In der Illustrierten Geschichte der deutschen Literatur
wird er als "Dichter der ungestillten Sehnsucht" bezeichnet: "Der Schmerz wird
ihm für seine Motive geradezu die ergiebigste Quelle". Immer wieder begegnen
wir in seinem Liedern einem Mann, der seiner Herrin treu ergeben ist, selbst
wenn sie ihm nicht mal das kleinste Lächeln gönnt. Und wenn er auch
noch so leidet: Er preist die Schönheit edler Damen mit einer Kunstfertigkeit
und Finesse, die bis dahin unerreicht ist. "Der ungelohnte aufopferungsvolle
Liebesdienst" wird bei ihm "zu einer ästhetischen Lebensform stilisiert",
schreibt Brackert und sieht ihn als einen Dichter, der ein "erzieherisches Programm"
verfolgt, indem er sich seine ergebene Haltung als "Vorbild" für ritterliches
Handeln herausstellt.
Im Folgenden ein sehr umstrittenes Lied, in dem Reinmar wie so oft die Ergebenheit
seiner Herrin gegenüber verdeutlicht. Hier vergleicht er sie gar mit dem
"Ostertag", er setzt ihre Zuwendung also mit der Auferstehung Jesu Christi gleich.
Doch egal, wie fern diese Erlösung für ihn auch scheint erscheint:
Er dient ihr mit völliger Aufopferung - in der Hoffnung, dass sie irgendwann
doch seinen Schmerz in Freude verwandeln wird.
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zuo der liebe, die ich hân. sô ist ez niender nâhen, daz sich ende noch mîn wân. doch versúoche ich ez alle tage und gediene ir sô, daz si âne ir danc mit fröiden muoz erwenden kumber, den ich trage. Swaz in allen landen mir ze liebe mac beschehen, daz stât in ir handen. anders nieman wil ichs jehen. si ist mîn ôsterlîcher tac, und hân si in mînem herzen liep. daz weiz er wol, dem nieman niht geliegen mac. |
Will zu ihr nur gehen,
Was noch hier auf
Erden |
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Das Lied auf CD: DINGO
"Minne, traute Minne" (MP3 hier)
"Keiner leidet
so schön wie ich" - auf diese Formel bringt Helmut Brackert den Geist des
Reimarschen Gesamtwerkes. Mit seinen entsagungsvollen Liedern erntete er aber
auch Widerspruch, vor allem durch Walther von der Vogelweide. Mehr dazu
hier!