European Trobador 2009 Davide Di Giannantonio |
Braunschweig
erinnert zum 800-jährigen Krönungsjubiläum von Kaiser
Otto IV. im Jahr
an die große Tradition des Minnesangs.
Kaiser Otto, aufgewachsen unter Troubadouren am Hofe seines Onkels Richard
Löwenherz und ein Förderer der Künste, wurde im Oktobober
durch Auftritte von Sängern und Musikanten aus ganz Europa geehrt.
Höhepunkte waren neben dem Europäischen
Minnesänger-Wettstreit die Konzerte von Karmina, Les Derniers
Trouvères und Flor Enversa. Als krönendes Finale gab es
ein Meisterkonzert mit John Potter im
Braunschweiger Dom. |
John Potter: Meisterkonzert im Dom St. Blasii |
Der
Rezitator, Sänger und Multi-Instrumentalist Karsten Wolfewicz war
jahrelang einer der Köpfe der Veranstaltung “geteiltez spîl” auf der
Wartburg, die an den legendären Sängerkrieg erinnern sollte. Mit seiner
Gruppe Anno Domini spielte er in den Neunziger Jahren ein
richtungsweisendes Album über die “Stauferzeit” ein. Mit dem
Ensemble Oni Wytars entwickelte er eine musikalisch-literarische
Hommage an Kaiser Friedrich II, die auch als CD im Verlag der
Spielleute erschien und in zahlreichen Auftritten in ganz Deutschland
gezeigt wurde. Beim Mittelalter-Festival “Montalbâne” in
Freiburg/Unstruth überzeugte er 2006 mit enem Vortrag zu Leben und Werk
Walthers von der Vogelweide, der auch im Kloster Morschen beim
nordhessischen Kultursommer am Vorabend des Minnesänger-Wettstreits
2007 gezeigt wurde.
Die
tschechische Gruppe Karmína wurde Anfang der Neunziger Jahre als Vokal- und
Instrumental-Ensemble in Prag gegründet. Die meisten Mitglieder
sind Absolventen des Prager Konservatoriums, viele davon sind auch als
Solisten und Musiklehrer aktiv und haben Preise gewonnen. Das Hauptinteresse aller Mitwirkenden liegt in der Interpretation
historischer Tschechischer Musik, vom säkularen Volkslied
über Tänze bis hin zur geistlichen Musik. Zu diesem Zweck
wurden viele Instrumente der unterschiedlichen Epochen erlernt und
stilgerecht eingesetzt. Dabei
entstanden zahlreiche CDs, es gab Tourneen durch Europa, Kanada,
die USA, Afrika und Japan. Der künstlerische Leiter ist Miroslav
Sekác (geb. 1951). Das Ensemble widmet sich seit einigen Jahren
verstärkt dem Minne- und Trobadorgesang. In Braunschweig zeigten
das "Mittelalter-Orchester" beide Seiten seines Könnens. Im ersten
Teil standen Trobador- und Minneklänge aus Frankreich, Spanien und
Deutschland im Mittelpunkt der raffinierten Arrangements, im zweiten
Teil gab es zupackende spätmittelalterliche Musik aus Tschechien.
Les
Derniers Trouvères aus Paris ziehen durch Frankreich und Europa.
Die Gruppe wird geleitet von der Sängerin Marie Milliflore, die
das Ensemble 1992 gemeinsam mit dem Lautenspieler Roland Deniaud
gründete. Zum Klang der Fidel, der Mandora, des Dudelsackes oder
der Harfe singen sie, was Barden, Trobadors, Trouvères und
Minnesänger sangen und erzählten, mit Übertragungen ins
heutige Französisch, um vom Publikum verstanden zu werden und die
direkte Verbindung von Text und Musik erfahrbar zu machen. Die
Liedtexte werden meist von Florian Lacour und Roland Deniaud, zwei
Mediaevisten, übertragen und nachgedichtet. Die Trouvères
wählen eine expressive, vitale und theatralische
Darstellungsweise, punktgenau, frech und äußerst charmant,
mit zupackenden Refrains in herrlichem Chorgesang, die schon an
Popmusik erinnern.
Die
französische Gruppe Flor Enversa (benannt nach einem Lied des
Trobadors Raimbaut d'Aurenga) möchte die feierliche und poetische
Atmosphäre an den Höfen Südfrankreichs im 12. und 13.
Jh. wiederbeleben. Sie singt von der Liebe, der Freude und dem Leid in
der alten Sprache “langue d’oc” zu tieftraurigen und
subtilen Melodien, die in Frankreich in erfreulich großer Zahl
überliefert wurden. In Trio-Besetzung bringen Domitille Vigneron
(Fidel, Gesang), Olivier
Féraud (diverse Saiteninstrumente, Gesang) und Thierry Cornillon
(Gesang, Psalter und Flöten) die einstimmig überlieferten
Lieder in improvisatorisch entwickelten Arrangements neu zum Klingen.
Ihre zurückhaltenden Interpretationen bestechen durch Hingabe und
Innigkeit. Ihr Konzert im Dom vor beeindruckender Kulisse im leichten
Nachmittagssonnenschein war ein Moment der Kontemplation, wie ein
Gruß aus längst vergang'ner Zeit. Zum Schluss begeisterten
sie mit einer tänzerischen Version des Klassikers "Kalenda Maya"
im raffinierten Arrangement.
Der
Europäische Minnesänger-Wettstreit lud ein zu einer
Zeitreise ins 13. Jahrhundert: Die Braunschweiger feiern ihren Kaiser (Reinhold Schmidt, Foto links), der nach dem langen
Streit um
die Krone endlich fest im Sattel sitzt, mit einem großen
Sängerstreit
in der Kirche St. Martini, die Ottos Vater Heinrich, der Löwe,
erbauen
ließ.
Empfangen
wurden der Kaiser und die Sänger durch Walther von der Vogelweides
Kaisergruß - zunächst durch die Sängerin Dagmar Jahn
(Foto rechts) feierlich von der Empore im strahlenden Sopran angestimmt, dann von Walther-Darsteller
Frank Wunderlich mit großem Chor fortgeführt. Kaiser
Otto nahm die
Huldigung dankbar und mit Rührung entgegen. 
Seit
1986 beschäftigt sich Knud Seckel intensiv mit Früher Musik.
Er studierte Romanistik, Kunstgeschichte und Musikwissenschaft in
Heidelberg. Er ist Mitbegründer der Formation "Wildwuchs" im Jahre
1991 und des "Ensemble Trecento" im Jahre 1994. Im gleichen Jahr
beginnt die Mitwirkung bei der Gruppe "Wünnespil", die 2001 endet.
Seit 2001 tritt er als Minnesänger und Erzähler auf und ist
seit 2002 Leiter des Ensembles "Minnesangs Frühling". 2007
(Spangenberg) und 2009 (Burg Trifels) wurde er Doppelsieger beim
Minnesänger-Wettstreit, präsentiert von Karfunkel und
www.minnesang.com, 2008 gewann er das Falkensteiner Minneturnier. Seit
2008 ist er mit einer abendfüllenden Interpretation des
Nibelungen-Liedes auf Tournee. In Braunschweig zeigte er kompetent und
sehr nachvollziehbar die Bezüge
zwischen der Musik der Trobadors und der Minnesänger auf - vom
allerersten Troubadour, Ottos Ur-Ur-Großvater Wilhelm IX. von
Aquitanien, bis hin zu Oswald von Wolkenstein.
Er wurde musikalisch begleitet von Susanne Seckel, die auf diversen
Flöten brillierte.
Die
hall-reiche Akustik kam vor allem den sakralen Stücken und den
unendlich traurigen Troubadour- und Minneliedern entgegen, die fast
weltentrückt im gedehnten Tempo vorgetragen wurden. Dabei
ließen sich auch interessante Interpretationsvergleiche machen:
Hatte Davide di Giannantonio das kirchenkritische "Licet eger" aus den
Carmina Burana frech-satirisch vorgetragen, so wurde es in Potters
verinnerlichter Version zum Appell an die Kirchenoberen, zur
klösterlichen Demut zurückzukehren. 
Der
promovierte Musikwissenschaftler Dr. Lothar Jahn wurde 1957 geboren und lebt in Hofgeimsar. Er entwickelt seit
vielen Jahren Stücke und Szenenfolgen, die historische und
zeitkritische Stoffe mit dramaturgisch passender Musik verbinden. Er
leitet seit 2005 den großen Minnesänger-Wettstreit von
Karfunkel und Minnesang.com. Lothar Jahn vermittelt und organisiert
Konzerte und Feste. Seine Liebe gilt der rein akustisch vorgetragenen Musik ohne technische Verstärkung. | Medien-Echo Presse, Rundfunk und Fernsehen waren in großer Zahl in Braunschweig vertreten, wir können hier nur eine kleine Auswahl aus den Berichten bieten: ZDF 24.10.2009 HR Fernsehen "Hessenschau" 14.10.2009 Deutschlandradio Kultur 18.10.2009 RTL 17.10.2009 WDR Tonart 22.10.2009 NDR Das! 23.10.2009 Die Zeit 18.10.2009 TAZ 15.7.2009 HNA 15.10.2009 Münstersche Zeitung 17.10.2009 BILD 19.10.2009 Braunschweiger Zeitung 17.10.2009 (Karsten Wolfewicz) Braunschweiger Zeitung 19.10.2009 (Sänger-Wettstreit) Braunschweiger Zeitung 20.10.2009 (John Potter) Land und Leute 21.10.2009 Hamburger Abendblatt 19.10.2009 Main-Echo 19.10.2009 Zürichsee-Zeitung 21.10.2009 Mittelalter-Website huscarl.at 14.10.2009 Website des Stadtmarketings Braunschweig zum Thema |