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>>Burg-Homepage. >> Rückblick 2006 >> CDs zum Wettstreit Am Samstag, dem 11. August 2007, ging auf Burg Falkenstein das 2. Minneturnier über die Bühne. Aus ganz Deutschland reisten stimmgewaltige Herren an, um der Schlossherrin Tribut zu zollen. Doch in diesem Jahr stellte sich auch ein wagemutiger Recke aus der Region dem edlen Kampf der Sänger, die dem Meister von der Vogelweide ihre Aufwartung machten. Er schlug sich wacker, die Preise gingen jedoch an Minnesänger aus Franken und Hessen. |
Beim
2. Falkensteiner Minneturnier am 11.8.2007 auf Burg Falkenstein im
Ostharz siegte Frank Wunderlich aus Lützelbach. Er zeigte den
streitbaren Walther von der Vogelweide, der seine Abrechnung mit "Frau
Welt" und dem "Herrn Papst" macht. Der Theologe aus dem Odenwald tat
das mit sichtlichem Spaß und großen
Einfühlungsvermögen in die Zeit. Der Publikumspreis ging an
den jüngsten Teilnehmer: Malte Lange alias "Mino, der Barde" aus
Kassel, gerade 18 Jahre geworden, durfte ihn unter großem Jubel
des Publikums entgegennehmen. Er fragte mit Walther "Saget mir ieman:
waz ist Minne?" und sang überzeugend das Preislied an das
wundervolle Weib, diese Krone der Schöpfung. das der
schüchterne Sängersmann heimlich beim Bade beobachtet. Sein
jugendlicher Charme kam an. Weitere fünf Sänger aus ganz
Deutschland hatten sich Hoffnung auf einen Preis gemacht, sie alle
sangen Lieder des bekanntesten Deutschen Minnesängers Walther,
begleitet von diversen Spielleuten mit mittelalterlichem
Instrumentarium.
Frank
S. Wunderlich (*1960 in Gießen) studierte Philosophie,
Musikwissenschaft und Theologie in Frankfurt/Main und Würzburg.
1986 legte er sein Diplom in Kath. Theologie ab. Er lebt seit 1988 am
Untermain (Großheubach, jetzt in Lützelbach), war 1995
Mitbegründer der Gruppe "Vogelfrey und unvuortzaget". Seit 2001
spielt er in den Ensembles "Bluomenrot" und "Vrouwenheide". 2002
veröffentlichte er den Liederzyklus' des Minnesängers Von
Obernburg (13. Jh.) "Ich wil wol von wibes gvete", 2004 gab er eine
Liederauswahl aus dem "Schedelschen Liederbuch" (15. Jh.) heraus,
2006 folgten Minnelieder des Reinmar von Brennenberg (13. Jh.). Er
wirkte bei diversen Einspielungen mittelalterlicher Musik mit und wurde
2005 auf Burg Falkenstein in Bayern zum "Minnesänger des Jahres"
gekürt. Nun ist er auch Turniersieger auf Burg Falkenstein im
Ostharz - er hat damit schon die zweite Burgherrin für sich
erobert.
Mino,
der Barde, alias Malte Lange, ist der jüngste der Mitstreiter
in Falkenstein. Mit seinen gerade mal 17 Jahren fühlt sich
der Sänger aus Kassel aber schon berufen und befähigt, den
gestandenen Meistern der Kunst entgegenzutreten. Malte fand schon als
Kind zur Musik, seit dem 9. Lebensjahr zupft er die Saiten und dichtet
er Lieder. Das Mittelalter fasziniert ihn schon lange: Mit 12 Jahren
fand er über Rollenspiele zur mittelalterlichen Musik,
seit dieser Zeit spielt er auch Theater in der
Schultheatergruppe. Seit 2007 wirkt er im nordhessischen
Musiktheater Dingo mit,
verkörpert dort den aufbrausenden Thüringer Fürstensohn
Heinrich Raspe. Inzwischen schreibt er auch selbst mittelalterlich
inspirierte Lieder und spielt ein wenig Hümmelchen, einen
kleinen Dudelsack. In Falkenstein errang er den Publikumspreis: sein
frischer Charme rührte die Herzen; sein Mut, sich mit den
Größten der Zunft anzulegen, beeindruckte die Menge.
Reinhold
Schmidt schlug bereits 2006 die Trommel in Falkenstein, diesmal stellte
er sich selbst dem edlen Kampf. Er begann seine
Sangeskarriere als Chorsänger: Jahrelang
wirkte er an den unterschiedlichsten Projekten meist klassischer Musik
mit, seit Jahren spielt er eine maßgebliche Rolle im Kasseler
Chor Con Brio, der Chorgesang mit Literatur-Rezitationen verbindet.
2001 verkörperte er erstmals Walther von der Vogelweide in der
Produktion "Minne, traute Minne" des Hofgeismarer Musiktheaters Dingo.
2003 folgte die Hauptrolle im Singspiel "Wizlaw, der Verführer" -
"Bariton Reinhold Schmidt ist als Wizlaw eine Idealbesetzung, einfach
wunderbar" schrieb das Mittelaltermagazin "Karfunkel" anlässlich
der Rügen-Tournee im selben Jahr. Im Mysterienspiel
"Elisabeth: Keine wie wir!" verkörperte er nun
wieder Walther. Seine Huldigung an den größen
Minnesänger brachte er mit dem Frühlingslied "Muget ir
schouwen" und dem anklagenden "Weh dir Welt" dar.
Marcus
van Langen ist der singende Hexenmeister und gilt als enfant terrible
der Mittelalterszene. Wie kein anderer verkörpert er das Bild des
mit allen Wassern gewaschen mittelalterlichen Spielmanns und heutigen
Libertin. Man erzählt sich viele Geschichten über ihn und
einige sind sogar wahr! Er sieht seine Berufung darin, die
Damenwelt zu betören und
die Männer zu heftigen Trinkgelagen zu verführen.
Mit seiner Formation "Des Teufels Lockvögel" bietet er akustische
Mittelaltermystik, mal sanft und verträumt, dann wieder mit
brachialen archaischen Rhytmen. Als Frontmann der Gothic-Rock-Truppe
"van Langen" quält der "Gottseibeiuns der Mittelalterszene", wie
ihn der viel gereiste Magister Rother nennt, seine Stimmbänder und
die elektrische Gitarre. In Falkenstein verblüffte er mit Walthers
Altersklage "Ouwe" nach der Melodie der legendäre Folk-Rockband
Ougenweide. Doch zuviel Besinnlichkeit durfte nicht aufkommen: Bei der
Schelte von Herrn Volknant und Frau Bohne war er wieder ganz der alte
Provokateur.
Ein
Bayer kommt selten allein: Neben Marcus van Langen, dem
altbewährten
Kämpfer an vielen Fronten, kam in diesem Jahr auch Christian
Monz
nach Falkenstein. Der Münchner sang das böse Walther-Lied vom
dreisten Gerhard Atze unter härtesten Bedingungen: Gerade hatte
das in großer Zahl erschienene Publikum den Saal kräftig
aufgeheizt und damit die Laute aus der Stimmung gebracht. "Wollt ihr's
authentisch oder soll ich doch lieber stimmen?", fragte er die Menge,
die ihm lachend beistand und das Malheur gnädig verzieh.
Dafür gab's im zweiten Teil ein herrliches "Wol mich der stunde"
zu süßem zweistimmigen Flötenklang, wobei der
Sänger die beiden Spielweiber heftig anflirtete. Christian Monz
ist normalerweise mit der Gruppe "Meyenfogel" unterwegs
- mal mit einer, dann auch wieder mit zwei Frauen, die ihm als Muse und
Begleitung zur Seite stehen. Außerdem hat er den Blues im Blut -
das bewies er bei der Nachfeier. Außerdem zeigt er's mit seiner
zweiten Combo, der "Autobahnkapelle".
Gisbert
Ostermann war bereits letztes Jahr auf Falkenstein dabei. Damals
verkörperte er den glücklosen Ritter Heinrich von Ofterdingen
der beim legendären Sängerkrieg auf der Wartburg den
Landgrafen Hermann brüskierte, weil er den Österreicher
Herzog Leopold als den größten aller Fürsten pries.
Gisbert Ostermann wuchs auf mit der Musik von Ougenweide. Seit 1999 ist
er als Minnesänger aktiv. Er spielte im Stück "Minne, traute
Minne" den wilden Neidhart von Reuental, im Singspiel "Wizlaw, der
Verführer" den "Unverzagten" und ist zur Zeit in einem
Elisabeth-Mysterienspiel als Krieger Biterolf zu sehen. Neben
den Liedern von Friedrich von Hausen, dem er sich kürzlich mit
Hingabe widmete, gehören auch immer wieder Walther-Lieder zu
seinem Repertoire. In Falkenstein sang er eine zu Herzen gehende
Version von "Diu werlt was gelf" (in der Vertonung des bekannten
Minnesängers Knud Seckel) und eine zupackende Geißelung der
Mönche vom Tegernsee, die dem Gast Wasser statt Wein reichen.
Einer
musste die Ehre der Heimaterde retten: Schließlich reisten
Sänger aus aller Herren Länder an, um beim 2. Falkensteiner
Minneturnier ihren Mann zu stehen. Der Burgherr lud deshalb alle
Sängersleut aus Sachsen-Anhalt ein, Ihr Bestes zu geben, auf dass
ein Recke bestimmt werde, der den hohen Herren Paroli bieten kann.
Wohlan, der Mann wurde gefunden: Volker Wysk aus Benneckenstein,
bekannt auch als Volker aus dem Weydengrund, wagte es, sich dem Kampf
zu
stellen. Der Musiker, bekannt von den "Harzrabauken", hat
durchaus auch Sinn für die leisen Töne und selbst ein
Händchen für gute Texte und Melodien. Er besiang das
"Herzeliebe Frouwelin" zur Musik des Österreicher Sängers
Thomas Schallaböck und überzeugte mit einer Eigenkomposition
frei nach Walther: "Unter der Weide" erwies sich als richtiger Ohrwurm.
So hätte es auch fast für den Publikumspreis gereicht, doch
schließlich preschte doch die Jugend nach vorn...Unbarmherzig
und unbestechlich - so kennt und liebt sie das Publikum, so fürchten
und hassen sie die Minnesänger: Die Rede ist vom er Henker Stempfel und dem Feingeist Meister Frauenlob. Henker
Stempfel (Bernd Bonnet) ist seit dem legendären Sängerkrieg
auf der Wartburg darauf spezialisiert, die falschen Töne der
Sängersleute zu erkennen und unverzüglich zu ahnden. Er tat
das auch in diesem Jahr wieder mit der gebührenden Strenge. Die
feinen Zwischentöne sind zwar nicht unbedingt seine Sache,
dafür widmet er sich seiner Aufgabe mit Begeisterung und vollem
Einsatz. Doch
Meister Frauenlob (Peter Will) weiß die Töne recht zu setzen
und kennt so manchen Sänger, manches Lied. Ihm macht keiner etwas
vor, er begeistert sich für das Edle, Wahre und Schöne, und
fordert von jedem Sänger nicht mehr, als dem wahren Meister "mit
Fleiß und Demut und viel Üben" auf dem Weg zur echten Kunst
und damit zur Vollkommenheit folgen. Wer dabei nicht alles gibt, kann
auf kein Verständnis hoffen. |
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"Nun
ist sie da, die wild entschloss'ne Männerschar..." - drei
wunderbare Burgdamen (Dagmar Jahn, Gerda Weinreich und Claudia Heidl)
begrüßten
die Sänger, die sich dem Streit stellen wollten. Die
künstlerische
und organisatorische Leitung lag - wie auch in diesem Jahr - bei Dr. Lothar Jahn (links mit Laute
im
Bild), der die Veranstaltung im Auftrag des Museums Burg
Falkenstein
gestaltet hatte.
Jochen
Faulhammer, Jahrgang 1964, stammt aus Ersen, einem kleinen Dorf im sagen-
und märchenreichen Nordhessen, von dessen bewegter und umkämpfter
Mittelalterzeit noch viele Burgen und Burgruinen Zeugnis geben. Nach einer
Reihe von Lebens- und Studienjahren in Kassel und Bremen lebt er heute
mit seiner Familie in Gudensberg, etwas südlich von Kassel gelegen,
unmittelbar unterhalb der für Hessens Geschichte bedeutenden Ruine
der Obernburg. Vom markanten Scharfenstein her fällt jeden Morgen
die Sonne über die malerische Altstadt in sein Fenster. Er arbeitet
als Kirchenmusiker und freiberuflicher Sänger. Schon die Kasseler
Studienjahre waren vor allem durch die Beschäftigung mit der Musik
des 15. und 16.Jahrhunderts geprägt, die er mit Gleichgesinnten in
zahlreichen Konzerten zur Aufführung brachte, sowohl als Sänger,
wie als Chorleiter und Organist. In den Bremer Hochschuljahren kam die
singende Beschäftigung mit zeitgenössischem (einschließlich
zweier Uraufführungen) hinzu, wie auch Ausflüge in die Welt der
Oper. Die Freude an Schauspiel und Gesang zum einen, die Neugier auf noch
ältere Musik zum anderen, trieben ihn schließlich zum Musiktheater
Dingo. Dies brachte neben dem Wiedersehen mit alten Bekannten aus Hofgeismar
auch die Begegnung mit der reinen Minne und ihrer Musik, galt es
doch, als Reinmar von Hagenau singend von der unnahbaren Dame weg nach
Palästina zu ziehen. Jochen Faulhammer konzertierte auch bereits mit
mittelalterlicher Kirchenmusik. In Falkenstein überzeugte er mit als
zauberhaft-inniger Sänger Klingsor, zeigte aber auch eine andere Facette:
Mit seiner satirischen Interpretation eines Frauenlob-Liedes zog er den
selbstgerechten Kritiker der Sänger gekonnt durch den Kakao.
Michael
Hoffkamp wurde 1963 geboren. Er kam erst auf Umwegen zum Thema Minnesang.
Jahrelang war der Wunsch da, das grosse Interesse an historischen Themen
und das sehr intensiv betriebene Hobby Musik miteinander zu verbinden.
1996 zog er aus beruflichen Gründen in die mittelalterliche Burgenstadt
Schlitz im Vogelsbergkreis (Nähe Fulda), die mit ihrem eindrucksvollen
alten historischen Stadtkern ein ganz besonderes Flair vermittelt. Dort
entschloss er sich zum Kauf einer wunderschönen alten Laute und begann
sich intensiv mit mittelalterlichem Liedgut auseinanderzusetzen. Daneben
schreibt er auch selbst Texte und Melodien - so trug er auf Burg Falkenstein
eine Eigenvertonung eines traurigen Minneliedes aus der Feder des "tugendhaften
Schreibers" vor. In einer musikalischen Stadtführung singt er eigene
Lieder zu historischen Ereignissen der Stadt Schlitz, pflegt aber
auch die alten Volkslieder. Der Barde, Liedermacher und musikalische Stadtführer
verfügt über ein großes Spektrum: Neben gefühlvollen
Gesängen jeder Art steht das freche Spielmanns- und Mitmachlied. Mit
dieser Mischung überzeugte er auch in Falkenstein sein Publikum: Nach
seinem unendliche traurigen Minnelied bot er im zweiten Teil zum großen
Vergnügen
des Publikums ein frech- frivoles Werk des Sängers Wizlaw von Rügen
dar.
Die Neue: "Saget mir ieman: was ist Minne?"
CD-Kritik von
Magister
Rother:
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