CD-REZENSION
"Walther von der Vogelweide - Saget mir ieman: waz ist Minne?"

WDR 5 - Scala Service - 24.Mai 2007
Autor: Tom Daun


TAKE 11 Knud Seckel: Diu werlt was gelf

Seine Gedichte fehlen in keiner Lyrik-Anthologie, sein Name ist jedem Gymnasiasten aus dem Deutschunterricht geläufig, sein Portrait in der „Manessischen Liederhandschrift“ zählt zu den schönsten Darstellungen, die einen Dichter bei der Arbeit zeigen: Walther von der Vogelweide, auf einem Stein sitzend, nachdenklich das Kinn auf die Hand gestützt, Beine überkreuz –so, wie er selbst in einem seiner bekanntesten Gedichte beschreibt...

TAKE 14 Jochen Faulhammer: Ich saz uf einem Steine

„Saget mir jemand – was ist Minne?“ lautet der Untertitel einer neuen CD, die den Werken des berühmten deutschen Dichters gewidmet ist. Zu hören sind verschiedene Solisten oder Ensembles der heutigen Mittelalter-Szene. Fast alle Aufnahmen entstanden speziell für dieses Album – eine kontrastreiche, zugleich  ausgewogene Mischung, die verschiedene Interpretationsansätze mittelalter-licher Musik gegenüberstellt: eine bunte Palette musikalischer Farben vom unbegleiteten Gesang zum orientalischen Klang, vom rockigen E-Baß zum Singer-Songwriter-Sound.

TAKE 19 Ougenweide "Ouwe"

„O weh, wohin sind sie entschwunden, alle meine Jahre...?“ – dieser poetisch-nostalgische Rückblick des gealterten Minnesängers könnte auch aus der Feder von „Ougenweide“ stammen. In den siebziger Jahren zählten die Hamburger Folk-Rocker zu den Stars der populären Musikszene. Dann wurde es ruhig um die Vorreiter des Mittelalter-Rock: 1985 löste sich die Band endgültig auf – und ist erst jetzt wieder zusammengekommen, um einen Titel für die Vogelweide-CD aufzunehmen.

(inst. Zwischenspiel)

Trotz seines Ruhmes ist wenig Konkretes über das Leben des Walther von der Vogelweide bekannt. Geboren um 1170, zeitweise im Dienst der Babenberger am Wiener Hof, später vom Stauferkönig Friedrich II. mit einem Lehen belohnt und um 1230 beerdigt – der Legende nach in Würzburg.

90 Liedtexte Walthers sind erhalten geblieben. Anders als bei den französischen Vorgängern, den Troubadouren, wurden die Gedichte der deutschen Minnesänger meist ohne Melodien notiert – die heutigen Interpreten helfen sich häufig mit neuen Vertonungen.


TAKE 15 Marcus van Langen: Her Volcnant

„Herr Volknant, ihr erdreistet Euch, neben einem Meister wie Walther Lieder zu singen? Ihr und Walther – das ist wie Arsch und Mond...“

Derbe Worte scheute der berühmte Minnesänger nicht, vor allem wenn es gegen Kollegen ging. Aber genauso beherrschte er zarteste Register der Liebeslyrik; oder schwärmte in religiöser Inbrunst...

TAKE 17 Ioculatores: Diu menscheit muuoz verderben


O-Ton Hans Hegner:

„Ich singe den Minnesang nicht, weil er so alt ist sondern obwohl. Anders gewendet: mich fasziniert am Minnesang nicht so sehr das Mittelalterliche sondern das Zeitlose.  Mich fasziniert, wie die Lieder heute noch ansprechen, wie das heute noch zu Herzen geht oder mitreißt. Das möchte ich dem Publikum auch möglichst lebendig vermitteln.“

Hans Hegner aus Berlin tritt seit über zwanzig Jahren mit Liedern Walthers von der Vogelweide auf – bei Mittelaltermärkten und Burgfesten ebenso wie in Kirchen und Konzertsälen.

Die Faszination des Mittelalters scheint ungebrochen.


(instr. Zwischenspiel)

O-Ton Hans Hegner:
                           
„Wir haben in unserer modernen Welt einfach auch ne Sehnsucht nach Märchen und alten Mythen. Ob das jetzt Fantasy, Harry Potter oder Herr der Ringe ist. Mittelalter wird von uns oft sehr märchenhaft interpretiert; sind ja teilweise auch die Märchenmotive, die wir seit unserer Kinderzeit kennen: König, Ritter, schöne edele Damen – und da findet sich natürlich viel Sehnsucht nach solchen Dingen wieder.

TAKE 12 Poeta Magica "Traumglück"

Abmoderation: HINWEIS auf den „Minnesänger-Wettstreit“ 25.8.2007 im hessischen Schloss Spangenberg