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Frauenlob Manesse-Bild

Minnesang.com
Dr. Lothar Jahn
Guderoder Weg 6
34369 Hofgeismar
05671-925355
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HANS HEGNER UND LOTHAR JAHN
Duoprogramm

Hans Hegner und Lothar Jahn


SPIELLEUTE
bei der Ensemble-Fassung des Süßkind-Programms:

Cosima Hoffmann
Cosima Hoffmann

Claudia Heidl
Claudia Heidl

Gerda Weinreich
Gerda Weinreich

Jan Marcus Lapp
Jan-Marcus Lapp

(Fotos: Archiv Minnesang.com)



Leuchter
(Fotos aus der Alten Synagoge: Dr. Lothar Jahn)


Plakat zur Veranstaltung
hier.

Plakat Süßkindpremiere klein







SÜSSKIND, JUDE VON TRIMBERG

In der großen Manessischen Liederhandschrift, dem wichtigsten Dokument der Überlieferung des Minne- und Spruchgesangs, finden sich die Werke eines Sängers, der aus dem Rahmen fällt: "Süezkint, jude von trimberg".

Süsskind von Trimberg

Süezkint ist der einzige in der Überlieferung der Dichtung des Mittelalters bezeugte jüdische Autor deutscher Zunge - er sang und dichtete um 1250. Den Texten beigefügt ist, wie in dieser prachtvollen Handschrift üblich, eine Minitiatur des Autors: Man sieht ihn mit seinem Judenhut im prächtigen Gewand, mit Pelzen geschmückt,  einem christlichen Geistlichen gegenüber stehen. Das Blattgold seines Hutes findet sich im bischöflichen Stab wieder. Der bekannte Mittelalterforscher Peter Wapnewski interpretiert die Abbildung als Gerichtsszene: "Hier klagt ein christlicher Bürger - eben der Mann in der Mitte - gegen einen Juden in einer Sache, für die der Bischof als Gerichtsherr zuständig ist (in dieser weltlichen Funktion verzichtet er auf die Mitra)." Er stellt die Einzigartigkeit der Szenerie heraus: "Inmitten einer Welt, deren antisemitische Affekte sich furchtbar schon entladen hatten (und schon in nächster Zukunft werden sie sich zum mörderischsten Pogrom des Mittelalters steigern), stellt der Maler den Juden in den Frieden einer sich durch Recht und Gerechtigkeit ideal bestimmenden Ordnung. Und gibt ihm durch Stellung, Haltung und Kleidung den Rang der Gleichberechtigung." (Quelle: ZEITmagazin 35, 1988)

In seinem Werk verbindet sich die Tradition der moralischen und gesellschaftspolitischen Dichtung, wie sie Walther von der Vogelweide zur vollen Blüte gebracht hat, auf einzigartige Weise mit Motiven aus der jüdischen Tradition. Bei aller Meisterschaft der Dichtkunst und dem spürbaren Selbstbewusstsein, in die Fußstapfen Walthers zu treten, ist eine Bitterkeit immer wieder spürbar. Neben Verweisen auf alttestamentliche Motive finden sich Schilderungen einer kargen Existenz am Rande der Gesellschaft. Sie kulminieren im Eingeständnis des eigenen Scheiterns beim Versuch, als Jude bei Hofe Fuß zu fassen:

SüßkindIch var ûf der tôren vart
mit mîner künste zwâre,
daz mir die herren nicht went geben.
des ich ir hof wil fliehen
und wil mir einen langen bart
lân wachsen grîser hâre:
ich wil in alter juden leben
mich hinnân fürwert ziehen.
mîn mantel der sol wesen lanc,
tief under einem huote,
dêmüeteclich sol sîn mîn ganc
und selten mê ich singe in hovelîchen sanc,
sîd mich die herren scheiden von ir guote.


ManessetextAch, wie ein Narr war ich auf Fahrt,
mit meiner Kunst für Jahre.
Auf sie will keiner mehr was geben,
Ich werd dem Hof entfliehen. 
Bald trag ich einen langen Bart,
Schon sprießen mir die Haare.
Ich werd' nach alter Väter Sitte leben
Und durch die Lande ziehen.
Mein Mantel weht schon weit und lang
Tief unter meinem Hut.
Und voller Demut ist mein Gang,
Nie wieder singe ich des Hofes Sang.
Gehabt euch wohl! Er macht sich fort, der Jud!

(Nachdichtung: Lothar Jahn)

Wahrscheinlich stammt er aus Trimberg in der Nähe von Kissingen. Lange ging man davon aus, dass es außerhalb seines Werkes keine Spuren von ihm gibt. Der Autor Paul Arnsberg berichtet in seinem 2. Band von „Die jüdischen Gemeinden in Hessen“ aber davon, dass Süßkind häufig in Schlüchtern zu Gast gewesen sei, wo er hochbetagt starb und begraben wurde. Er beruft sich dabei auf ein „Memorbuch“ aus Schlüchtern. In Memorbüchern hielten Juden das Gedenken an ihre Toten wach.

Friedrich Torberg: Süßkind von TrimbergBUCHTIPP: "SÜSSKIND VON TRIMBERG"

Friedrich von Torbergs Roman über Süßkind entwickelt aus den Motiven seiner Lieder und aus den spärlich bekannten Fakten über das höfische Leben  und die stets bedrohte jüdische Existenz im Mittelalter ein opulentes historisches Tableau, bei dem der Sänger greifbar wird. Nicht immer sympathisch zwar, aber stets nachvollziehbar! Die vielfältigen Anfechtungen und Gefahren, denen ein fahrender Sänger allgemein und ein jüdischer fahrender Sänger im Besonderen ausgesetzt waren, werden hier auf lebendige Art geschildert. Ein sprachgewaltiges Buch von großer Klarheit und Einfühlungsvermögen in die Epoche. Genau, wie man es sich von einem historischen Roman wünscht!
> Auf der Website alemannia-judica finden sich Artikel vom Anfang des letzten Jahrhunderts, die sich mit Süßkind beschäftigen. Darunter eine gereimte Biografie, die Süßkind anachronistischerweise in den Kontext des "Sängerkriegs auf der Wartburg" hineinversetzt.


  Stern

Presseartikel zum Duoprogramm:
Nachbericht  Wormser Zeitung zum Festival "wunderhoeren"

Presseartikel zur Premierenphase:
Ankündigung Deutschland Today
Ankündigung Waldecksche Landeszeitung
WLZ-Rezension Premiere
HNA-Rezension Premiere

WLZ Morgenveranstaltung

Rezension Deutschland Today

> Nächstes Konzert (Duo-Fassung):
Heldenbur, Salzderhelden bei Einbeck, 10.9.2016, 19.30 Uhr

> Exkursion nach Schlüchtern, wo Süßkind begraben sein soll: Schlüchtern zwischen Kloster und Synagoge, 

Mitwirkende:

Hans Hegner als Süßkind von Trimberg
Hans HegnerDer Berliner Musiker Hans Hegner ist einer der bekanntesten deutschen Interpreten des Minne- und Spruchgesangs. Er verkörperte Süßkind erstmals beim Minnesänger-Wettstreit 2010 in Zeiskam. Seine stark am Text orientierte Interpretationsweise mittelalterlichern Sanges gilt als wegweisend. Er bringt alle 12 Süßkindlieder zu Gehör. Er spielt auch Symphonia, Trommeln und diverse Blasinstrumente. (Foto: Peter Herzog)

Dr. Lothar Jahn: historischer Hintergrund, Konzeption und Moderation
Frank LimbachDer Hofgeismarer Kulturmanager und Musiker Lothar Jahn hat die Veranstaltung konzipiert. Dr. Lothar Jahn organisiert seit vielen Jahren Veranstaltungen zur mittelalterlichen Geschichte und zum Minnesang. Er leitet das Musiktheater Dingo. Lothar Jahn hat das Projekt initiiert und konzipiert, er musiziert auf diversen Saiteninstrumenten und bietet eine historische Einordnung von Werk und Leben Süßkinds. Gerne auch als Einzelvortrag! (Foto: Michael Brauer)

Beim größeren Ensemble:
Frank Limbach als Erzähler 2011 - 2013
Frank LimbachDer Göttinger Rezitator Frank Limbach las bei der Premierenphase aus Friedrich von Torbergs Roman über Süßkind.  (Foto: Manfred Weiland). Er verstarb 2015.
Peter Will
>> 2013 wurde diese Rolle von Peter Will aus Hofgeismar übernommen. Peter Will ist seit vielen Jahren in Theaterprojekten aktiv und ist Mitbegründer des Musiktheaters Dingo. Hauptberuflich arbeitet er als Lehrer.


Alte Synagoge Vöhl




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