Sieben Minnesänger kämpfen um die Gunst der Burgvogtin
Wettstreit der Edelsten und Besten / Schirmherr Marktvogt Thomas

FALKENSTEIN (ref). Am 4. Juni wird Burg Falkenstein zur Minnesänger-Burg. Die Edelsten und Besten der Zunft werden sich im Kampfe messen: Wer kann das Herz der Burgvogtin rühren? Die „Burgvogtin“ zu Falkenstein (Ulrike Dillitzer) hat in Ihrer Weisheit und Güte entschieden, sieben Sänger zu ihrem ersten großen Minnesängerwettstreit am Samstag, 4. Juni, 20 Uhr, in das „Haus des Gastes“ zu laden.
 
Diese beiden Barden werden zu hören sein.

Dem Wettbewerb stellen sich Knud Seckel, Thomas M. Schallaböck, Michael Hoffkamp, Jochen Faulhammer, Frank S. Wunderlich, Hans Hegner und Marcus van Langen.
Jeder Sänger soll zwei Lieder darbieten, einen „Klassiker des Mittelalters“ im Pflichtprogramm sowie ein ausgefalleneres Werk in der Kür. So sind Werke der großen Minnesänger Walther von der Vogelweide, Neidhart von Reuenthal und Oswald von Wolkenstein zu hören, aber auch weniger bekannte Meister wie Reinmar von Brennenberg, Wizlaw von Rügen und von Obernburg kommen zum Zuge. Präsentiert wird das Ganze vom renommierten Mittelaltermagazin „Karfunkel“. Die Schirmherrschaft der Veranstaltung liegt beim Bürgermeister der Marktgemeinde, dem ehrwürdigen Marktvogt Thomas Dengler. Sponsor der Veranstaltung ist die Brauerei Thurn & Taxis.

Sänger und Spielleute
Gesungen werden darf in der Originalsprache oder in neuhochdeutschen Nachdichtungen – unbegleitet, mit eigener Instrumental-Begleitung oder durch Unterstützung der anwesenden Instrumentalisten. Neben den Sängern werden nämlich auch einige Spielleute erwartet. Die Spielleute werden darüber hinaus für musikalische Unterhaltung zwischendurch sorgen.
Das Interessante ist, dass Künstler mit sehr unterschiedlichem Interpretationsansatz gewonnen werden konnten – das Spektrum reicht vom klassischen Gesang über Folk bis in den Randbereich des zur Zeit sehr populären Mittelalterrocks, allerdings „unplugged“, denn die Veranstaltung soll unverstärkt über die Bühne gehen.
Der Minnesang ist eine der interessantesten Epochen der deutschen Literatur- und Musikgeschichte, angesiedelt zwischen dem auslaufenden 12. und dem Anfang des 15. Jahrhunderts, mit einer Blüte in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Minnesang thematisiert nicht die glückliche Zweisamkeit, sondern das Misslingen der Liebe: Ein Ritter dient mit aller Kraft einer Hohen Dame, damit sie seine Bitte um Zuwendung erhört, doch sie schenkt ihm zum Dank meist nicht einmal ein Lächeln. Verzweiflung, Seelenqual, ein bedrückendes Gefühl von Abhängigkeit und Ausgeliefertsein prägen die Lieder der Minnesänger.
Die Ursprünge des Minnesangs liegen in Frankreich, wo die Troubadours und Trouvères bereits ab Mitte des 11. Jahrhunderts diese gesungene Liebeslyrik schufen. Von ihnen übernahmen die deutschen Minnesänger Inhalte, Formen, sogar Melodien. Wie genau ein Minnelied geklungen haben mag, darüber lässt sich nur spekulieren. Einige Melodien sind in einer so genannten Mensuralnotation überliefert, allerdings ohne Rhythmisierung – und wie bei der mündlichen Überlieferung nicht anders zu erwarten, gibt es unterschiedliche Versionen. In den meisten Fällen sind aber nur die Texte überliefert worden.

Fernsehen ist auch präsent
„Wir hoffen, damit Ohr und Herz zu öffnen für die Welt des Minnesangs“, bekräftigt Dr. Lothar Jahn, der künstlerischer Leiter des Minnesänger-Wettstreits. Bei der Veranstaltung ist auch das Fernsehen präsent und wird die Darbietungen aufzeichnen. Das Ticket für Erwachsene kostet zehn Euro.
 

Mittelbayrische Zeitung, 3.6.05