophe schildert der Ritter seine Sicht der Dinge:
Intriganten haben ihm den Platz an der Seite seiner Herrin streitig
gemacht, er bekam keine Gelegenheit, ihr seine Zuneigung zu bekunden.
In der zweiten Strophe bekundet sie jedoch die unverbrüchliche Treue zu
diesem ihr ergebenen Mann, egal, was die anderen auch sagen - ganz
ähnliche Verse schrieb der Burggraf von Regensburg schon Mitte des 12.
Jahrhunderts.
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und ich ir niht ensprach, als mir waere liep, des lîde ich ungemach. Daz liez ich durch die diet, von der mir nie geschach deheiner slahte liep. wan der die helle brach, der vüege in ungemach. 'Sie waenent hüeten mîn, diu sî doch niht bestât, und tuon ir nîden schîn; daz wênic sî vervât. Si möhten êden Rîn bekêren in den Pfât, ê ich mich iemer sîn getrôste, swie ez ergât der mir gedienet hât.' |
Schlich ich wortlos von ihr fort, Was ich fühlte, das verriet Ihr kein Blick und kein Wort. Dass uns solch ein Leid geschieht, Liegt nur an den Lügnern dort, Die es stets zum Hofe zieht. Hol der Teufel sie sofort An den schlimmsten Höllenort! "Ach, sie woll'n Beschützer sein, Keiner hat sie je gefragt! Und der Neid macht sie gemein, Hört, wie bös' die Schar nun klagt!. Eher lenken sie den Rhein In den Po ganz unverzagt, Als dass sie mir nehmen mein Licht, das stolz zum Himmel ragt: Ihn, der für mich alles wagt!" |
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Zum Abschluss muss natürlich nach das
bekannteste Werk Friedcrich von Hausens erwähnt werden: ein Lied,
das den Kampf zwischen Herz und Leib darstellt. Das Herz ist ganz in
der Tradition des Hohen Sangs der Herrin verfallen, der Leib
drängt mit Kaiser und Papst gen Palästina, er will sich in
der Schlacht bewähren. Mit diesem Lied, das schnell populär
wurde, weil es der Gefühlswelt vieler Kreuzfahrer entsprach,
stellte er zwei Formen des dienenden, sinnerfüllten Lebens als
miteinander unvereinbar dar: Herz und Leib bleiben getrennt, sie
können nicht wieder zueinander finden. Anders als Zeitgrenossen
wie Hartmann von Aue, der die Frauen ermahnte in Keuschheit auf die
Rückkehr ihres Kreuzritters zu warten, oder Albrecht von
Johannsdorf, der im Heldentod für die Befreiung Jerusalems die
wahre Erfüllung der Liebe sah, löst von Hausen den
Widerspruch nicht auf: Der Ritter zieht in den Krieg, mit dem Schwert
in der Hand, aber ohne Herz.
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diu mit ein ander wâren nu manige zît. der lîp wil gerne vehten an die heiden, sô hât iedoch daz herze erwelt ein wîp vor al der welt, daz müet mich iemer sît, daz siu ein ander niht volgent beide. mir habent diu ougen vil getân ze leide. got eine müese scheiden noch den strît! Ich wânde ledic sîn
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die wollen scheiden, Die doch zusammen war'n so lange, lange Zeit. Mein Leib will kämpfen mit den Heiden, Aber mein Herz ist nicht dazu bereit. Denn eine Frau hält es fest. Das stürzt mich ins Leid. Seither bekämpfen sich diese beiden. Mir bleibt doch nichts als tapfer zu leiden. Gott ganz alleine entscheide den Streit. Ich glaubte, dass ich frei
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Es ist von besonderer Tragik und hat den Ruhm dieses Liedes noch verstärkt, dass der Dichter selber bei einem Kreuzzug,, zu dem er mit Kaiser Heinrich VI 1189 aufbrach, ums Leben kam. Auch, als der Minnesang eine neue Richtung nahm, als die Denkfiguren der "Hausen-Schule" hinterfragt und ironisiert wurden, blieb der Dichter als einer der großen alten Meister geachtet und verehrt: Noch Reinmar von Brennenberg preist ihn Mitte des 13. Jahrhunderts in seiner berühmten Totenklage für die verstorbenen Minnesänger als leuchtendes Vorbild. Durch die Verbindung Deutscher Dichtkunst mit dem wunderbaren Sang der Troubadoure wurde er zum Schöpfer einer einzigartige Kunstform, die aus dem Mittelalter mit tiefsinnigen Gedanken und großen Gefühlen zu uns herüberstrahlt. |
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