Minnesang.com Dr. Lothar Jahn Guderoder Weg 6 34369 Hofgeismar 05671-925355 E-mail an Minnesang.com CDs bestellen bei Minnesang.com: - Minnesang - geistliche Musik - Spielmannsklänge - Mittelalterrock Noten bestellen bei MInnesang.com: - MInnesang - Trobadors - Trobairitz - Trouvères - Carmina Burana -Cantigas de Santa Maria - Llibre vermell |
CD des Monats Februar 2012 CLEMENCIC CONSORT Jagd nach Liebe (Oehms Classics) Der
Jäger bricht auf , um ein edles Wild zu erlegen. Mit dabei sind
seine Hunde "Herz", "Freude", "Wille", "Wonne", "Trost" und "Treue" -
so schilderte um 1340 der Donauländische Dichter Hadamar von Laber
den Ausgangspunkt seiner ausgedehnten Minne-Allegorie. Vor einigen
Jahren hat sich Altmeister René Clemencic gemeinsam mit dem
epen-geschulten Bariton Eberhard Kummer, dessen
Nibelungen-Lied-Interpretation dem Kenner noch gut im Ohr ist,
daran gemacht, dieses Werk wieder zum Klingen zu bringen.
Die CD ist eine Live-Aufnahme aus dem Runtigersaal in Regensburg. Die
Tonqualiät geht in Ordnung, allein die unvermeidlichen Huster
stören von Zeit zu Zeit. Aus der "Jagd" werden vier
Ausschnitte dargeboten, darunter der Anfang und der Schluss. Reizvoll
ist dabei der stimmliche Kontrast zwischen dem sonoren Gesang Kummers
und dem hellen Kontratenor Markus Forster. Als Grundmelodie wurde
der Titurelton genommen, der Strophenbau legt das auf den ersten
Blick nahe. Der rhythmisch sehr freie Gesang der beiden Solisten zur
dezenten und doch sehr raffinierten Begleitung von Harfe und Drehleier Eberhard Kummers übt trotz der dauernder
Wiederholung des Tones einen magischen Sog aus. An dieser Melodie kann
man sich einfach nicht satthören! Trotzdem gibt es sinnvolle
musikalische Exkurse zu Zeitgenossen wie dem Mönchen von
Salzburg, Gherardellus de Florenttia und zu diversen anonymen Liedern,
die alle die Jagd-Thematik variieren. Die köstliche
Falkenlied-Parodie des Mönchen, bei der eine Trappgans den
geliebten Falken wegfängt, dient als humoristischer Gegenpol zur
Herzensschwere Hadamars. Unbedingt erwähnt werden muss als vierter
Musiker des hochinspirierten Quartetts Esmail Vasseghi, der schon als
Perkussionist glänzt, vor allem aber dem Hackbrett herrliche
Klänge entlockt. Alles in allem besticht die CD durch
Originalität und das gut durchgearbeitete Konzept des verdienten
Pioniers der musikalischen Mittelalter-Erkundung. Dank an René
Clemencic für dieses ganz besondere Album! (lj)CD des Monats Januar 2012 LEONES Neidhart - A Minnesinger and his "Vale Of Tears" (Naxos) Das
Ziel dieser Einspielung ist es, Neidhart zurückzuführen in
den Kreis der höfischen Sänger. Bei der Analyse der Melodien
des frühen Frankfurter Neidhart-Fragmentes entdeckte Leones-Leiter
Marc Lewon einen sensiblen Dichter und Komponisten, der sich nicht ganz
so begierig in den Strudel bäuerlicher Tanzvergnügungen
hineinziehen lässt, wie es die griffigen Melodien der
späteren Überlieferung suggerieren. Doch keine Angst, es ist
alles da: Natureingang und Minneklage münden immer wieder in
böse Händel mit dummdreisten Dörpern, die dem Ritter
drohen, weil sie ihm die Huld der Damen missgönnen. Und obwohl
Lewon und Els Janssens-Vanmunster gesanglich ebenso zurückhaltend
agieren wie die oft nur hingetupfte Begleitung als Gegenpol zu
brachial-bäurischer Maienzeit-Marktmucke, blitzt noch genug Humor
und Hintersinn auf. Dieser wird verstärkt durch raffinierte
kleinen Suiten von Baptiste Romain und Lewon, die bruchstückhaft
bekannte Neidhart-Melodien aus anderen Handschriften aufblitzen lassen.
Der entscheidende Unterschied wird deutlich beim direkten Vergleich mit
dem eingefügten Lied des „Tugendhaften Schreibers“ aus
dem Dunstkreis des Landgrafen Hermann I., ihm dichtet man ja eine
Teilnahme am legendären Sängerkrieg an. Sein „Guoten
wib wol üch der eren“ verströmt demutsvoll Edelmut zu
Konrads Wintermelodey aus der Jenaer Handschrift, doch eine
großartige, fast zehnminütige A-cappella-Version
von „Ich claghe de
bluomen“ weist voller Bitternis über unerwiderte Liebe,
bäuerliche Rücksichtslosigkeit und höfische Raffgier den
konventionellen Widersacher in die Schranken. Das von Marc Lewon
anrührend gesungene und begleitete Frau-Welt-Abschiedslied
„Allez daz den sumer“ setzt dann den resignativen
Schlusspunkt, dem das Ensemble mit Walthers „Vil wol gelopter
got“ und Adam le Halles „Je muir, je muir“ einen
etwas versöhnlicheren Ausklang beifügt. Kein Zweifel:
Neidhart wird mit
dieser Einspielung noch tiefer ins Reuental hineingezogen. Er
rückt uns dadurch aber menschlich näher – als ein Mann,
der viel Leid erlitten hat, der aber durch geschliffenen Spott in
Sprache und Musik seinen Weg gefunden hat, dem Schicksal zu trotzen.
(lj) > Alle Liedtexte finden sich hier. > Neidhart in der Bibliothek der Minnesänger. > Magisterarbeit von Marc Lewon zum Frankfurter Neidhart-Fragment. CHRISTOFFEL CONSORT Minnesang – Schweizer Liebeslieder aus dem Mittelalter (Zytglogge) Dass
sich einer mal näher mit den Schweizer Minnersängern
auseinandersetzt, war lang schon überfällig. Christoph
Mächler alias „Christoffel vom Hengstacker“ mit seinem
Christoffel Consort ist auch genau der richtige Mann dafür,
vertrat er sein Land doch schon beim ersten Europäischen
Minnesänger-Wettstreit 2009 in Braunschweig. Drei
Sängerdichter sind es, die im Mittelpunkt dieser CD stehen, alle
haben es auch in die Manesse-Handschrift geschafft: Werner von Homberg
(1272 – 1320), Otto zum Turm (Anfang 14. Jh.) und Albrecht
Marschall von Rapperswill (ca. 1290 – ca. 1314). Alle drei also
recht späte Vertreter der Gattung! Trotzdem ist leider keiner von
ihnen mit Notation überliefert; also muss zum Mittel der
Kontrafaktur gegriffen werden. Erfreulicherweise werden dabei nicht die
tausendmal heruntergenudelten Melodien der Klassiker des Minnesangs
genommen, sondern eher unbekannte Töne von Frauenlob, Regenbogen,
dem Mönchen von Salzburg oder Neidhart. Nur ein „Hit“
des Minnesangs findet sich wieder, Wizlaw von Rügens
„Loibere rîsen“, die Melodie ziert aber auch Werner
von Hohenbergs Minnepreisung prächtig. Otto zum Turms Stück
„froet iuch (der vil lieben zît)“, das Christoph
Möchler schon für die CD „Falken, Lerchen,
Nachtigallen“ (Heckenreiter, 2008) eingesungen und -gespielt
hatte, ist hier in einer interessanten Interpretationsvariante zu
hören, die das Lied etwas ruhiger angeht. Überhaupt ist
insgesamt zu spüren, dass die Umsetzung der Lieder inzwischen
etwas mehr in die historisch-authentische Richtung zielt. Dies
unterstützt vor allem das sehr intuitive Harfenspiel von Chiara
Pedrazzetti und der wie immer grandiose Flöten-Virtuose Peter
Immanuel Krafft von Dulamans Vröudenton. Nur manchmal geht noch
der Jazzer mit dem in vielen Genres erprobten Vollblut-Musiker
Christoph Mächler durch, was dem ganzen ebenso ie der kehlige
Gesang mit Schweizer Akzent ein unverwechselbare erfrischende Note
gibt. Zwischen den spannenden und neuartigen Neuvertonungen der
Schweizer Helden gibt es zur Entspannung schöne Versionen der
altbekannten italienischen Klassiker aus der British Library. (lj)CD des Monats November 2011 UNICORN Frolich, zärtlich, lieplich - Oswald von Wolkenstein (Raumklang) > CD bestellen bei für 15 Euro plus 3 Euro Versand www.minnesang.com. CD des Monats Oktober 2011 MINNESANGS FRÜHLING Richard Löwenherz (Verlag der Spielleute) >> Website des Ensembles hier. > CD bestellen bei für 15 Euro plus 3 Euro Versand www.minnesang.com. CD des Monats September 2011 BELLADONNA Chanterai d'aquestz trobadors (Talanton) Deutsche
Einspielungen des Trobador-Gesangs sind rar gesät, denn diese
Musik fordert genaue Kenntnisse der Sprache und Diktion dieser
großartigen Kultur. Das internationale Frauentrio Belladonna
besteht aus Absolventinnen der Schola Cantorum Basiliens, die ihren
Lebensmittelpunkt in Kanada, Schweden und Deutschland haben, aber zu
Konzerten und Tourneen immer wieder zusammenfinden. Die drei
verfügen über das nötige Wissen, die jahrelange
Erfahrung und die Intuition, um sich der schweren Aufgabe zu stellen.
Auf dem neuen Label Talanton (einem Ableger von
„Raumklang“) wird nun eine Live-Aufnahme des Ensembles vom
Freyburger Festival Montalbane 2006 vorgestellt. Temperamentvoll und
rhythmusbetont preisen die drei Damen mit dem Titelstück zu Beginn
mit Peire d'Alvergne die Kunst der okzitanischen Meister. Harfenklang
und eine der unendlich traurigen Tonfolgen, die den Trobadorgesang zur
nie versiegenden Quelle des bittersüßen Schwelgens für
alle unglücklich Liebenden gemacht haben, markieren den Beginn des
Hauptteils des Konzertes. Dieser ist mit „Liebesfreud und
Liebesleid“ nicht ganz richtig überschrieben: Die
Liebesfreuden sind ja nur als ferne Ahnung im Leiden an der
unstillbaren Sehnsucht präsent. Sängerin Miriam
Andersén gibt sich ganz in diese schmerzvolle Welt hinein. Die
Melodien werden mit Wärme und Einfühlung interpretiert, ohne
die vokalen Manierismen späterer Epochen, aber auch ohne die
nüchterne Klarheit einer allein am reinen Ton interessierten
Aufführungspraxis. Die Begleitung durch Rebecca Bain und
Susanne Ansorg auf ihren Fideln, Miriam Anderséns Harfe und
dezenter Percussion umspielt die Melodien und Bordune, ist aber in
ihrer vermeintlichen Einfachheit stets klug durchdacht und
wirkungsvoll. Auffällig ist, dass die Hits des Genres umgangen
werden: kein Lerchenlied, kein „Lanquand li jorne“, noch
nicht mal ein Vaqueiras. Und von der Comtessa de Dia statt „A
chantar“ das nicht minder wirkungsvolle „Estat
ai...“. Das Programm endet auch nicht mit der Hochphase der Fin
Amors, es reflektiert mit religiös-politischen Liedern die
Hinwendung der Trobadors zu den Katharern und die Vertreibung der
Sänger ins Exil nach den Albigenserkriegen. Gerade wegen dieses
begrüßenswerten Anspruchs vermisst man schmerzlich ein
Booklet mit Texten und Übersetzungen, um tiefer in die Materie
einzusteigen. Hier verspricht die Plattenfirma noch Informationen auf www.talanton.de,
die hoffentlich bald bereitstehen. Ansonsten: ein hochambitioniertes
und rundweg gelungenes Album, das neugierig auf weitere
Talanton-Veröffentlichungen macht! > Ensemble-Website auf My Space. CD des Monats August 2011 STUDIO DER FRÜHEN MUSIK THOMAS BINKLEY Troubadours, Trouvères, Minstrels (Warner Classics) Warner
Classics bringt die Minne-Klassiker zurück in den Handel: Thomas Binkleys
bahnbrechende LPs "Minnesang und Spruchdichtung" (1966), "Troubadours"
(1970) und "Trouvères" (1974) wurden ja von der Teldec bereits
1996 auf einer Doppel-CD zusammengefasst. Die neue Edition bleibt bei
der Ordnung von damals, ersetzt nur das Manesse-Bild durch ein
aufwändigeres Cover. Dieses Album gehört in die Sammlung jedes
Minnesang-Liebhabers: Es bietet zum einen mit der stilsicheren Auswahl
die einzig wirklich gültige Best-Of-Compilation der drei Varianten
der Fin Amors in altprovenzalischer, anglonormannischer und
mittelhochdeutscher Sprache. Von Ventadorns Lerchenlied über
Walthers und Neidharts Meisterwerke bis hin zu den anrührenden
Trouvère-Stücken von Gace Brule und Gillebert de
Berneville! Dessen ganz schlichtes, aber unglaublich wirkungsvolles
"De moi doleros vos chant" über einen Menschen, der die Liebe nie
kennenlernen durfte, ist ein ergreifender Höhepunkt der Sammlung.
Ansonsten merkt man, wie viele Musiker durch Binkleys Interpretationen
inspiriert wurden: Der Swing aus Ougenweides "Gerhart Atze" ist bereits
hier angelegt; mit dem durch D-Bordun in die Mollsphäre geholten
"Under der linden" und dem durch Vereinheitlichung der Vorzeichen
harmonisch geglätteten Wizlaw-Lied "Loibere risen" wurden
Standards geschaffen, die von Angelo Branduardi bis hin zu Estampie oder Faun
übernommen wurden. Die Wizlaw-von-Rügen-Nummer ist
übrigens in ihrer friedlich-meditativen Stimmung ein weiteres
Glanzlicht des Doppel-Albums. Schön auch, dass mit dem
hochartifiziellen Sangspruch "Ich warne dich, vil junger man,
gezarte" eine ganz andere Seite des vielseitigen Komponisten Wizlaw gezeigt
wird. Kunstvoll auch Frauenlobs "Es waent ein narrenwise": Der von sich
selbst begeisterte Meister wird dabei mit leichter Ironie bedacht. Richtig
witzig und zupackend wird es beim Unverzagten und seinem Spottlied auf "Kuninc
Rodolp", der seine Musiker nicht bezahlen wollte. Binkleys Anspruch, die mittelalterliche Musik nicht nur
historisierend mit Ehrfurcht darzubieten, sondern ihr neues Leben zu
schenken, zieht sich durch alle drei LPs. Sie kann auch heute noch
Wegweiser und Inspiration sein! (lj)> Die Doppel-CD kann für 20 Euro plus 3 Euro Versand hier bestellt werden. CD des Monats Juli 2011 ENSEMBLE FÜR FRÜHE MUSIK AUGSBURG Amours et Desirs (Christophorus) Ein
weiteres Meisterwerk des Augsburger Ensembles wurde im Juni mit neuem
Cover wieder auf den Markt gebracht: "Amours et Desirs". Die
Trouvères sind die Erben der Trobadors, der Vorreiter des
Minnesangs. Der Unterschied zu den erstgenannten, die um 1100 in
Aquitanien den Hohen Sang an die unerreichbare, ferne Dame zu
Höfischen Kultur machten, ist zum einen die Sprache. Das im Norden
Frankreichs gesungene Anglonormannisch ist dem heutigen Franzöisch
viel näher als der altprovenzalische Gesang der Troubadoure.
Insgesamt hört man auch auf dieser CD eine größere
Eingängigkeit und Leichtigkeit heraus als bei den tieftraurigen
Trobadors, was auch durch die häufiger auftretende Verwendung von
Refrains dokumentiert wird, die die übliche Versform der Kanzone
erweitern. Die Interpretation des Augsburger Ensembles ist erneut
großartig, vor allem die beiden sich wunderbar ergänzenden
Männerstimmen und die stilvollen Arrangements machen das Album zum
Genuss. Dass die Trouvères aber auch richtig traurig sein
konnten, beweist Blondel des Nesles "L'amour dont sui espris", in
seiner schlüssigen Interpretation der Höhepunkt des Albums.
Die Melodie ist ja auch als Vertonung des Carmina-Burana-Textes
"Procurans odium" bekannt, die Augsburger holten sich für die
Begleitung Anregungen bei der klerikalen Parallelüberlieferung und
machten doch ein zu Herzen gehendes Minne-Meisterwerk daraus.
Empfehlenswert! > CD bestellen bei für 15 Euro plus 3 Euro Versand www.minnesang.com. > Website: www.e-f-f-m-a.de CD des Monats Juni 2011 PEREGRINA "Crux" (Glossa) >Website: www.peregrina.ch POETA MAGICA "Edda Vol. 2" (Poeta Magica) Auf
diese CD hatte man lange warten müssen: Poeta Magica versprachen
schon lange eine Fortsetzung ihres Meisterwerkes um die
„Edda“, bisher der Höhepunkt des Schaffens des
Ensembles zwischen Mittelalter, Weltmusik und nordischer Tradition.
Eigentlich sollte das Album „Spoken Edda“ angekündigt
– gut, dass der unpassende Anglizismus aufgegeben wurde, zumal ja
beileibe nicht nur gesprochen wird! Weiterhin sollte laut
Ankündigungen von Poeta Magica ja eigentlich der bereits 2006
verstorbene Star-Sprecher Achim Höppner (Gandalf beim Film
„Herrn der Ringe“) zu hören sein. Er hatte vor Jahren
auf Anregung von Rafael Arroyo einige Teile der
„Edda“ eingesprochen, die Poeta Magica
ursprünglich verwenden wollten. Dies wurde der Gruppe vom
Rechteinhaber jedoch nicht gestattet Statt Höppner spricht nun
Rainer Hildebrand, bekannt
als „Haduwolff“ und Gründer der „Ars
Militia“. Auch er versteht es, mit sonorer Stimme Atmosphäre
zu zaubern. Doch weit mehr Aufmerksamkeit erzeugt der Kölner
Professor Dr. Ulrich Mehler, ein Urgestein der universitären
Mittelalterszene, der lange mit den legendären Sequentia
zusammenarbeitete, die ja auch einst die „Edda“ im
Repertoire hatten. Er erzählt die Geschichten aus der
altnordischen Sammlung so ungezwungen und frisch, als wäre er
selbst dabei gewesen. Dabei setzt er einen Gegenpol zur drückenden
Schicksalsschwere, die diesen Sagenkreis durchströmt. Obwohl die
Musik, die neben schwedischen Traditionals Kompositionen von Holger
Funke und Boris Koller enthält, eher schwermütig und
sphärisch die Fäden aus dem 1. Album orchestral fortspinnt,
sorgt Mehlers Erzälerpersönlichkeit für eine erfreuliche
Erdung. Ein Hörbuch der besonderen Sorte, nicht nur für
Freunde der nordischen Götterwelt!>Website: www.poetamagica.de CD des Monats April 2011 PAUL HOFHAIMER CONSORT SALZBURG "Mönch von Salzburg" (Arte Nova) > CD bestellen bei für 15 Euro plus 3 Euro Versand www.minnesang.com. > Website: Paul Hofhaimer Consort CD des Monats März 2011 TRIPHONIA "Mia Yrmana Fremosa - Medieval woman's songs of love and pain" (Challenge Records) Mittelalterliche
Frauenlieder von Liebe und Qual - Triphonia sind mit wahrem
Samnmlereifer ans Werk gegangen und bieten einen breiten Querschnitt
durchs Genre. Er beginnt mit den herrlichen Cantigas aus Vigo, reicht
über parodistisch Eingefärbtes wie Etienne de Meaux'
Anklage an den kaltherzigen Ehemann und Neidharts
Mutter-Tochter-Dialoge bis hin zu diversen Liedern der
Gottesminne. Das Frauen-Trio besteht aus der rührigen
Berliner Welt-Musikerin Gaby Bultmann, der versierten
Flötistin Leila Schoeneich (Fontana di Trevi) und der
Binkley-Schülerin Armanda Simmons als Zentrum des Ensembles. Der
Einfluss des unvergessenen Meisters vom Studio der Frühen Musik
ist noch deutlich spürbar - die drei Musikerinnen bringen das
vielfältige Material stilsicher und trotzdem mit Finesse und Sinn
für unerwartete Wendungen auf CD. Mal einstimmig, dann wieder in
ausgeklügelten Chören in mittelalterlicher Satztechnik
gesungen! Puristinnen könnten beklagen, dass Trobairitz, ja
weibliche Dichterinnen insgesamt fehlen: Beatriz de Dias "A chantar"
als Vorzeige-Minnelied weiblicher Urheberschaft wird diesmal nicht
präsentiert, allein bei anonymen Stücken wie eineigen
Chansons de toile und der herrlich interpretierten
Carmina-Burana-Nummer "Ich was ein chint" über den zudringlichen
Kerl an der Linde ist eine Frauenhand denkbar. In der Interpretation
der vitalen Damen aus Berlin, die noch deutlich von der
"historisch-authentischen" Musizierweise getragen werden, ist jedoch
genug weibliches Knowhow vorhanden, um die Frauensicht der Liebe, die
auch manchem mittelalterlichen Dichter vertraut war, sicher zur Geltung
zu bringen. Danke schließlich auch für das Booklet mit allen
Liedtexten, Übersetzungen und Hintergundinformationen! (lj)> Website von Leila Schoeneich und Gaby Bultmann. |
NOCH MEHR TIPPS: IOCULATORES und JÖRG PEUKERT: Der erlauchte Fürst (Talanton) Zwar
gibt der „Erlauchte Fürst“ Heinrich von
Meißen – nicht zu verwechseln mit seinem später
lebenden Namensvetter, der auch "Frauenlob" genannt wurde und hier mit
einer Estampie eine kleine Hommage bekommt – dem Album seinen
Namen. Doch die ausgewählten Werke dieser CD, die im Zusammenhang
mit einer Ausstellung zur höfischen Kultur in Zeiten des
Naumburger Meisters entstandt, stehen in Bezug zur ganzen Pracht
der Thüringer und Meißner Herrscher und Mäzene im
13. Jahrhundert. Allen voran der vielgepriesene Landgraf Hermann I.!
Die Musikbeiträge wechseln ab mit Textrezitationen von Jörg
Peukert – spannden ist der Kontrast der Stimmen: Auf der einen
Seite Sänger Robert Weinkauf mit seinem oft elegischen, hohen
Tenor, auf der anderen Seite der Sprecher mit seinem unnachahmlich
markantem Tonfall. Er lässt den Meißner Herren hochleben mit
Preisungen Reinmars von Zweter und Konrads von Würzburg, er gibt
auch einem minniglichen Dichtversuch des "Erlauchten" höchtselbst
Raum. Darüber hinaus erzählt er in den Worten der
„Dürigischen Chronik“ vom Sängerkrieg auf der
Wartburg und lässt zu Beginn und zum Ende der CD den
Tannhäuser mit Sangsprüchen zu Wort kommen. Dieser konnte
ja entgegen Richard Wagners Schilderungen als Kleinkind ja noch
nicht am Sängerkrieg selbst teilnehmen! Was die Musik angeht: Wer
alle CDs der Ioculatores besitzt, hat schon alles im Schrank. Mit einer
nicht ganz unwichtigen Ausnahme: „Staeter dienest“, des
Tanhäusers Parodie auf die Ideale der Hohen Minne, war ja immer
ein Höhepunkt bei den Konzerten des Ensembles! Höchste Zeit,
dass diese Umsetzung des Stückes, die vernünftigerweise die
satirischen Elemente des Liedes um eine unmäßiger Herrin
betont, endlich auf CD kam. Alles in allem also trotz des
Wiederholungsfaktors eine gelungene Produktion, die auch als Gesamtwerk
überzeugt. (lj)AYRAGON: Mit guenstlichem Herzen (Selbstverlag) Ayragon
sind am ehesten von allen heutigen Bands die Erben von 70er-Jahre-Bands
wie Fiedel Michel (auch Ayragon fiedeln herrlich) und den
frühen Ougenweide (vor der Elektrifizierung). Nicht nur die
Verbindung von alt und neu, auch der Einsatz des Glockenspiels und die
rhythmische Prägnanz erinnern an Frank Wulff & Co. So gibt es
mit Neidharts "Mayenzeit" eine Coverversion mit Kanon und zweiter
Stimme im Satz der Alt-Heroen und der gesamte erste Teil von "Amoroso"
besteht aus Ougenweides "Pferdesegen". Bei den Merseburger
Zaubersprüchen haben sie dagegen eine originelle Neuvertonung im
Programm. Ansonsten widmen sie sich vor allem Oswald von Wolkenstein,
dessen Klassiker klangschön und rhythmisch aufgepeppt dargeboten
werden. Lockerleichter Minne-Folk mit Flöten und Frauenstimmen!
(lj)> Website: www.ayragon.de ENSEMBLE NU:N: Salutare (Raumklang) > Website: www.ensemblenun.com |
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| CD DES MONATS Februar 2011 Capella Antiqua Bambergensis "Klang der Staufer" (CAB-Rec.) Die
Capella Antiqua Bambergensis verspricht auf dem neuen Album nichts
weniger als den "Klang der Staufer". Das verwendete Material greift
allerdings den gesamten Bestand mittelalterlicher Musik von der
Frühphase bis hin zur nachstaufischen Ära auf. Von den
Cantigas über Sephardischisches bis hin zum beliebten Saltarello
zeigen die Spindlers auf dem gesamten mittelalterlichen
Instrumentarium, was sie zu bieten haben, rhythmisch unterstützt
durch die stets hochpräzise Nora Thiele. Schön auch, dass
sich die bewährten Musikanten hervorragende gesangliche
Unterstützung suchten! Allen voran die stimmlich, aber auch an der
Harfe bezaubernde Arianna Savall-Figueras, die ihr genetisches
Potential als Tochter zweier Weltklasse-Musiker (Jordi Savall und
Montserrat Figueras) voll ausspielt. Aber auch Christine Maria
Rembeck überzeugt mit klarem Sopran bei geistlichen Klängen
von Wipo von Burgund über Hildegard von Bingen bis hin zum Llibre
Vermell. Petter Udland Johansen interpretiert in musiktheatalisch
geschulter Diktion die Auszüge aus dem Nibelungenlied, die die
lange Eingangssequenz der CD bestimmen, in der Trier-Alsfelder Melodie
statt im üblichen Hildebrandston. Das gibt dem bekannten Text eine
frische Farbe! Gelungen sind auch die ins Nibelungenlied eingeschobenen
kurzen Instrumentalteile, die der Ermüdung des Zuhörers
entgegenwirken. So könnte eine wirkungsvolle Vorführung des
Epos im höfischen Rahmen tatsächlich geklungen haben! Alles
in allem eine bunte und inspirierte Sammlung mittelalterlicher
Musik mit meditativ-sakralem Abschluss, die allerdings den
selbstgesteckten Rahmen zeitlich, geografisch und thematisch sprengt.
So kann das Ziel, den spezifischen "Klang der Staufer" einzufangen,
nicht erreicht werden, zumal der Minnesang, die omnipräsente
Kunstform der Staufer-Ära, merkwürdigerweise völlig
fehlt. Wenn man über dieses Manko hinwegsieht, hat man jedoch eine
wunderbare Kollektion mittelalterlicher Glanzstücke. Absolutes
Highlight ist das sechsminütige Savall-Johansen-Duett mit der 10.
Cantiga, das trifft mitten ins Herz! (lj)> Website: Capella Antiqua |
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| CD DES MONATS Januar 2011 Oni Wytars "Mediterraneum" (Sony Music) > Webiste des Ensembles hier. |
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| CD DES JAHRES 2010 Ougenweide: "Herzsprung" (Große Freiheit/Bureau B) Zum
40-jährigen Bühnenjubiläum von Ougenweide erschien im
März 2011 das erste Studio-Album der unbestrittenen Pioniere des
Mittelalter-Rocks nach eineinhalb Jahrzehnten. Im
Mittelpunkt des Albums stehen dezente und hoch inspirierte Vertonungen
von Texten, deren literarisches Spektrum vom frühen Mittelalter
bis zur Romantik reicht. Die Veröffentlichung des Albums
wurde überschattet durch den Tod von Ougenweide-Gründer Frank
Wulff, dessen musikalische Handschrift das Album von der ersten bis zur
letzten Note prägt. So wurde das Album, das sich qualitativ
problemlos mit den gefeierten Werken der Frühphase wie
"Ohrenschmaus" und "All die weil ich mag" messen kann, auch zu seinem
Vermächtnis. Ougenweide bewiesen aber auf Konzerten in Hamburg,
Bonn und Fulda, dass sie in Frank Wulffs Geist weitermusizieren
können und diese wunderbare Musik auch live großartig
funktioniert. Die heutige Mittelaltermusik-Szene huldigte Ougenweide
mit einem Tributkonzert im Juni auf Burg Falkenstein, einem "Ouwe" mit
großer Besetzung beim Festival Mediaval im September in Selb
sowie den beiden Alben "Tribut an Ougenweide" und "Merseburger
Zaubersprüche".Angesichts der Veröffentlichung des Albums schrieb Minnesang.com im Februar 2010 folgende Rezension: Im Gegensatz zum Vorgängeralbum "Sol", das in synthetischen Klängen geradezu badete, hat man sich bei "Herzsprung" Natur pur verordnet. Zum Klingen kommen Instrumente, die die Gebrüder Wulff aus aller Herren Länder nach Hamburg ins heimische O-Ton-Studio gebracht haben. So erklingen in trauter Eintracht Tritonshörner, Launedda, Duar, Koto, Monochord und manch andere exotische (oder historische) Köstlichkeit. Ougenweide gelingt es, aus einer deutlich gereiften Perspektive an die Siebziger anzuknüpfen. Mechthild von Magedeburgs "Dy minne", die brillante Merseburger Zauberspruch-Vertonung "Phol ende Uuodan" und "Der welsche Tanz" klingen ganz wie in den besten Tagen. Allerdings ist an die Stelle der jugendlichen Unbefangenheit von einst die Klangsensibilität eines an Musik und Erfahrung reichen Lebens getreten! Die Arrangements sind über Jahre gewachsen und wurden mit Liebe zum kleinsten Detail ausgearbeitet. Neben dem von Olaf Casalich beseelt und rhythmisch zupackend gesungenen Pferdezauber "Phol ende Uuodan", über dem ein herrlicher fünfminütiger Spannungsbogen liegt, gibt es ein weiteres Meisterstück: Sabine Maria Reiß interpretiert geradezu entrückt das tieftraurige "Ich sachs eins mals", in dem sich die Liebessehnsucht des Glogauer Liederbuches mit den Schmerzen aus Blues und Klezmer verbinden. Die Band, die Vorbild für die gesamte Mittelaltermusikszene ist, beschließt ihr Album augenzwinkernd mit einem einminütigen Epilog vom Kaliber "Merseburger Spieluhr". Ein reifes Werk von abgeklärten Musikern, die wissen, worauf es im Leben ankommt - vergleichbar nur noch mit den aktuellen Produktionen von Sting oder Peter Gabriel! (lj) > CD bestellen bei www.minnesang.com! > Website zur CD hier. |
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