Der Minnesang ist weitgehend nur als Leselyrik
überliefert durch die großen Sammelhandschriften überliefert,
wie z. B. in der Großen Heidelberger Liederhandschrift, dem Codex
Manesse, zusammengestellt in Zürich in der ersten Hälfte des
14. Jahrhunderts. An biographischen Daten ist von den meisten Minnesängern
kaum etwas bekannt. Zahlreiche Autoren sind weder urkundlich noch regional
einzuordnen und die Handschriften bieten keine zusätzlichen Informationen
zu den jeweiligen Personen.
Dieses Schicksal teilt der Sänger "Von Obernburg" mit vielen seinen Dichterkollegen. Sein schmales Werk, das insgesamt 20 Strophen auf sieben Liedern verteilt umfasst, ist nur in der oben erwähnten Prachthandschrift überliefert. Wie bei vielen anderen Autoren verzichtet der Schreiber der Handschrift auch bei ihm auf die Nennung eines Vornamens und auf das Höflichkeitsattribut „her“. Ebenso fehlt ein mögliches Wappen in der Miniaturzeichnung.
Woher der Minnesänger stammte, ist ungewiss. Über seine Herkunft gibt es nur Vermutungen. Einige Forscher meinen ihn in den Kreis steirischer Minnesänger nach dem Ort Ober(n)burg in den südlichen Sanntaler Alpen, im heutigen Slowenien gelegen, einordnen zu können. Eine andere Theorie möchte ihn in Obernberg am Inn (Oberösterreich) zwischen Salzburg und Passau beheimatet wissen. Die Stadt Obernburg am bayerischen Untermain, südlich von Aschaffenburg, wäre ebenfalls denkbar. Allerdings wird unser Minnesänger nicht nach den im Mittelalter gebräuchlichen Namen des Ortes „Oboronburc“ oder später dann „Obrinburg“ benannt.
Eine weitere Möglichkeit ist, ihn in die Reihe der Schweizer Minnesänger einzuordnen und ihn mit dem Ort Oberburg im Kanton Bern in Verbindung zu bringen. Walter Leuenberger, ein Heimatforscher dieser Region, nimmt an, daß der Minnesänger Von Obernburg ein kiburgischer Ministeriale (z.B. Johann von Obernburg, genannt Weinmann, um 1240) war. Das Fehlen des Wappens und ebenso die demütig kniende Haltung in der Miniatur gegenüber einer adligen Dame deutet darauf hin, dass der Minnesänger nicht dem Ritterstande zugehörig ist, sondern offenbar ein Dienstmann (ministerialis) war, ein Verwaltungsbeamter und so dem niederen Dienstadel zuzurechnen ist.
Sprachliche Versuche, ihn aufgrund sprachlicher, d.h. dialektaler Merkmale, ihn regional einzuordnen, sind nicht stichhaltig, denn seine Sprache ist rein, ohne mundartliche oder regionaltypische Sprachspuren. Auch befinden sich in seinen Texten keine Orts- oder Personenangaben, Anspielungen auf Ereignisse, die eine zeitliche Einordnung ermöglichen würden. Formale Indizien sprechen nur dafür, daß seine Lieder nicht vor der Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden sind.
Allerdings sind seine Lieder von hoher Qualität und bezeugen sein hohes Können: „Die Verwendung des Refrains, die Freude an Wortspielen sowie vor allem die Beherrschung kunstvoller Reimtechniken weisen den Obernburg als begabten Formkünstler aus.“ (Renate Hausner)
Sämtliche Lieder des Von Obernburg sind durchweg konventionelle Minneklagen, in denen die Minnebemühungen und deren Vergeblichkeit in mehreren Varianten besungen werden. Begleitet werden diese mit Kundgaben von Gefühlszuständen. Immer wieder beklagt der Von Obernburg die Widerstände in der Liebesbeziehung und die fehlende Resonanz bei der Angebeteten.
Lied I:
Sich froeit der svessen svmerzit
Ein Klagelied mit einem Natureingang in der
ersten Strophe. Es kann so zur Gattung der Sommerlieder gezählt werden,
indem der Sommer mit einen Freuden als Stimmungshintergrund dient und dazu
in Kontrast zur Sommerfreude das Minneleid steht.
Lied II:
Vns tuot winter aber leide
Gegentypus zum Sommerlied ist das Winterlied,
das ebenfalls einen Natureingang kennt, dem hier eine Klage folgt. Das
Winterleid korrespondiert mit dem Minneleid, insofern der lebensfeindliche
Winter zur Stimmung des lyrischen Ichs in Beziehung gesetzt wird.
Lied III:
Ich wil
In dieser Minneklage ist besonders auffallend
die herbeigesehnte Missgunst der Gesellschaft und der Von Obernbvrg weist
in diesem Lied auf den Wert der staete (Beständigkeit) hin.
Lied IV:
Diu hohe froeide an wiben lit
Hervorzuheben ist in diesem Klagelied das
Motiv der gern erduldeten Missgunst der Gesellschaft.
Lied V:
Ich wil wol von wibes gvete
Das Bedeutende in diesem Klagegesang ist die
Freude des Dichters an Wortspielen, die kombiniert sind mit kunstvollen
Reimen.
Lied VI:
Ir minneklich
Dieses in kunstvoller Reimtechnik einstrophige
Lied ist ein Minnespruch, der zur Gattung der Spruchdichtung mit Minnethematik
zählt.
Lied VII: Ich bin in min herze wunt
Das schmale Werk des Von Obernbvrg schließt
mit einem einfachen und schlichten Ton, sowohl in der Form als auch im
Inhalt: Ein zweistrophiges Lied mit Refrain.
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daz tet mir ein selig wib. niemer me wird ich gesunt, mich entroeste ir reiner lib. ir vil liehten ougenschin und ir rosevarwer munt hant verwunt daz herze min. Weren alle wünsche war
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Das tat mir ein edles Weib, Niemals werd ich noch gesund, Ohne ihren reinen Leib. Ihrer hellen Augen Schein Und ihr rosenfarb'ner Mund Machten wund Das Herze mein. Würden alle Wünsche
wahr,
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