Das
Harfen-Duo Carolan mit Christian Pampuch aus Kassel und Sabine Atkinson
aus Fulda ist von einer ganz besonderen Klasse. Im Mittelpunkt der
Konzerte der beiden Musiker steht der bekannteste irische Komponist:
der blinde Harfenspieler Turlough O'Carolan (1670 - 1738).
Carolan in der Lindenmühle Burguffeln
Dreimal bereits waren die Musiker in der Lindenmühle Burguffeln
zu Gast - jedes Mal luden sie zum "Irischen Advent" vor ausverkauftem
Haus. Das Publikum liebt die sehnsuchtsvollen Töne der
Saiteninstrumente gerade in den besinnlichen Stunden der
Vorweihnachtszeit.
Turlough O'Carolan verband auf geschickte Weise die uralten keltischen Musiktraditionen mit der Kunstmusik seiner Zeit. Sein großes Vorbild war Vivaldi, er umwob die Melodien aus dem Herzen Irlands mit den reichen Ornamenten italienischer Konzerte. Christoph Pampuch von "Carolan" ergänzt die sensibel vorgetragenen Stücke um viele Hintergrundinformationen und Anekdoten rund um den Komponisten. So auch die vom Musikanten-Wettstreit mit einem gefeierten italienischen Geiger. Es gelang O'Carolan mit seinem großartigen Gehör, die gesamte Musik des Italieners nach einmaligem Hören auf seinem Instrument wiedergegeben - eine Aufgabe, an der der Gegenspieler, Notist und ungeschult in der verschachtelten irischen Melodik, kläglich scheiterte.
Charakteristisch für O'Carolan sind die musikalischen Porträts, die er von vielen Mitmenschen zeichnete - meist Auftragsarbeiten, die von den Familien der musikalisch Geehrten über Jahrhunderte liebevoll aufbewahrt wurden, so dass Carolan der irische Komponist wurde, von dem die meisten Werke überliefert sind. Geliebte, Mäzene, selbst eine knauserige Vermieterin wurden von dem blinden Virtuosen einst durch Kompositionen mit Titeln wie "Mrs. MacDermott", "Planxty Kelly" oder "Captain O'Kane" verewigt . Um die Wurzeln dieser Musik herauszustellen, stellen die beiden Vollblutmusiker, die hervorragend aufeinander eingespielt sind, den Carolan-Stücken auch ihre Interpretationen alter Folksongs gegenüber. Ein gelungenes Konzept, mit dem es gelingt, dem Publikum einen hierzulande fast unbekannten Komponisten in vielen Facetten näher zu bringen.
Das mittelalterliche Ambiente der Lindenmühle schuf nun
schon dreimal den idealen Hintergrund, vor dem diese Musik sich
wunderbar entfalten konnte. In diesem Jahr wurde die Begegnung
mit O'Carolan um eine Reise ins ganz frühe Irland erweitert:
Christoph Pampuch hatte die mittelalterliche irische Harfe mitgebracht,
die mit Bronzesaiten bespannt war. Er spielte die oft
nur noch anonym überlieferten Melodien der Irischen Tradition
entweder solistisch oder zur dezenten Begleitung
von Sabine Atkinson, die auf der modernen keltischen Harfe Akkorde
hinzufügte. Der Klang des alten Instrumentes unterscheidet sich
erheblich vom Harfenklang, den wir heute gewohnt sind: metallisch,
prägnant, mit sehr langem Nachklang, so dass eine spezielle
Dämpftechnik nötig ist. Auch die Stimmung ist bei dem wenig
nachgiebigen Material schwieriger, so dass ab und zu kleine Stimmpausen
nötig waren. Doch dafür wurde man mit ursprünglichen,
fast schon archaischen Melodien voller Melancholie und Sehnsucht
entschädigt. Der bekannte Harfenspieler und -lehrer machte
zwischendurch in seinen kompetenten Kommentaren deutlich, wie wichtig
die Harfe für Irland ist. Zur Harfe gesungen wurde die irische
Geschichte von Mund zu Mund weitergegeben - dies war eine solche
identitätsbildende Kraft, dass die Engländer nach der
Eroberung des Landes das Instrument für lange Zeit verboten. Erst
dadurch kam es zum Aufstieg des Irischen Dudelsackes, der für
viele heute als DAS Instrument der "Grünen Insel" gilt. Doch die
Iren selber schätzen die Harfe höher: Sie prangt nicht nur
auf dem Euro, sondern ist zum Irischen Nationalemblem geworden.
Die "Seele Irlands" liegt in der Harfe - dem Duo Carolan gebührt
das Verdienst, sie mit viel Liebe auch uns auf dem Kontinent ganz nahe zu
bringen.
>> Mehr: www.carolan.de