von Dr. Lothar Jahn
Das
THEATER DER KLÄNGE aus Düsseldorf und das Münchner Mittelalterensemble
ESTAMPIE setzen ihre erfolgreiche Zusammenarbeit beim Mysterienspiel "Ludus
Danielis", das 1995 gezeigt wurde, fort. Das neue Stück »Gregorius«
wurde inspiriert von Thomas Manns Roman »Der Erwählte«
(1951, der auf der mittelalterlichen Erzählung "Gregorius auf dem
Stein" fußt.
![]() |
![]() |
![]() |
Der Stoff des Romans um "doppelten Inzest, Hochmut, Reue und Erwählung"
hat die Tiefe und Problembeladenheit einer griechischen Tragödie.
Gregorius wurde als Kind ausgesetzt und verliebt sich später ausgerechnet
in seine Mutter. Als er die Wahrheit erkennt, büßt er 17 Jahre
angekettet auf einem kargen Stein im Meer. Soviel Reue findet Gottes Respekt:
So nimmt sein Leben in späten Jahren noch eine wunderbare Wendung
und er wird Papst. Sprache spielt bei der Inszenierung nur eine kleine
Rolle, Bilder, Bewegung und Musik stehen im Stil des Theaters der Klänge
gleichberechtigt daneben, so dass ein vielschichtiges Gesamtkunstwerk entsteht.
Estampie wird mit historischem Instrumentarium seine bewährte Mischung
schwermütiger, meditativer und sphärischer Klänge beisteuern.
Diese Klangsignale werden elektronisch bearbeitet und verfremdet durch
den Klangbastler Thomas Neuhaus. So erklingen Fidel, Gemshorn und Harfe
wie aus einer fremdartigen, fernen, anderen Welt zu uns herüber. Premiere war am 22.4.2004 in Düsseldorf, weitere Gastspiele folgten in Köln und München. Mehr Informationen beim Theater
der Klänge und bei Estampie.