Klingsor erobert der Burgherrin Gunst
Minnesänger-Wettstreit auf Burg Falkenstein stellt
den Sängerkrieg auf der Wartburg vor 800 Jahren dar
Von Susanne Thon
Pansfelde/MZ.
Tiefe Verzweiflung, Seelenqual, ein bedrückendes Gefühl der Abhängigkeit
und hoffnungslosem Ausgeliefertsein - der gescheiterten Liebe widmen sich
die Lieder der Minnesänger.Am vergangenen Sonnabend ist die Burg Falkenstein
bei Pansfelde (Stadt Falkenstein/Harz) Schauplatz eines besonderen Spektakels
geworden: Sieben Minnesänger, fahrendes Volk, Landgraf und Henker
versetzten das Publikum ins Jahr 1206, als der Sängerkrieg auf der
Wartburg tobte. Nun, 800 Jahre später, buhlten die Meister im Wettstreit
um die Gunst der Burgherrin vom Falkenstein, Uta Schymalla, nachdem Joachim
Schymalla die Veranstaltung eröffnet hatte.
Zur Geschichte: Die Minnesänger Wolfram von Eschenbach (Frank Wunderlich), Walther von der Vogelweide (Hans Hegner), Heinrich Schreiber (Michael Hoffkamp), Reinmar (Wilfried Staufenbiel), Heinrich von Ofterdingen (Gisbert Ostermann) und Biterolf (Jochen Faulhammer) seien einst auf der Wartburg zusammengekommen. Dabei soll ein Streit entfacht sein, den es im Singen beizulegen galt. Der von seinen Rivalen zu Unrecht als Verlierer erkorene Ofterdingen sei daraufhin nach Ungarn gezogen, um den Meister Klingsor zu holen, der einzig den Zwist zu schlichten vermochte und den Hilfe suchenden so vor dem Tod bewahren konnte.
Das vom Mittelaltermagazin „Karfunkel“ und der Internetplattform www.minnesang.com präsentierte Minne-Turnier fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. „Ich beobachte die Szene und engagiere dann geeignete Sänger“, berichtete Dr. Lothar Jahn. „Das Niveau ist vergleichbar mit dem Vorjahr. Ich bin schon gespannt, wer den Wettstreit für sich entscheidet“, so der Leiter in der Pause.
Während die Künstler in der ersten Runde in ihre jeweilige Rolle schlüpften, lag es im zweiten Durchgang an ihnen, eine unentdeckte Perle aus alten Handschriften ans Licht zu holen. So fügten sie sich voller Demut ins Leid, trugen ihre Stücke mit Herzblut und einer trefflichen Portion Zorn vor und zeigten sich inbrünstig, sicher und geschickt. Der Henker lauerte schließlich und sah im einen oder anderen für ihn „aussichtsreiche Kandidaten“.
"Genauso muss ein Minnesänger klingen, dass einem die Tränen in die Augen schießen“, zollte der Landgraf Michael Hoffkamp Respekt. Auch das Publikum schien von seiner Darbietung überzeugt. Sicherte sich der tugendhafte Schreiber nach Auszählung der Stimmen doch den Publikumspreis. In der Gunst der Burgherrin landete allerdings ein anderer Minne ganz vorn: Jochen Faulhammer als Klingsor, dem damit der Hauptpreis gebührte.
"Erst habe ich Mittelaltermusik gemacht, später habe ich ein Jahr
im Kloster gelebt, wo ich auf diese Musik traf - und da bin ich hängen
geblieben“, so Vorjahressieger Frank Wunderlich darüber, wie er zum
Minnegesang kam. Wer denkt, ein Minne widme sich ausschließlich diesen
Klängen, liegt falsch: „Von Abba bis ,Zabba’ lasse ich nichts aus“,
meint er. „Die Burg ist wunderschön gelegen“, deutete er aus dem Fenster
hinaus ins Selketal. „Fast wie zu Hause“, so Wunderlich, der in der Nähe
von Aschaffenburg zwischen Spessart und Odenwald wohnt.