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Frauenlob Manesse-Bild

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Mechthild von Magdeburg auf CD:

DIVERSE: Spruchgesang und Sachsenspiegel
Spruchgesang und Sachsenspiegel CDAuf der CD werden markante Zitate aus dem ersten Rechtsbuch der deutschen Geschichte mit Liedern der selben Zeit verbunden, die um ähnliche Themen kreisen. So entsteht ein vielschichtiges Bild mittelalterlicher Kultur und Moral.  Frank Wunderlich widmet sich Mechtilds von Magdeburgs "Von zwein ungelichen wegen". 
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MUSIKTHEATER DINGO:
Es stunt ein frouwe alleine

Es stunt ein frouweKreative Frauen des Mittelalters werden vorgestellt, von Beatriz de Dia über Mechthild von Magdeburg und Hildegard von Bingen bis hin zu Blanka von Kastilien und Eleonore von Aquitanien. In Liedern von den Trobairitz und weiblichen Trouvéres über Frauenlieder des deutschen Minnesangs bis hin zu geistlichen Gesängen, aber auch in Rezitationen und Kurz-Szenen bringen die fünf ganz unterschiedlichen Frauenpersönlichkeiten des Musiktheaters Dingo die weibliche Sicht der Minne auf den Punkt.  Mit zwei Mechthild-Stücken!  (gl)
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OUGENWEIDE: Herzsprung
Ougenweide(2010)  In neuer Besetzung knüpft man wieder an die Tradition der frühen Jahre an – musikalisch gereift und ohne synthetischen Bombast. Frank Wulffs Vermächtnis: Kurz vor seinem Tod wurde das Werk vollendet, er spielt Instrumente aus aller Welt und allen Epochen. Mit zwei tollen Vertonungen von Merseburger Zaubersprüchen, zu Herzen gehenden italienischen Tageliedern und einer zum Weinen schönen Vertounung eines Lieds aus dem Glogauer Liederbuch. Grandioses Alterswerk! 
"Dy Minne" von Mechthild von Magdeburg ist einer der Höhepunkte des Albums.
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VORTRÄGE ZU MECHTHILD VON MAGDEBURGS LEBEN UND WERK
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>> Rückbericht von einer Volkshochschul-Exkursion ins Kloster Helfta.
MECHTHILD VON MAGDEBURG
von Dr. Lothar Jahn

In den Handschriften des deutschen Minnesanges finden sich keine weiblichen Autoren. Allerdings gibt es in der deutschen Mystik eine große Poetin, die sehr stark vom Minnesang beeinflusst wurde: Mechthild von Magdeburg wird deshalb nicht zu Unrecht als "Minnesängerin Gottes" bezeichnet.  Ihre Bücher, die nach und nach verbreitet und fortgeschrieben wurden, sind eine einzigartige Mischung aus Autobiografie, theologischen Texten, liedhaften Passagen, also aus Prosa, Predigt und Poesie, wobei sich die Formen und Inhalte gegenseitig durchdringen. Sie wurden  im siebenbändigen Werk "Das fließende Licht der Gottheit" in niederdeutscher, nicht lateinischer Sprache festgehalten. Sie sind damit das erste deutschsprachige Zeugnis der Mystik.

Swelch mensche wirt ze einer stunt
von wârer minne rehte wunt,
der wirt niemer mê wol gesunt,
er enküsse noch den selben munt,
von dem sîn sêl ist worden wunt.

Wird eine Mensch zu einer Stund
Von wahrer Minne wirklich wund,
So wird er nimmermehr gesund,
Er küsste denn den selben Mund
Der ihm die Seele machte wund.


Der rote Mund macht minnewund und niemals wird das Herz gesund, käm nicht der Kuss zur selben Stund – diese immer wieder abgewandelte Reim- und Gedankenkette zieht sich durch viele Minnelieder. Mechthild begibt sich also ganz deutlich in die Bilder-, Gedanken- und Gefühlswelt der Minnesänger hinein. Der Tag, der zum Jahr wird; die Nachtigall, die singen muss, die Sehnsucht voller Qualen, schlimmer als der Tod; die unerfüllte Begierde – diese Bilder kennen wir aus den leidvollen Liedern der Trobadors und Trouvères, wie sie später auch von den deutschen Minnesängern weitergedacht und gesungen wurden.

Mechthild muss diese Lieder in ihrer Kindheit und Jugend in der Welt des höfischen Adels viel gehört, mitgesungen und miterlitten haben. Die Worte und Bilder, die schmerzensreichen Gedanken voll unerfüllter Zuwendung zur geliebten Person – Gedanken, die aber auch durchtränkt sind von Erotik, die in jeder Preisung mitschwingt – werden bei ihr zum Vokabular, in das sie die Beziehung zwischen Gott und der liebenden Seele fasst.

Ich sturbe gerne von minnen,
möhte ez mir geschehen!
den jenen, den ich minne,
den hân ich gesehen
mit mînen liehten ougen
in mîner sêle stân.

Ich stürb' gern durch die Liebe,
Möge es mir geschehen!
Denn jener, den ich liebe,
Den habe ich gesehen
Mit meinen klaren Augen
In meiner Seele steh'n!


Eine weitere Quelle von Mechthilds Minne-Mystik ist das Hohelied Salomos, dieses Zwiegespräch zwischen zwei Liebenden aus dem  Alten Testament, das voller liebender Zuneigung, aber auch deutlicher Erotik steckt. In diesem auch als „Lied der Lieder“ gepriesenen Text heißt es z.B.: "Lass duften meinen Garten, lass strömen seine Balsamöle!"(4.16) und „Deine Brüste sollen mir wie Trauben des Weinstocks sein und der Duft deines Atems wie Apfelduft.“ (12.9)  Die Sprachfiguren werden von Mechthild direkt aufgegriffen, wenn sie Gott zur Seele sprechen lässt: „Du schmeckst, wei eine Weintraube, du duftest wie Balsam“, wenn er sie als Rose im Dornbusch und Biene im Honig preist. 

Sie redet auch weiter, wo die Minnesänger schweigen wie die Nachtigall in Walthers Lindenlied. Sie lässt Gott zur Seele sprechen: "Zieh dich aus!", daraufhin heißt es. "Er gibt sich ihr hin und sie sich ihm". Sie lässt die Seele jubilieren:

Ô du giezender got an dîner gâbe,
ô du fliezender got an dîner minne,
ô du brennender got an dîner gerunge,
ô du smelzender got an der einunge mit dînem liebe,
ô du ruowender got an mînen brüsten,
âne dich ich niut wesen mac.

Oh du gießender Gott in deiner Gabe,
oh du fließender Gott in deiner Minne,
oh du brennender Gott in deiner Begierde,
oh du schmelzender Gott in der Einheit mit deinem Liebsten,
oh du ruhender Gott an meinen Brüsten,
ohne dich will ich nie mehr sein!



Diese erotischen Bilder verstören und befremden uns im Zusammenhang mit dem Glauben. Mechthild fasst darin die triebhafte Wucht ihres Strebens nach einem von heiliger Liebe durchdrungenen Lebens.  Doch es ist nicht nur die innen gerichtete Sehnsucht nach der völligen Vereinigung ihrer Seele mit Gott. Diese drängende, verführerische, Glück verströmender Minne ist auch nach außen gerichtet, zielt mitten in die Gesellschaft hinein. Sie steckt voller Sprengkraft, die auch  im sozialen Miteinander zum Durchbruch kommt.

Wie die Sänger des Spruchgesangs sagt sie, wie man "zer werlte leben sol", und findet dafür eindringliche Bilder: Auf der einen Seite stehen die verborgene Grimmigkeit, die Gier mit ihrem schreienden Mund, die ungeduldige Hoffart, die stets schön herausgeputzte Falschheit, die auf bösem Grund wachsende Hinterlist und die nach Achtbarkeit strebenden weltlichen Herzen, in denen jedoch Hass glimmt ohne Unterlass. Auf der anderen Seite steht die Minne, gütig, maßvoll und mild: Die Minne, klarer als die Sonne, größer als die Berge, ist alles, was am Ende wirklich zählt.

Mit solchen Gedanken geriet sie in Magdeburg schließlich in Schwierigkeiten: Die kirchliche Obrigkeit schränkte das Wirken der einst selbständigen Beginen immer mehr ein. Mechthild hielt es dort nicht mehr aus, sie wurde krank. Sie ging zunächst zurück zu ihrer Familie, doch fehlte ihr dort die Gemeinschaft mit den gleichgesinnten Schwestern. So folgte sie gern einer Einladung der Zisterzienserinnen ins Kloster Helfta bei Eisleben. Hier war sie hoch willkommen, die Schwestern und die Äbtissin Gertrud von Hackeborn förderten und unterstützten sie in der Niederschrift ihrer Texte, man half ihr ganz praktisch im Alltag, denn sie verlor nach nach ihr Augenlicht. Man half ihr auch dabei, dort ein siebtes Buch ihres „Fließenden Lichts der Gottheit“ zu schreiben. Man ehrte sie und betrachtete sie als Impulsgeberin des geistlichen Lebens, sie inspirierte ihre Mitschwestern Mechthild von Hackeborn und Gertrud ("die Große") von Helfta, die später heilig gesprochen wurde.

Video-Tipp:

Video Mechthild
Die Minnesängerin Gottes
Huldigung an Mechthild von Magdeburg 
von Frank Wunderlich und Musiktheater Dingo. 
Konzeption und Gestaltung des Videos: Dr. Lothar Jahn


Mechthild von Magdeburg
Mechthild von Magdeburg, Miniatur

KONZERTE ZUM THEMA "MECHTHILD VON MAGDEBURG - DIE MINNESÄNGERIN GOTTES":
- 31. August 2014: Hans Hegner und Ursel Peters, im Rahmen "Harzer KlosterSonntag" im Harzer KlosterSommer 2014, 12 Uhr und 15 Uhr.



Lebensdaten:
Mechthild von Magdeburg (ca. 1207 – 1282) war adliger Abstammung, fühlte sich aber angezogen von der christlichen Armutsbewegung. Sie wuchs im höfischen Leben einer Burg auf und ging im Alter von etwa 20 Jahren nach Magdeburg. Dort begann sie ein mildtätiges, einfaches Leben in der christlichen, eher losen Frauengemeinschaft der Beginen. Auf Zuspruch ihres Beichtvaters Heinrich von Halle begann sie um 1250 mit der Aufzeichnung ihrer Texte, die ihre Gotteserfahrung zum Inhalt haben. Sie wurden im siebenbändigen Werk "Das fließende Licht der Gottheit" festgehalten: die liebende Seele auf der Suche nach Gott in einer Sprache, die manchmal ans Hohelied Salomos erinnert, dann wieder Stilfiguren des Minnesangs aufgreift und sie spirituell überhöht. Der Begriff der Minne ist ein roter Faden ihres Werkes. 1270 musste sie Magdeburg verlassen, ihren letzten Lebensabschnitt verbrachte sie im Kloster Helfta, wo sie Gertrud von Helfta und Mechthild von Hackeborn beeinflusste.


Überlieferung:
Das niederdeutsche Original ihrer Werke ist nicht mehr erhalten. Der älteste vorhandene Text in oberdeutscher Übersetzung stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts aus Basel. In vollständiger Form gibt es das „Fließende Licht“ nur in der Einsiedler Handschrift aus der zweiten Hälfte des 14. Jh., daneben gibt es drei umfangreichere Teilüberlieferungen aus Würzburg, Budapest und Colma, dazu aber eine breite Streuüberlieferung. In der Neuzeit  sorgte erst Carl Johann Greit 1861 für eine Wiederentdeckung der Mystikerin, deren Schriften er im Kloster Einsiedeln entdeckt hatte. Eine lateinische Übersetzung wurde schon zu Mechthilds Lebzeiten begonnen, was ihre große Wirkung demonstriert – diese Übersetzung ist in einer Fassung, die um 1350 niedergeschrieben wurde, überliefert.

Notenmaterial zu den Liedern ist nicht überliefert. Mechthild wurde aber immer wieder vertont, u.a. von Johann Nepomuk David, Reinhard Seehafer, die Gruppe Ougenweide und in letzter Zeit vor allem durch Frank Wunderlich.

Notenbuch-Tipp:

Mechthild-Liederbuch
 
Frank Wunderlich gibt in dem Buch einen Einblick in das Werk Mechthilds von Magdeburg (ca. 1207 - 1282). Eigentlich ist der Schritt logisch für den hauptberuflich als Diakon arbeitenden Minnesänger, denn in Mechthilds Schaffen verbinden sich ebenso wie in seinem Schaffen die klösterliche und die höfische Kultur.  Die Minne ist bei Mechthild genauso vielschichtig zu verstehen, wie es Mitte des 13. Jahrhunderts im Minnesang üblich: Zum einen spiegelt sich die sehnsuchtsvolle und dienende Hinwendung des Ritters zur unerreichbaren Herrin im Verhältnis von der gequälten und an den menschlichen Körper gebundenen Seele zu Gott. Zum anderen ist in dieser Grundkonstellation zweier ungleicher "Partner" auch das (geschlechtliche) Begehren aufgehoben, Mechthilds Sprachbilder tragen zuweilen deutlich erotische Züge.Mechthild preist Gott aber nicht nur mit der Emphase des Minnesängers, sie gibt auch vor, wie man "zer werlde leben sol" mit der Entschiedenheit des Spruchgesangs. Notation ist zu Mechthilds Werk nicht überliefert. Dass diese Texte gesungen wurden, scheint angesichts ihrer lyrischen Form und den Ritualen des Klosterlebens aber schlüssig. Bei seinen Neuvertonungen setzt Wunderlich zum einen auf überlieferte geistliche Formeln, die in der klösterlichen Tradition immer noch ihren Platz haben, lässt sich aber auch von Hildegard von Bingens Werk inspirieren. 
>> Verlag der Spielleute, 40 S., Euro 12,90

MINNESANG.COM PRÄSENTIERT:
Die CD-Eigenproduktioen von Minnesang.com. Mehr hier.
Burg Falkenstein CD Walther von der Voglelweide CD Minne im Mayen CD Falken, Lerchen Nchtigallen CD European Minnesang CD Spruchgesang und Sachsenspiegel CD Tribut an Ougenweide CD Merseburger Zaubersprüche CD
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