Frank
Wunderlich ist Minnesänger des Jahres - Minnesänger-Wettstreit
2005 war ein großer Erfolg - Publikumspreis ging an Marcus van Langen
"Die Lieder sind
verklungen, ein jeder hat gesungen vom Lieben und vom Leiden, nun gilt
es zu entscheiden". Als der Herold auf Burg Falkenstein bei Regensburg
dies verkündete, war noch alles offen. Doch dann zog sich die Burgherrin
in ihre Kammer zurück, um die schwere Wahl zu treffen: Sieben brillante
Sänger hatten am Abend des 4.6. ihr Bestes gegeben, um die Lieder
aus der Blütezeit des Minnesangs mit neuem Leben zu erfüllen.
Wer konnte den Funken der Minne in ihrem Herzen entfachen? Schließlich
war es klar: Der Glückliche heißt "Franz von Oberburg", mit
bürgerlichem Namen Frank S. Wunderlich, aus Lützelbach in Südhessen.
Frank Wunderlich brachte zunächst
ein zartes Liebeslied mit lokalem Bezug dar: Es war eine Ballade des Minnesängers
Reinmar von Brennenberg, der im Mittelalter auf einer benachbarten Burg
beheimatet war. Nur zur Begleitung von Laute und Flöte besang er mit
viel Gefühl die Anmut der Herrin. Sein zweites Lied stammte aus der
Feder des Minnesängers von Obernburg, die sehr einprägsame Musik
dazu hatte er selbst erdacht: "Ich bin in min herze wunt" wurde von den
zahlreich erschienenen Spielleuten mit Begeisterung begleitet.
Es war ein hochkarätiger Wettbewerb,
den das Mittelaltermagazin Karfunkel hier präsentierte. Teilnehmer
aus ganz Deutschland und aus Österreich waren dabei. Jeder hätte
mit gutem Grund den Lorbeer bekommen können. So traf das Publikum,
das in einer Extraabstimmung auch entscheiden durfte, auch eine andere
Wahl als die Burgherrin: Es entschied sich für den Vollblut-Entertainer
Marcus van Langen, der zu zündenden Rhythmen mit wildem Stampfen von
der Liebe im Maien sang. Der "ewige Spielmann" aus Gaißach in der
Nähe von Bad Tölz überzeugte auch mit seiner Version des
berühmtesten Lieds aus dem Mittelalter: Walther von der Vogelweides
"Palästinalied", dass er rau und ungeschliffen fast schon in Rock-Manier
auf die Bühne brachte.
Jeder
Sänger hatte seine Qualitäten: Knud Seckel (Alsbach) eröffnete
den Reigen mit einem Frühlingslied aus den Carmina Burana, das die
edle Herrin pries. Michael Hoffkamp (Schlitz) überzeugte mit einer
ausgefeilten Version des berühmten Falkenlieds aus der Frühzeit
des Donauländischen Minnesangs. Jochen Faulhammer (Gudensberg) machte
mit beeindruckendem Bass die Qualen der unerfüllten Liebe nachvollziehbar.
Hans Hegner (Berlin) brachte mit Einfühlungsvermögen und Poesie
seine "sehnende Klage" dar. Der Österreicher Thomas Schallaböck
(Salzburg) schließlich überzeugte mit humoristisch-augenzwinkernden
Beiträgen.
Durch den Abend führte Peter
Will als gestrenger "Meistersänger Frauenlob". Für die höchst
vielseitige, aber immer stilgerechte Begleitung sorgten die Spielleute
vom Musiktheater Dingo mit ihrem historischem Instrumentarium, verstärkt
durch Peter Rauter von "Dulamans Vröudenton" und Ursel Peters vom
Duo "Fundevogel".
Die Schirmherrschaft der Veranstaltung
lag beim Bürgermeister der Gemeinde Markt Falkenstein, dem ehrwürdigen
Stadtvogt Thomas Dengler, der auch den Publikumspreis übergab. Haupt-Sponsor
der Veranstaltung war die Brauerei Thurn & Taxis. Der Zuspruch der
Veranstaltung im malerischen Burghof von Falkenstein war gut: Die Besucher
kamen nicht nur aus dem Umkreis sondern waren aus vielen Regionen Deutschlands
angereist. Die Burgvogtin Ulrike Dillitzer denkt nach dieser erfolgreichen
Premiere, deren Qualität ihre Erwartungen "weit übertroffen"
hat, schon über eine Fortsetzung im kommenden Jahr nach.
Homepage
Quelle: Dr. Lothar
Jahn
Musiktheater Dingo |