Lokalausgabe Aschersleben 17.7.06

Klingsor erobert der Burgherrin Gunst
Minnesänger-Wettstreit auf Burg Falkenstein stellt den Sängerkrieg auf der Wartburg vor 800 Jahren dar

Von Susanne Thon
 

Pansfelde/MZ. Tiefe Verzweiflung, Seelenqual, ein bedrückendes Gefühl der Abhängigkeit und hoffnungslosem Ausgeliefertsein - der gescheiterten Liebe widmen sich die Lieder der Minnesänger.Am vergangenen Sonnabend ist die Burg Falkenstein bei Pansfelde (Stadt Falkenstein/Harz) Schauplatz eines besonderen Spektakels geworden: Sieben Minnesänger, fahrendes Volk, Landgraf und Henker versetzten das Publikum ins Jahr 1206, als der Sängerkrieg auf der Wartburg tobte. Nun, 800 Jahre später, buhlten die Meister im Wettstreit um die Gunst der Burgherrin vom Falkenstein, Uta Schymalla, nachdem Joachim Schymalla die Veranstaltung eröffnet hatte.
 

Zur Geschichte: Die Minnesänger Wolfram von Eschenbach (Frank Wunderlich), Walther von der Vogelweide (Hans Hegner), Heinrich Schreiber (Michael Hoffkamp), Reinmar (Wilfried Staufenbiel), Heinrich von Ofterdingen (Gisbert Ostermann) und Biterolf (Jochen Faulhammer) seien einst auf der Wartburg zusammengekommen. Dabei soll ein Streit entfacht sein, den es im Singen beizulegen galt. Der von seinen Rivalen zu Unrecht als Verlierer erkorene Ofterdingen sei daraufhin nach Ungarn gezogen, um den Meister Klingsor zu holen, der einzig den Zwist zu schlichten vermochte und den Hilfe suchenden so vor dem Tod bewahren konnte.

Das vom Mittelaltermagazin „Karfunkel“ und der Internetplattform www.minnesang.com präsentierte Minne-Turnier fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. „Ich beobachte die Szene und engagiere dann geeignete Sänger“, berichtete Dr. Lothar Jahn. „Das Niveau ist vergleichbar mit dem Vorjahr. Ich bin schon gespannt, wer den Wettstreit für sich entscheidet“, so der Leiter in der Pause.

Während die Künstler in der ersten Runde in ihre jeweilige Rolle schlüpften, lag es im zweiten Durchgang an ihnen, eine unentdeckte Perle aus alten Handschriften ans Licht zu holen. So fügten sie sich voller Demut ins Leid, trugen ihre Stücke mit Herzblut und einer trefflichen Portion Zorn vor und zeigten sich inbrünstig, sicher und geschickt. Der Henker lauerte schließlich und sah im einen oder anderen für ihn „aussichtsreiche Kandidaten“.

"Genauso muss ein Minnesänger klingen, dass einem die Tränen in die Augen schießen“, zollte der Landgraf Michael Hoffkamp Respekt. Auch das Publikum schien von seiner Darbietung überzeugt. Sicherte sich der tugendhafte Schreiber nach Auszählung der Stimmen doch den Publikumspreis. In der Gunst der Burgherrin landete allerdings ein anderer Minne ganz vorn: Jochen Faulhammer als Klingsor, dem damit der Hauptpreis gebührte.

"Erst habe ich Mittelaltermusik gemacht, später habe ich ein Jahr im Kloster gelebt, wo ich auf diese Musik traf - und da bin ich hängen geblieben“, so Vorjahressieger Frank Wunderlich darüber, wie er zum Minnegesang kam. Wer denkt, ein Minne widme sich ausschließlich diesen Klängen, liegt falsch: „Von Abba bis ,Zabba’ lasse ich nichts aus“, meint er. „Die Burg ist wunderschön gelegen“, deutete er aus dem Fenster hinaus ins Selketal. „Fast wie zu Hause“, so Wunderlich, der in der Nähe von Aschaffenburg zwischen Spessart und Odenwald wohnt.