MINNE MEETS.....?

Braunschweiger Löwe
Löwe auf dem Burgplatz (Foto: Anne Marie König)
2009 jährt sich die Kaiserkrönung des Welfen Otto IV. zum 800. Mal. Dies nimmt die Stadt Braunschweig zum Anlass und feiert mit dem Kaiserjahr 2009 den einzigen Kaiser aus Braunschweig. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Erinnerung an die höfische Kunst des Minnesangs: Otto lernte die unendlich traurigen Gesänge von der unerfüllten Liebe am Hofe seines Onkels, des englischen Königs Richard Löwenherz, kennen, wo er aufwuchs.

Später berührten sich die Wege des Welfenkaisers mit denen des Parzival-Dichters und Sängers Wolfram von Eschenbach und des schon zu Lebzeiten als "Nachtigall" verehrten Walther von der Vogelweide.


 
Öffentlicher Musikwettbewerb am 17.7.2009

Am Vortag der offiziellen Eröffnungsveranstaltung zum Europäischen Minnesang-Festival fand auf dem Burgplatz in Braunschweig ein öffentlicher Wettbewerb mit dem Titel "Minne meets … ? - Braunschweigs schönstes Liebeslied" statt. Sängerinnen und Sänger aller Stilrichtungen waren aufgerufen, eine moderne Variante des Minnesangs darzubieten. Egal, ob Rockballade, Folk-Song oder Kunstlied, ob im mittelalterlichen Stil, als Blues oder Rap: wichtig war nur, das  Schmerz und Sehnsucht nach der unerreichbaren Dame zu spüren sind. Denn im Minnesang pries der Sänger die Vorzüge einer unerreichbaren Dame, der er bereit war zu dienen, ohne die Hoffnung, dass sie ihn je erhören würde. Die alten Lieder sind voll von Einsamkeit, Sehnsucht und Begierde, gerade das macht ihre Zeitlosigkeit aus. Unglücklich Liebende aller Zeiten können sich darin wiederfinden.

Es kamen Bewerbungen aus allen Teilen Deutschlands und aus Österreich. Eine Jury, bestehend aus Vertretern von "Fit in Music", der Musischen Akademie, des "Schimmel Auswahlcentrums",  von "www.minnesang.com", von "Undercover GmbH"  sowie dem Germanisten Prof. Dr. Dr. Behr und dem Minnesänger Hans Hegner, sollte im Auftrag des Braunschweiger Stadtmarketings ihre Entscheidung fällen. Nach einer hochkarätigen Präsentation von 13 Teilnehmern fiel die Entscheidung für den Hauptpreis schnell und einstimmig: Die Chansonsängerin Madeleine Sauveur rührte mit ihrem Lied vom fernen Geliebten, den sie nur durch Beobachtungen am Fenster kennt, die Herzen aller Juroren: "Ich kenn dich nicht und liebe dich" .

Madeleine Sauveur
Madeleine Sauveur (Foto: Anne Marie König)

Zusätzlich wurde ein Publikumspreis vergeben. Dieser wurde durch eine Internet-Abstimmung von Radio Okerwelle, verbunden mit einer Wahl per Stimmzettel am Auftrittsabend, ermittelt. Der Publikumspreis ging an den Mittelalter-Barden Janko vom See mit seinem Lied "Herz aus Stein". Janko vom See mischte sich am Tag drauf unter die aus ganz Deutschland angereisten Minnesänger und Gaukler.

Janko vom See
Janko vom See (Foto: Anne Marie König)

Weitere Preise gingen an Jo van Nelsen und die Gruppen "Runkel", "Fossajar" und "Jack". Minnesang com zeichnete mit einem Sonderpreis aus CDs. Noten, Texten und einer DVD zum Thema Minnesang den Altrocker Dieter "bornzero" Bornschlegel aus. Dr. Lothar Jahn übergab den Preis an den vielseitigen Musiker, der von "Guru Guru" bis "Dein Schatten" immer wieder neue musikalische Akzente gesetzt hatte. Sein Lied "Unerreichbar" schildert die Schwierigkeiten einer Trennung in einer Familie mit Kind. Bornzero überzeugte mit einer sehr emotionalen, aber auch musikalisch höchst originellen Umsetzung seines Liedes.

Dieter Bornschlegel
Bornzero (Foto: Anne Marie König)

Neben den vielseitigen Musikern und der guten Tontechnik gebührt ein besonderes Lob der brillant präparierten Moderatorin
Gerda Weinreich, die nicht nur alle Sänger inklusive ihrer Begleiter beim Namen kannte und jede Musikerbiografie genau studiert hatte, sondern nach allen Beiträgen in lockerer Talkshow-Runde noch viel Interessantes aus den Interpreten herauslockte. So wurde es bei bestem Kaiserwetter eine mehr als unterhaltsame Veranstaltung.

Gerda Weinreich
Gerda Weinreich mit Madeleine Sauveur und ihrem Begleiter Clemens Kitschen (Foto: Anne Marie König)


Wettbewerb "Minne meets..." - Alle Finalisten in Wort und Bild

Ludmillus Jack Thomas Koppe
Janko vom See
"Herz aus Stein"
Pressefoto  Text  Hörprobe
Jack
"Du bist mîn"
Pressefoto Text  Hörprobe
Thomas Koppe
"Sternenlicht"
Pressefoto Text  Hörprobe
Der Barde Janko vom See kommt aus der Mittelaltermarkt- und Bankettszene. Der Sänger aus Köln betört sein Publikum mit herzerweichenden Liebes-Balladen, wie z.B. „Herz aus Stein“, weiß aber auch mit Stimmungsliedern zu unterhalten. Sein Repertoire umfasst Eigenes, Marktmusik, Spielmannsklänge und noch so manche Überraschung!  Auf seinem Debüt-Album „Aufbruch“ kombiniert der Barde altertümliche Klänge mit moderner Liedermacher-Musik. "Jack" besteht aus Jenny Nötzel (36), Studienrätin, und Albrecht Nötzel (34), Prototypen-Koordinator, beide aus Ahnsen im Kreis Gifhorn, sowie Werner "Kai" Kieselbach (59), Journalist und Verleger aus Gifhorn. Kai las die Ausschreibung in der Zeitung, hatte die Idee zum Text und schrieb ihn auf. Die anderen beiden spielten die Musik mit Keyboard und Bass ein. Kai war vom Ergebnis begeistert und, weil er sonst nichts richtig kann, durfte er seinen Text selbst vortragen.  Thomas Koppe ist seit 2002 freiberuflich als Liedermacher tätig. Der Musiker aus Fernwald-Albach schreibt Musikprogramme für Kinder und Erwachsene und führt sie in allen Teilen der Republik auf. Begleitet von der Gitarre und der Mundharmonika erklingen in seinen Abendprogrammen stimmungsvolle Songs, in denen ein Hauch von Folklore und traditioneller Liedermacherei mitschwingt. Seine Kinderprogramme laden zum Mitsingen und zur Bewegung ein.
Madeleine Sauveur Bornzero Fossajar
Madeleine Sauveur
"Ich kenn' dich nicht und liebe dich"
Pressefoto Text  Hörprobe
Dieter "bornzero" Bornschlegel
"Unerreichbar"
Pressefoto Text  Hörprobe
Fossajar
"Küsst ein Engel dich"
Pressefoto  Text  Hörprobe
Madeleine Sauveur lebt in Mannheim, ist aber in Braunschweig aufgewachsen. Nach ihrem Germanistikstudium entschied sie sich für die Bühne. Die Kabarettistin, Autorin und Sängerin ist mit ihren Programmen bundesweit an Kleinkunstbühnen zu sehen. Mittlerweile schreibt sie ihr 11. Programm. Die Lieder vertont ihr Pianist Clemens Maria Kitschen. Die beiden sind außerdem Teil des Ensembles „Mannheimer Kulturknall“.
Der Mann mit dem ganz eigenen Kopf" (Rolling Stone) wechselt seine Stile wie andere Gitarristen ihre Saiten und sitzt zielsicher zwischen allen Stühlen" (Kulturnews) Angefangen als Pionier und Urgestein des Krautrock, bei Kultbands wie Guru Guru. Vom Jazz, Rock bis Neue Deutsche Welle lebt er in einer Art Dauer-Metamorphose. Sein Industrial Rock Projekt "Dein Schatten" ist  in den USA höchst erfolgreich. Bei ihm heißt es "Minne meets Psychedelic". Fossajar, Kurzform von "Fast Bossa in the Jar“, ist ein Braunschweiger Musikprojekt in wechselnden Besetzungen. Die Musiker um Sven Waida spielen eine frische und spontane Musik. Vom Soloprogramm bis zum Orchester ist alles möglich, beim Wettbewerb kommen sie mit kleiner Band. Relaxt und jazzig, mit Anleihen aus dem Samba, Rock, Swing, Pop, Bossamova, Soul, Jazzrock und Rumba, aber stets locker und modern!
Wolfgang Erdmann Jo van Nelsen Poesie Pirat
Wolfgang Erdmann
"Trotzdem"
Pressefoto  Text  Hörprobe
Jo van Nelsen
"Geliebtes"
Pressefoto Text  Hörprobe
Poesie-Pirat
"Verschlungene Wege"
Pressefoto Text  Hörprobe
Wolfgang Erdmann aus Loitsche in Sachsen-Anhalt ist hauptberuflich Polizist. Er schreibt allerdings bereits seit frühester Jugend Lieder, hat sich aber auch als Autor von Kinderbüchern ("Der vergessene Laden") einen Namen gemacht und arbeitet an einem historischen Roman. Er singt, ganz der traditionellen Singer-/Songwriter- und Liedermacher-Tradition verpflichtet, seinen Beitrag zur Gitarre.
Jo van Nelsen (geboren 1968 in Bad Homburg) bezeichnet sich selbst als „Kulturallrounder“. Begonnen hat er als Chansonnier und brachte bislang 16 Soloprogramme auf die Bühne. Er erhielt den Ralph-Benatzky- Chansonpreis und den Thüringer Kleinkunstpreis. Seit 2001 arbeitet er vermehrt als Regisseur, u.a. bei den Burgfestspielen Bad Vilbel, Komödie im Marquardt (Stuttgart), Frankfurter Volkstheater.  Der Poesie-Pirat Michael  Christian Hacker aus Bad Berneck vertonte Gedichte der großen alten Meister von Goethe bis Rilke. Für "Minne meets" hat er eigenen eigenen Text vertont, das Stück entstand in einer Art Freestyle-Improvisation mit den Musikern. Der Dichter und Musiker ist auch als bildender Künstler aktiv und verdient sich sein Brot mit seiner Firma "Asbesttransfer", die Gebäude von Asbest befreit.
Tutti Annette Kruhl Runkel
Tutti
"Don't know where you are"
Pressefoto Text  Hörprobe
Annette Kruhl
"Duderstadt 1990"
Pressefoto Text  Hörprobe
Runkel
"Du fehlst"
Pressefoto Text  Hörprobe
Akustikgitarre, Mundharmonika und Gesang prägen den Sound des Braunschweiger Musikers "Tutti", der seine Wurzeln in den 70ern hat. Seine musikalische Heimat liegt ganz dicht bei Bob Dylan und Neil Young. Er spielt Klassiker des Rock und Pop aus den guten alten Tagen, dazu auch einige aktuelle Hits. Allem verleiht er eine persönliche und emotionale Note. Für den Wettbewerb schrieb er natürlich einen eigenen Song. Annette Kruhl ist Kabarettistin, Songschreiberin, Sängerin, Pianistin und Autorin und aus der Berliner Kabarett– und Chanson-Szene nicht mehr wegzudenken. Sie schreibt Texte und Songs seit ihrem zwölften Lebensjahr, absolvierte ein Germanistik-Studium und eine private Schauspielausbildung und arbeitete für verschiedenste Inszenierung als Darstellerin und Songschreiberin. Sie war langjähriges Mitglied des Ensembles "Womedy".
Die aus sieben Musikern bestehende Band Runkel wurde 1997 gegründet. Mit ausschließlich eigenem Liedgut und deutschen Texten unterhalten die Magdeburger ihr Publikum. Geige, Flöten, zwei Frauensttimmen aber auch rockige Gitarren und treibende Drums bestimmen den Sound der Band. Es gab zahllose Auftritte auf Festivals, in Klubs und auf diversen anderen Veranstaltungen. Bisher hat Runkel 3 Tonträger aufgenommen und ist  auf sieben  Samplern  vertreten.
Walter von Wolkenstein
Walter von Wolkenstein
"Rost"
Pressefoto Text  Hörprobe

Der Sänger wurde in Wolkenstein geboren, im Erzgebirge, nicht in Tirol. Außerdem trägt er den Vornamen Walter. Bevor er vor 20 Jahren nach Braunschweig kam, trat er mit eigenen Kompositionen in Darmstadts Folkszene auf. Heute stellt er sich mit einem Liebeslied dem Sängerwettbewerb, ganz pur, nur Gesang und Gitarre. Als Hommage an zwei der größten Minnesänger tritt er also völlig zu Recht als Walter von Wolkenstein auf. In Braunschweig kennt man ihn sonst als rührigen Stadtplaner: Prof. Walter Ackers.

"Minne meets..." am Samstag, 18.7.2009

Als die meisten Wettbewerbsteilnehmer schon wieder abgereist waren, ging es in Braunschweig erst richtig los. Am zweiten Tag hatte das Stadtmarketing renommierte Mittelalterkünstler aus ganz Deutschland geladen.

Burgplatz
Publikum am Samstag (Foto: Anne Marie König)

Dabei wurde gezeigt, dass mittelalterliche Musik anspruchsvoll dargeboten werden kann, ohne steif zu wirken, und dass sie unterhalten kann, ohne im ewigen Einerlei von Dudelsäcken und Getrommel zu verharren. Allein die Vielfalt der gespielten Instrumente war atemberaubend. Ab 14 Uhr spielten sich die Musikanten in den Gassen und Straßen, vor Dom, Denkmälern und Geschäften warm. Um 16 Uhr stellten sich dann alle Akteure des Tages mit je einem Stück auf dem Domplatz vor: Zu hören waren Minnesänger wie Holger Schäfer und Frank Wunderlich, kleine Ensembles wie Meyenfogel, Duo Deliberatio und die Keine Sekunde, aber auch größere Gruppen wie Die Irrlichter, Triskilian, das Musiktheater Dingo und Arundo. Auch Publikumssieger Janko vom See fügte sich in den Reigen ein.
Arundo
Arundo (Foto: Anne Marie König)

Anschließend gab es diverse Konzerte auf dem Burgplatz. Um 20 Uhr verteilten sich die Musiker auf Bars und Kneipen: Jetzt war das "Wolters Tavernenfest" angesagt. Viermal machten die Solisten und Bands eine Verschnaufpause, um den Zuhörern die Möglichkeit zu geben, den Ort zu wechseln und auch noch andere Künstler zu hören. Die Konzerte im kleinen und größeren Rahmen machten allesamt viel Spaß, so dass man in guter Stimmung zurück zum Burgplatz zog, wo die Irrlichter vor dem Dom mit viel Rhythmus und unbändigem Charme für Begeisterung sorgten.

Irrlichter
Irrlichter (Foto: Anne Marie König)

Spannung baute sich auf, als aus der ganzen Stadt die Besucher des Tavernenfestes sich zum Finale einfanden, während das Duo Deliberatio mit dezenten Klängen von Harfe und Dudelsack den Boden bereitete für den kröndenden Abschluss. Um 22.45 Uhr war es dann soweit: Fast ein Dutzend Feuerkünstler von "Lux Aeterna" boten zur Begleitung von etwa 20 Musikern auf der Bühne eine halbstündige Schau der Superlative. Denn Lux-Aeterna-Leiterin Anne Devries hatte in Zusammenarbeit mit Dr. Lothar Jahn, dem Künstlerischen Leiter des Europäischen Minnesang-Festivals, ein genau aufeinander abgestimmtes Feuer- und Musikspektakel von symphonischen Ausmaßen geschaffen. Die Musik, die von Triskilian, den Irrlichtern, dem Harfenspieler Holgers Schäfer, dem Musiktheater Dingo und den Gesangssolisten Jule Bauer, Dagmar Jahn und Hans Hegner mit Begeisterung dargeboten wurde, war von Lux Aeterna raffiniert und punktgenau durchchoreografiert wurden. Ein eindrucksvoller Spannungsbogen lag über dem gesamten Programm, das Klassiker wie "Eno sagrado en Vigo", Neidharts "Guldin Huon" und Ougenweides vielstimmig gesungene "Merseburger Zaubersprüche" ebenso beinhaltete wie Walthers Kaisergruß an den in diesem Jahr in Bruanschweig gefeierten Otto IV.! Die Darbietung fand in einem fröhlichen Finale zur Musik der "Irrlichter" ihren Abschluss und wurde zurecht mit großem Applaus gefeiert. 

Lux Aeterna
Feuerschau Lux Aeterna (Foto: Archiv www.minnesang.com)

>> Mehr zum "Europäischen Minnesang-Festival" hier.
>> Programmbroschüre zum Ottojahr als PDF hier.
>> Newsletter zum Ottojahr hier.
>> Die Landesausstellung zeigt am Originalschauplatz rund um den einzigartigen Burgplatz bedeutende Exponate wie den Krönungsmantel von Otto IV. sowie sein Testament. Der Rahmen der Ausstellung reicht von den Kaisern Lothar III. sowie Otto IV. bis zu Otto, dem Kind, und der Gründung des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg. Mehr zu allen Veranstaltungen hier.