Rezension von Dr. Lothar Jahn
Frank Wunderlich, der schon mit seinem von-Obernburg-Zyklus einen
vergessenen Sänger ans Licht geholt hatte, widmet sich in diesem
Notenbüchlein Reinmar von Brennenberg, wahrscheinlich identisch mit dem
oberfälzischen Ministerialen Reinmar II., der in der Mitte des 13.
Jahrhunderts auf der Burg Brennberg in der Nähe von Regensburg lebte und
wirkte.
Vom Minnesänger Reinmar von Brennenberg ist leider nur eine
Melodie überliefert - in der um 1460 zusammengeetragenen Colmarer
Liederhandschrift. Diese herrliche Melodie gehört allerdings zu den
erstaunlichsten Tonkunstwerken der einstimmigen Mittelaltermusik. Ein
ausgedehnter Bogen zieht sich über die gesamte Strophe. Die Kanzone mit
zwei gleichartigen Stollen und einem Abgesang, auf der fast alle
Minne-Melodien basieren, bildet hier zwar das Grundgerüst, wird aber auf
besonders originelle Weise verarbeitet, denn der zweite Teil variiert
den ruhig-besinnlichen Anfang, spinnt die Melodik langsam fort, lässt
die Spannung steigen, bis zum originellen, unerwarteten Abschluss.
Auf
diesen Ton lassen sich insgesamt 13 Strophen aus der Feder des Meisters
singen. Wunderlich legt Transkriptionen all diese Strophen in moderner
Notation mit Akkorden vor. Die Übertragung wirkt schlüssig und dem
Sprachduktus angemessen, allerdings könnte die stets gleiche
Rhythmisierung beim Liedvortrag zu Monotonie führen. Trotz des eher
meditativen Charakters der Musik sollte man hier den Mut haben, an der
einen oder anderen Stelle aus dem Schema auszubrechen und im Vortrag zu
variieren.
Der mittelalterlichen Originalmelodie folgen vier Minnelieder
in Wunderlichs Vertonungen, die wunderbar den Zeitcharakter treffen,
und ein wenig vom Personalstil des Brennenberger Tones beeinflusst sind.
Textlich greift der Brennenberger übrigens eher in die Vor-Walther-Ära
zurück: Frauenpreis und Minnedienst ganz im alten Stil! Folgerichtig
preist er in seiner großartigen Klagestrophe auch die verstorbenen
Meister von Friedrich von Hausen über Albrecht von Johannsdorf bis hin
zu Reinmar von Hagenau. Fazit: Wunderlich hat sich erneut verdient
gemacht um die Minne!
>> Verlag der Spielleute, 18 S., Euro 7,50
>> Frank Wunderlich über den Brennenberger.
>> Biografisches zum Autor.